British-Airways-Streiks Flugausfälle betreffen Tausende Passagiere

Millionenverluste, genervte Passagiere, gereizte Arbeitnehmer: Die vielen Streiktage haben der Fluggesellschaft British Airways schwere Schäden zugefügt. Jetzt gerät jedoch der Gewerkschaftsboss in die Kritik - weil er mitten in den Verhandlungen in Urlaub flog.
Streikendes Personal in London-Heathrow: 140 Millionen Euro Verlust für British Airways

Streikendes Personal in London-Heathrow: 140 Millionen Euro Verlust für British Airways

Foto: © Luke MacGregor / Reuters/ REUTERS

London - Tausende British-Airways-Kunden sind von dem jüngsten Streik des Kabinenpersonals betroffen: Am Samstag und Sonntag mussten erneut Dutzende Flüge ausfallen oder verschoben werden. Noch bis Mittwoch wird der fünftägige Streik den Flugverkehr einschränken. Am Wochenende seien allerdings zusätzlich zu einem Notfallplan mehr Flüge als vorgesehen angeboten worden. Viele Mitarbeiter seien trotz des Streikaufrufs zur Arbeit erschienen seien, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die Gewerkschaft Unite hatte am Samstag die neuen Streiks gestartet, weil nach monatelangen Verhandlungen noch kein Ende des Streits in Sicht ist. In dem Konflikt geht es unter anderem um die Absicht der Geschäftsleitung, die Zahl der Flugbegleiter zu reduzieren, um Kosten zu sparen. Unite hat bereits angekündigt, im Juli weitere Streiks zu organisieren, falls British Airways (BA) nicht von ihren Kürzungsplänen abweicht.

Seit März hat das Kabinenpersonal mehrfach die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben der Fluggesellschaft verursachen die Streiks pro Tag rund acht Millionen Euro Verlust. Die Gewerkschaft schätzt die Verluste der Fluggesellschaft auf insgesamt rund 140 Millionen Euro. Viele Passagiere buchen aus Angst vor weiteren Streiks keine BA-Flüge mehr. Allein im Mai waren die Fluggastzahlen um 14,2 Prozent zurückgegangen.

Die Fluggesellschaft versprach, in den kommenden Tagen mehr als drei Viertel der gebuchten Flüge durchzuführen und damit täglich etwa 65.000 Menschen zu ihrem Ziel zu fliegen. 80 Prozent der geplanten Langstreckenflüge und 60 Prozent der Kurzstreckenflüge sollten vom Großflughafen London-Heathrow starten. Auf den Airports London City und Gatwick sollte der Flugverkehr nahezu normal blieben.

British Airways versicherte außerdem, dass sich Fußballfans keine Sorgen machen müssten. Die Flüge nach Südafrika zur Weltmeisterschaft könnten voraussichtlich wie geplant abheben. Die Gewerkschaft Unite hat unterdessen das Streikgeld für Mitglieder von 30 Pfund auf 45 Pfund (54 Euro) pro Tag erhöht.

Gewerkschaftsboss macht Urlaub

Englische Medien kritisierten derweil den Unite-Gewerkschaftschef Tony Woodley, der mitten in der fünften Streikwelle für eine Woche mit seiner Frau in den Urlaub flog. Der "Daily Telegraph" berichtete, dass Woodley von Manchester nach Zypern mit der Billigfluggesellschaft Easyjet flog. Die Zeitung vermutete, dass er damit "das Chaos vermeiden wollte, das am Flughafen Heathrow durch ausgefallene British-Airways-Flüge entstand". Bereits im vergangenen Monat sei der Gewerkschaftsboss während Verhandlungen mit British Airways auf Kuba gewesen, um dort den 51. Jahrestag der kubanischen Revolution zu feiern.

Statt Woodley wird der Unite-Generalsekretär Derek Simpson die Verhandlungen mit British-Airways-Chef Willie Walsh fortsetzen. Nach Angaben des "Daily Telegraph" sorgten vorherige Verhandlungen der beiden Akteure bereits vor zwei Wochen für Furore, nachdem Simpson Details der Gespräche über die Internetplattform Twitter veröffentlicht hatte.

jhe/dpa/AFP