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04. Februar 2007, 10:02 Uhr

Brüssel, EU-Generaldirektion für Energie und Verkehr

Der Sicherheitsanalytiker

Eigentlich erwartet man in dem Altbau an der Rue Demot kein frisches Denken. Der beige Klotz, Domizil des EU-Referats für Gefahrenabwehr im Luftverkehr, wirkt etwa so muffig wie Sozialer Wohnungsbau aus den siebziger Jahren. Tatsächlich ist auch nicht ganz klar, woher nun plötzlich der frische Wind weht. Von den Fluggesellschaften, heißt es, die machten Druck, dass sich etwas ändere bei den Passagierkontrollen. Und tatsächlich, vom Leiter des Referats, dem Deutschen Eckard Seebohm, kolportiert man in Brüssel den Satz, man wolle der Industrie zeigen, dass bei der EU keineswegs Sturköpfe säßen, die immer nur die Vorschriften verschärften.

Fest steht, dass Seebohms vorgesetzte Generaldirektion Energie und Verkehr jetzt eine Machbarkeitsstudie zu "Trusted Traveller"- Programmen in Auftrag gibt – der erste, wenn auch noch vorsichtige Schritt in diese Richtung. "Wir müssen uns fragen, ob das System an sich selbst erstickt, wenn wir bei den Flugsicherheitskontrollen immer mehr aufschichten", begründet Seebohm die Initiative. Mit "jeder Schippe, die wir drauflegen, knirscht es mehr im Gebälk".

Wer darf in die Gruppe der Guten?

Die Studie soll nun zeigen, ob sich mit Registrierungsprogrammen Fluggäste schneller durchschleusen lassen, und zwar ohne Einbußen für die Sicherheit. Da geht es dann auch um die Frage, was man den Teilnehmern guten Gewissens überhaupt an Vergünstigungen anbieten kann – bei Testläufen in den USA, etwa am Flughafen von Orlando, dürfen sie zwar eine extra für sie reservierte Spur nutzen, aber die Schuhe ausziehen und den Gürtel ablegen müssen sie trotzdem.

Vielleicht, überlegt Seebohm, könnte man ja in der Schnellspur weniger Handgepäck-Stichproben machen. Denn immerhin zehn Prozent der Taschen, so die Vorschrift, müssen geflöht werden, selbst wenn die Sonde vorher nicht angeschlagen hat. Möglicherweise reiche für die handverlesenen Passagiere dann ja die Hälfte.

Das Hauptproblem, für das die Studie Antworten finden soll, ist allerdings ein anderes: Wer darf hinein in die Gruppe der Guten, und bedeutet das nicht umgekehrt, dass jeder, der draußen bleibt, als möglicher Terrorist gebrandmarkt ist?

<b>Lesen Sie hier den letzten Teil: Berlin, Innenministerium - Die Sicherheitszukunft</b>

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