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Bulgarien: Imageprobleme durch Sauf-Tourismus

Foto: epa Anton Chalakov/ picture-alliance/ dpa

Bulgariens Schwarzmeerküste Reiseziel Exzess

Whisky für einen Euro, Drei-Sterne-Unterkünfte zum Billigpreis: Bulgariens Schwarzmeerküste lockt mit günstigen Preisen Urlauber an und feiert Besucherrekorde. Doch das Image leidet - denn viele Touristen wollen vor allem viel Exzess für wenig Geld.

Sofia - Es sind immer die gleichen Szenen im bulgarischen Slantschew Brjag, dem international bekannten "Sonnenstrand" am Schwarzen Meer. Junge Urlauber grölen bei nächtlichen Saufgelagen, schwärmen volltrunken von den "billigen Girls und billigen Drinks". Ein Glas Whisky von fragwürdiger Qualität kostet nur einen Euro. Oft kommt dazu ein Tabletten- und Drogenmix, ebenfalls zu Niedrigpreisen. Am nächsten Morgen liegt immer mal wieder ein ausländischer Tourist in der Klinik.

Der acht Kilometer lange "Sonnenstrand" ist zum Treffpunkt des Sauf-Tourismus geworden. Die Hotelburgen waren auch in diesem Sommer proppevoll. Bislang werden die betrunkenen Ausländer vom Personal zähneknirschend geduldet. Es sind schließlich zahlungskräftige Kunden. Ausgebucht waren im August praktisch alle großen Badeorte wie Slatni Pjassazi oder Albena weiter im Norden. Auch im romantischen Sosopol verzeichneten Hotels, Cafés und Gaststätten einen immensen Andrang.

"Die Preise fallen!", lautete das Motto zu Saisonbeginn. Ein Urlauber kann im Drei-Sterne-Hotel schon für 15 Euro übernachten und frühstücken. Das Bier im 0,3-Liter-Glas kostet weniger als einen Euro. Die Zwischenbilanz: Mit wahrscheinlich fünf Millionen ausländischen Urlaubern wird 2010 ein Rekordjahr. Das wären zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Buchungen aus Deutschland stiegen sogar um ein Fünftel. Traditionell stellen die Deutschen einen großen Anteil aller Urlauber aus der EU.

Tourismus ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Der Zustrom von Touristen erfreut zu Krisenzeiten auch die Regierung in Sofia. Die Branche steuert immerhin mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei. Dieser Sommer werde Einnahmen über rund 3,5 Milliarden Euro bringen, fünf Prozent mehr als im Vorjahr, sagt Zwetan Tontschew, der die bulgarische Tourismus-Kammer leitet.

Tausende Russen dehnten im August ihren Bulgarien-Urlaub wegen der Waldbrände zu Hause aus. Auch die Nahost-Krise spielt eine Rolle. Nach dem türkisch-israelischen Streit um die Gaza-Flotte meiden viele Urlauber aus Israel die Türkei. Sie reisen jetzt lieber nach Bulgarien. Doch das Balkanland könne langfristig nicht auf den Massenurlaub im Beton-Dschungel und allerlei Krisen setzen, warnen Experten.

Billige Drinks, Drogen und Sex dürften das Image der Urlaubsregion nicht länger prägen. "Mit vielen Heilquellen und antiken Kulturstätten bietet Bulgarien auch Wellness oder Bildungsurlaub", betont Iwo Marinow, als Vize-Wirtschaftsminister in der Regierung für den Fremdenverkehr zuständig. Ein aktueller Fund von Reliquien Johannes des Täufers könnte nun auch Pilger anziehen und das antike Sosopol gar zum "neuen Jerusalem" machen, verkünden Tourismus-Strategen. Doch das ist bislang reines Wunschdenken - bis dahin sind noch einige Marketing-Anstrengungen nötig.

Elena Lalowa, dpa