Burmesische Flüchtlinge Thailand eröffnet "Menschenzoo" bei Pattaya

Schnappschuss gegen Eintritt: In thailändischen Touristendörfern können Besucher die Frauen des Kayan-Volkes bewundern. Jetzt hat in unmittelbarer Nähe der beliebten Strände von Pattaya ein neues der als "Menschenzoo" kritisierten Dörfer eröffnet.

In Thailand hat an der Küste ein weiteres künstliches Touristendorf mit den als "Giraffenfrauen" bekannt gewordenen Frauen des Kayan-Volkes eröffnet. Nur einige Kilometer entfernt von den berühmt-berüchtigten Stränden von Pattaya werden in Sattahip ausländischen und einheimischen Touristen gegen Eintritt die Frauen mit den extrem langen Hälsen vorgeführt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Laut der thailändischen Zeitung "Daily XPress" soll der Eintritt 25 Baht (50 Cent) für Thailänder und 250 Baht (5 Euro) für Ausländer kosten.

Die Frauen der Kayan, die aus Burma stammen, sind berühmt für ihre jahrhundertealte Tradition, ihre Hälse mit vielen Ringen zu schmücken. Über die Jahre drückt der bis zu zehn Kilogramm schwere Schmuck Schultern und Schlüsselbeine herunter, so dass ihre Hälse länger wirken. Auch an Armen und Beinen tragen sie unzählige Blech- und Messingringe. Ihr Kopf bedeckt ein buntes Tuch, oft geschmückt mit Plastikblumen.

Seit Jahrzehnten nutzen thailändische Tourveranstalter das ungewöhnliche Schönheitsideal der Kayan aus und haben Dörfer in Freilichtmuseen verwandelt, um zahlungskräftige Touristen anzulocken. Als Menschenzoo international kritisiert, gibt es bisher bereits sieben davon im Nordwesten von Thailand. Dort, in den Provinzen Mae Hong Son und Chiang Mai an der Grenze zu Burma, leben die Angehörigen des Padaung oder auch langhälsige Karen genannten Volkes. Sie selber empfinden die Bezeichnung als herabwürdigend und bezeichnen sich als Kayan.

Der Chef des Sattahip-Bezirks, Narong Thirachantarangkoon, wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe der Einrichtung eines "Menschenzoos" zugestimmt: "Ich denke, das ist es nicht, denn die Karen leben freiwillig hier", sagte er der dpa. "Das ist besser, als wenn sie in ihrer Heimat bleiben und verhungern." Doch den Kayan, von denen viele aus Burma geflohen sind, fehlt die Alternative zu den Touristendörfern. Läuft das Geschäft dort gut, bekommen die Frauen Geld, mit dem sie ihre Familie erhalten müssen. Verlassen dürfen sie ihre Dörfer nicht. Die ersten jungen Frauen des Volkes weigern sich daher, der Tradition zu folgen.

Im vergangenen Jahr hat Thailand einer Gruppe von Kayan-Frauen Visa für eine Ausreise nach Neuseeland verweigert, wo sie eine neue Heimat finden sollten. Die Frauen waren als Flüchtlinge über die Grenze von Burma gekommen und in von thailändischen Geschäftsleuten errichtetes Dorf gelockt. Dort dienten sie als Touristenattraktion.

Die thailändische Regierung argumentierte damals, dass die Gruppe das Recht auf eine Umsiedlung verspielt hätte, da sie sich aus einem Flüchtlingslager entfernt hätten. In den Lagern an der thailändisch-burmesischen Grenze leben Zehntausende aus Burma geflohener Kayan, die in Thailand keine Arbeitsgenehmigung erhalten.

abl