Chaos am Flughafen Kairo Bakschisch für den Abflug

Noch immer warten Tausende Menschen auf dem Flughafen von Kairo auf ihren Abflug. Am Dienstag musste die Fluggesellschaft EgyptAir 75 Prozent ihrer Flüge absagen, weil Personal fehlte. Passagiere kamen zum Teil nur nach Bestechungen in die Maschinen.

REUTERS

Kairo - Die Flucht Tausender Menschen aus Ägypten hat auch am Dienstag zu chaotischen Zuständen auf dem Flughafen in Kairo geführt. Zwar trafen weitere Sondermaschinen ein, um Ausländer und Einheimische außer Landes zu fliegen, doch mehr als 4500 Menschen warteten noch immer darauf, das Land verlassen zu können. Etliche Verbindungen wurden allerdings gestrichen oder sind verspätet.

Die ägyptische Fluggesellschaft EgyptAir hatte am Dienstag rund 75 Prozent ihrer Flüge abgesagt, weil sie wegen der Ausgehverbote und der Straßensperren in Kairo nicht das notwendige Personal zusammenbekam. Auch waren viele der Piloten und Flugbegleiter zu besorgt, um ihre Familien zu verlassen.

Vor dem Terminal 1 fanden Hunderte Reisende, die noch keinen Zutritt zur Eingangshalle erhielten, Unterschlupf in einem großen, weißen Zelt, wie AFP-Reporter berichteten. An den Sicherheitsschleusen gab es bis zu 40 Meter lange Warteschlangen. Die Mitarbeiter der verschiedenen Botschaften, von denen einige mit leuchtenden Westen bekleidet waren, versuchten ihre Landsleute in Gruppen zusammenzuhalten.

2000 Dollar für den Polizisten

Angesichts der Menschenmassen war das Flughafenpersonal am Dienstag noch immer heillos überfordert, Lebensmittel wurden knapp, verlässliche Fluginformationen gab es nicht. Selbst ein Flugticket garantierte nicht, dass man einen Platz im Flieger bekam. Panik machte sich breit - und Bestechung.

Passagiere berichteten, dass Polizisten Bestechungsgelder verlangen, bevor sie einen an Bord lassen. "Die Terminals sind voller panischer Menschen. Das Bodenpersonal ist verschwunden, und am Gate, kurz vor dem Einsteigen, mussten wir 2000 Dollar für einen Polizisten an der Tür zusammenlegen", sagte ein kanadischer Tourist am Dienstag nach Ankunft am Frankfurter Flughafen. Der Polizist hätte sie ohne Bestechung nicht passieren lassen.

Nach Angaben von Mitarbeitern am Dienstag ist es zwischen verzweifelten Reisenden und Angestellten der Fluggesellschaft EgyptAir zu einem Handgemenge gekommen. Etwa fünf Angestellte hätten Menschen geschubst, die sich ins Reisezentrum drängeln wollten, um an Tickets zu gelangen, erklärten Gewährsleute. Verletzt wurde offenbar niemand.

Fluggesellschaften aus aller Welt organisierten am Dienstag rund 85 Sonderflüge für die Ausreise von Ausländern. Außerdem starteten mindestens 35 Privatmaschinen und Charterflüge, die meisten davon Richtung Europa. Die USA haben mehr als ein Dutzend Charterflugzeuge nach Kairo geschickt. Mehr Flüge zu Zielen in Griechenland, Türkei und Zypern werden am Mittwoch erwartet.

Auch die Fahrt zum Flughafen gestaltet sich schwierig. Inzwischen gibt es so viele Kontrollpunkte auf den Straßen, auch von den Bürgerwehren, dass es kaum noch möglich ist, durchzukommen. Ein griechischer Arbeiter, der am Dienstag in Athen eintraf, erklärte, die Passagiere hätten 19 Kontrollstellen passieren müssen, um zum Kairoer Flughafen zu gelangen.

abl/dapd/AFP

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Matthias Hofmann 02.02.2011
1. Das ist die Normalität im Ausnahmezustand
Zitat von sysopNoch immer warten Tausende Menschen auf dem Flughafen von Kairo auf ihren Abflug. Am Dienstag musste die Fluggesellschaft Egypt Air 75 Prozent ihrer Flüge absagen, weil Personal fehlte. Passagiere kamen zum Teil nur nach Bestechungen in die Maschinen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,743119,00.html
Da heißt es jetzt eben wieder mal, wer zu spät kommt den straft das Leben! Schon vor zwei Wochen war klar, was geschehen wird. Da funktionierte der Flughafen noch einwandfrei. Wenn ich mich recht erinnere ist Bakschisch im Orient sowieso an der Tagesordnung. Da herrschen eben etwas andere Gesetze.
Monark, 02.02.2011
2. Also ...
Da finde ich die Überschrift aber etwas daneben: 2000 Dollar als "Bakschisch" (Almosen oder Trinkgeld) zu bezeichnen ...
johannq 02.02.2011
3. ...
Zitat von MonarkDa finde ich die Überschrift aber etwas daneben: 2000 Dollar als "Bakschisch" (Almosen oder Trinkgeld) zu bezeichnen ...
Tja, man kann ja auch dableiben. ;) Und die Leute, die sich dort bestechen lassen, verdienen eben auch teilweise so 300, 400 Dollar im Monat, obwohl es nicht unbedingt billig ist in Kairo zu leben. Die Leute die sich es jetzt leisten können dort zu Bestechen, haben über die Regierungen ihrer Länder auch teilweise dafür gesorgt, dass die Lebensumstände in Ägypten so sind... indirekt also teilweise selber schuld. Ein wenig Anarchie & Chaos in der jetzigen Situation sollte auch niemanden mehr wirklich wundern.
Baul 02.02.2011
4. parallelgesellschaft
Es muss schon endlich klar sein, dass, wenn ich in ein afrikanisches Land fahre ich damit rechnen muss, dass nicht alles so abläuft wie in Europa. Schließlich haben wir auch dazu beigetragen, dass sich in diesen Ländern Parallelgesellschaften gebildet haben. Auf den schönsten Plätzen sitzen ausländische Tourismushochburgen mit sämtlichem Überfluss. Herbeigeholt durch korrupte Politclans. Und der Rest der Bevölkerung muss dem Prassen und Protzen zuschauen, bzw. läuft alles letztendlich sogar auf deren Kosten ab. Da ist es doch nur zu verständlich, dass sich irgendwann die Bevölkerung auflehnt und dass sich Müllers und Maiers etc. gedulden oder tief in die Tasche greifen müssen, um in ihren gesicherten Wohlstand zurückkehren zu können- oft auf Kosten der Steuerzahler! Einfach widerlich diese Lamentierereien!
hilfloser, 02.02.2011
5. Ich weiß schon
warum ich meinen Urlaub immer in einer gemütlichen Ferienhütte in Dänemark und Norwegen verbringe. Ein muslimisches Land käme für mich sowieso als Urlaubsreiseziel nicht in Frage. Kulturgüter Hin oder Her.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.