China Shanghai will Pyjamas auf der Straße verbieten

Bequem, aber nicht immer modisch: In Shanghai ist es bis heute keine Seltenheit, dass man Bürger im Pyjama auf der Straße antrifft. Ein Komitee der Stadt will diese "unzivilisierte" Eigenart nun verbieten.


Shanghai - Shanghais Behörden wollen den Einwohnern ihrer Stadt eine liebgewordene Angewohnheit austreiben: Im Schlafanzug durch die Straßen zu flanieren. Im nördlichen Stadtteil Rixin habe sich ein Nachbarschaftskomitee gegründet, um den Menschen richtiges Benehmen beizubringen, berichtete die amtliche "Jugendzeitung" am Freitag.

Shopping im Schlafanzug: Eine Frau aus Shanghai auf dem Heimweg vom Gemüseeinkauf
AFP

Shopping im Schlafanzug: Eine Frau aus Shanghai auf dem Heimweg vom Gemüseeinkauf

Im Pyjama auf der Straße herumzulaufen, sei einfach "unzivilisiert" und rücke die Stadt in ein schlechtes Bild, sagte Komiteemitglied Guo Xilin dem Blatt.

Mancher Einwohner sieht das anders: "Pyjamas sind doch auch eine Art von Kleidung. Sie sind bequem, jeder trägt sie doch auf der Straße", sagte ein Rentner mit dem Nachnamen Ge der Zeitung.

Die Gepflogenheit stammt noch aus der Ära, in der Shanghais Einwohner in Gemeinschaftsunterkünften lebten und keine Privatsphäre kannten. Ein hübscher Pyjama galt als Zeichen von Wohlstand, weil damit der Besitzer zeigte, dass er nicht in alten Lumpen schläft. Trotz zahlreicher Kampagnen halten die Menschen seit Jahrzehnten an diesem Brauch hartnäckig fest.

sto/AFP



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