Comtel Air Fluggäste mussten 20.000 Pfund Spritgeld zahlen

Abschnallen, bitte, und zum Geldautomaten! Bei einem Zwischenstopp in Wien befahl die Crew einer Comtel-Air-Maschine den Passagieren plötzlich, 20.000 Pfund zusammenzukratzen. Grund für die Bettelaktion: Das nötige Benzingeld fehlte.
Comtel Air: Fluggäste mussten 20.000 Pfund Spritgeld zahlen

Comtel Air: Fluggäste mussten 20.000 Pfund Spritgeld zahlen

Foto: NARINDER NANU/ AFP

Wien - Es sollte nur ein kurzer Zwischenstopp zum Tanken sein, doch dann fehlte der Airline das Spritgeld: Auf dem Flug vom indischen Amritsar nach Birmingham sind Passagiere einer österreichischen Fluggesellschaft von den Piloten gezwungen worden, insgesamt 20.000 Pfund (23.400 Euro) Benzingeld für den Heimflug zu zahlen. Sie seien von der Crew bei einem Zwischenstopp in Wien sechs Stunden lang an Bord festgehalten und regelrecht erpresst worden - dies berichteten die betroffenen Comtel-Air-Kunden britischen Medien.

Filmaufnahmen aus dem Flugzeug, die der Sender Channel 4 ausstrahlte, zeigen, wie das Kabinenpersonal darauf bestand: "Sie müssen zahlen!" Man benötige "ein bisschen Geld, um das Kerosin, den Flughafen und alles, was wir brauchen, zu bezahlen." Vier Fluggäste ohne Bargeld mussten aussteigen und Geld abheben, erzählte eine Mitreisende.

Die Piloten hätten erklärt, dass knapp 24.000 Euro für das Kerosin fehlten, sagte Passagier Ranbir Dehal der "Birmingham Mail". Wer kein Bargeld dabei hatte, sei von der Besatzung zum Geldautomaten am Flughafen eskortiert worden.

Reena Rindi sagte dem Blatt: "Wir haben uns zusammengetan und unser Geld herausgeholt - jeder 130 Pfund. Kinder unter zwei Jahren brauchten nicht zu zahlen." Die Passagiere seien verzweifelt gewesen, weil sie schon tagelang unterwegs waren und nur noch nach Hause nach Großbritannien wollten. Die Boeing 757 mit mehr als 180 Passagieren sollte ursprünglich am Samstag in Birmingham ankommen, schließlich landete sie am Dienstagabend.

Der Zwischenfall in Wien ist offenbar kein Einzelfall. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, sind auch am Donnerstag wieder Comtel-Air-Passagiere gestrandet - diesmal am Flughafen von Amritsar. Wieder habe es an Geld für Kerosin gefehlt - und auch die Flughafensteuern hätten noch beglichen werden müssen.

Eine angebliche Insolvenz streitet Comtel Air jedoch vehement ab. "Wir haben genug Geld", sagte in Wien Bhupinder Kandra, ein Vertreter der Airline. Er machte den britischen Reiseveranstalter Skyjet verantwortlich, der der Fluggesellschaft kein Geld für den Flug überwiesen habe. "Das ist nicht mein Problem", so Kandra, "sondern ein Problem mit dem Veranstalter."

Offensichtlich haben nun auch Kunden ein Problem, die am Wochenende mit Comtel fliegen wollten. Angestellten des Flughafens vom Birmingham zufolge sind alle Wochenend-Flüge der Airline gestrichen worden. Die österreichische Charter-Gesellschaft Comtel Air hat die Strecke Birmingham-Amritsar erst im Oktober aufgenommen.

jus/AFP/dapd/AP
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