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Concorde-Unglück Verkettung unglücklicher Ereignisse

Anderthalb Jahre nach dem Absturz einer Concorde bei Paris bestätigt der nun veröffentlichte Schlussbericht eine fatale Kettenreaktion als Ursache des Unglücks. Zudem kritisierte die französische Untersuchungsbehörde BEA Wartungsmängel der Air France.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als wesentliche Unglücksursache gilt, dass die Concorde der Air France beim Abflug über ein 43 Zentimeter langes Metallteil gerast war, das von einer kurz zuvor gestarteten DC-10 der US-Fluggesellschaft Continental Airlines stammte. Daraufhin platzte ein Reifen. Teile davon trafen eine Tragfläche mit einem eingelagerten Tank, der zerbarst. Das dann auslaufende Kerosin geriet in Brand mit den verheerenden Folgen.

Das Flugzeug sei zudem um eine Tonne überladen gewesen, doch das habe sich nicht wesentlich auf den Startablauf ausgewirkt, hält das BEA fest.

Als Mängel bei der Concorde-Wartung nannte der Bericht unter anderem den Umgang mit Daten, die fehlende Archivierung bestimmter Dokumente und Lücken bei der Gepäck-Abfertigung. Der Mythos der Concorde habe die Wartungsteams zu sehr an die Unfehlbarkeit des Überschalljets glauben lassen, heißt es. Beispielsweise seien trotz 80 Pannen im Zusammenhang mit Concorde-Reifen keine Gegenmaßnahmen ergriffen worden. Die Behörde schloss in ihrem 400-Seiten-Bericht aber aus, dass die Wartungsmängel zu der Katastrophe vom 25. Juli 2000 geführt haben.

Vorgeschlagen wurde in dem Bericht eine Prüfung durch die französische Zivil-Luftfahrtbehörde DGAC. Allgemein wurde eine Verschärfung internationaler Luftfahrtbestimmungen empfohlen, ebenso wie eine regelmäßige Kontrolle der Pisten. Die Reifen sollten öfter geprüft werden. Der Concorde-Pilot müsse über eine Videoeinrichtung auch nicht sichtbare Teile des Jets überprüfen können.

Bei dem Unglück waren 113 Menschen umgekommen, darunter 97 Deutsche. Die Concorde Jets der Air France und der British Airways wurden daraufhin mit einem zeitweisen Flugverbot belegt. Nach einer Reihe technischer Verbesserungen wurde der Linienverkehr auf den Strecken Paris-New-York und London-New-York 2001 wieder aufgenommen.

Die Gesamtsumme des Schadens hat die Fluggesellschaft Air France auf umgerechnet mindestens 170 Millionen Euro geschätzt. Die Entschädigungen für die etwa 700 Angehörigen der Opfer machen nach Schätzungen nochmals fast 173 Millionen Euro aus.