Lawinenunglück Weltklasse-Bergsteiger in Kanada vermisst

David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley sollen in den kanadischen Rocky Mountains von einer Lawine verschüttet worden sein. Am Mittwoch gab es das letzte Lebenszeichen der drei bekannten Alpinisten.

David Lama 2013 bei einer Kletter-Aktion in San Sebastian: "Extrem erfahren"
Juan Naharro Gimenez / Getty Images

David Lama 2013 bei einer Kletter-Aktion in San Sebastian: "Extrem erfahren"


Drei Bergsteiger werden in den kanadischen Rocky Mountains vermisst. Die beiden Österreicher David Lama, 28, und Hansjörg Auer, 35, sowie der US-Amerikaner Jess Roskelley, 36, waren zu einer Tour auf den Mount Andromeda aufgebrochen. Wie unter anderem die "Tiroler Zeitung" berichtet, sollen sie von einer Lawine verschüttet worden sein.

Nach den Vermissten wurde demnach mit Rettungsflügen gesucht, bislang ohne Erfolg. Es soll sich um eine Lawine gewaltigen Ausmaßes gehandelt haben, heißt es. Nach Angaben der kanadischen Behörden wurde die Suche inzwischen wegen einer erhöhten Lawinengefahr abgebrochen. Der kanadischen Parkaufsicht zufolge wird davon ausgegangen, dass die drei Bergsteiger nicht mehr am Leben sind.

Roskelleys Vater sagte der US-Zeitung "Spokesman-Review", er gehe vom Tod seines Sohnes aus. "Die Route, die er gehen wollte, wurde zum ersten Mal im Jahr 2000 bewältigt", sagte John Roskelley, der früher selbst als einer der besten US-Bergsteiger galt. "Es ist eine dieser Routen, bei der die Bedingungen perfekt sein müssen, sonst wird es zum Albtraum. Genau das ist passiert."

Roskelley hatte 2003 gemeinsam mit seinem Sohn den Mount Everest bestiegen. Jess Roskelley war zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt und damit der jüngste Bergsteiger, der den höchsten Berg der Welt bezwang.

"Die drei sind extrem erfahrene Bergsteiger - die weltbesten sogar"

Profibergsteiger und Extremkletterer Stefan Glowacz schätzt die Chance, dass die drei Vermissten nach einem Lawinenabgang noch am Leben sind, als gering ein. "Schon nach mehr als 15 Minuten sind die Überlebenschancen nicht sehr hoch", sagte Glowacz dem SPIEGEL. Nach einer halben Stunde seien bereits rund 70 Prozent der Betroffenen tot - die Überlebenschancen hingen davon ab, ob sich eine Lufthöhle gebildet habe und wie groß diese sei.

Es müsse jedenfalls eine besonders große Lawine gewesen sein, so Glowacz. "Die Bedingungen müssen so ungewöhnlich gewesen sein, dass es nicht möglich war, die Situation auch mit bester Erfahrung richtig einschätzen zu können", sagt der Kletter-Experte. "Die drei sind extrem erfahrene Bergsteiger - die weltbesten sogar. Sie klettern seit frühester Kindheit und haben so etwas wie einen alpinen Instinkt. Sie würden niemals bewusst ein unnötiges Risiko eingehen."

Laut den Behörden wollten Lama, Auer und Roskelley den Berg Howse Peak im Nationalpark Banff über einen schwierigen Aufstieg an der Ostseite besteigen. Nachdem die Sportler vermisst gemeldet worden waren, untersuchten Rettungskräfte die Gegend aus der Luft und konnten dabei Anzeichen für mehrere Lawinenabgänge feststellen. Im Geröll wurde demnach zudem Bergsteiger-Ausrüstung gesichtet.

Noch am Mittwoch hatte David Lama ein Foto aus Kanada auf seinem Instagram-Profil geteilt und dazu geschrieben: "Wenn man an einem Ort lebt, endet man oft dabei, die gleichen Dinge immer und immer wieder zu tun. Manchmal braucht es einen frischen Blick, um aus der Routine auszubrechen."

Anfang des Jahres war Lama die Erstbesteigung der berüchtigten Sagzahn-Verschneidung im Tiroler Valser Tal geglückt. Wenige Monate zuvor hatte er als erster Mensch den Lunag Ri bezwungen, einen 6895 Meter hohen Gipfel zwischen Tibet und Nepal.

Video aus dem Libanon (2015): Lamas Erstbegehung einer Wand in der Baatara-Schlucht

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Lama kletterte auch den Südostgrat des Cerro Torre in Argentinien im freien Stil hoch, daraus entstand der Film "Cerro Torre", der 2014 in die Kinos kam. Dem SPIEGEL sagte er damals, er habe drei Jahre hintereinander zum Cerro Torre reisen müssen, erst dann habe die Besteigung geklappt. "Ich musste viel lernen, Fehler machen und geduldig sein."

lie/AP/Reuters/AFP



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