Zwischen Januar und März 900 ICE- und IC-Züge ersatzlos gestrichen

Im ersten Quartal fielen mehrere Hundert Fernverkehrszüge aus. Nicht für alle Fahrgäste gab es eine alternative Verbindung. Kritik weist die Deutsche Bahn zurück.

ICE-Sonderzug
Martin Schutt/ DPA

ICE-Sonderzug


In den ersten drei Monaten dieses Jahres hat die Deutsche Bahn rund 900 Fernverkehrszüge gestrichen, ohne dass es Ersatz für die ICEs und ICs gegeben hätte. Zwischen Januar und März sei durchschnittlich etwa ein Prozent der Züge "auf dem gesamten Laufweg" ersatzlos ausgefallen, heißt es in einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.

Das entspreche etwa 900 von insgesamt rund 75.000 Fahrten, hieß es weiter. Betroffen gewesen seien "weniger als ein Prozent der Reisenden". In vielen Fällen habe die Bahn eine alternative Reiseverbindung angeboten. Zunächst hatte die "Welt" darüber berichtet.

Laut Verkehrsministerium, das sich auf Angaben der Deutschen Bahn beruft, lag die Pünktlichkeit der Reisenden 2017 bei 84,3 Prozent. Im vergangenen Jahr sank die Zahl auf 80,1 Prozent. Auch die Pünktlichkeit bezogen auf die Züge verschlechterte sich innerhalb dieses Zeitraums: Sie wurde von der Deutschen Bahn für 2017 mit 78,5 Prozent angegeben, 2018 betrug sie nur noch 74,9 Prozent.

Der FDP-Abgeordnete Torsten Herbst sagte der "Welt", es sei "völlig unbefriedigend, dass es bei der Zuverlässigkeit der DB-Fernzüge noch immer keinen Fortschritt gibt" - gerade auch angesichts eines Winters ohne Wetterextreme. "Die Leidtragenden sind wieder einmal die Bahnreisenden", kritisierte Herbst, der auch Obmann im Verkehrsausschuss des Bundestages ist.

Pro Tag 75.000 Fahrten

Die Versprechen der Deutschen Bahn für mehr Kundenfreundlichkeit "erweisen sich einmal mehr als reine Ankündigungslyrik", sagte Herbst. Gerade bei der technischen Zuverlässigkeit der Züge und beim Personal habe es die DB selbst in der Hand, endlich Verbesserungen zu erreichen. Er forderte, mehr Geld des Bundes für die Schiene künftig an die Bedingung zu knüpfen, "dass die DB ihre eigenen Hausaufgaben erledigt".

Die Bahn wies die Kritik zurück. Der Konzern setze täglich im Fern- und Nahverkehr 24.000 Züge ein, pro Tag gebe es 75.000 Fahrten. Allein diese Größenordnung würde die genannten Ausfälle relativieren. Die Zahl gestrichener Züge sei konstant, es gebe keine Häufung von Komplettausfällen, hieß es aus dem Unternehmen.

Die Zahl der komplett ausgefallenen Zugfahrten im Fernverkehr lag demnach im vergangenen Jahr bei rund 3500 und damit ebenfalls bei einem Gesamtanteil von etwa einem Prozent. In der Vergangenheit hatten vor allem fehlende Reserven und Mängel bei den Arbeitsabläufen in der Instandhaltung zu Zugausfällen geführt. Beide Probleme seien angegangen worden, hieß es bei der Bahn. "Die Verfügbarkeit der Fahrzeuge ist auf einem stabilen hohen Niveau", sagte ein Bahnsprecher. Von 280 ICE-Zügen seien derzeit 279 einsatzbereit.

Pünktlichkeit im Fern- und Nahverkehr

Was die Pünktlichkeit der Fernzüge angeht, war das gesamte Jahr 2018 ein Jahr voller Ärgernisse für Reisende - nur 74,9 Prozent der ICE, Intercitys und Eurocitys erreichte ihre Ziele pünktlich. Besser sieht es im Regionalverkehr aus: Im Durchschnitt waren 94,1 Prozent der Züge im vergangenen Jahr pünktlich. Das heißt nach Bahndefinition - weniger als sechs Minuten zu spät.

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Allerdings: Bundesweit gibt es deutliche Unterschiede. Am wenigsten mussten Fahrgäste in Hamburg warten. Dort waren 97,7 Prozent der Züge pünktlich. An zweiter Stelle im Bundesländervergleich lag Berlin mit 97,3 Prozent. Berlin und Hamburg schneiden auch deshalb so gut ab, weil die S-Bahn mitgezählt wird. Sie gilt ab vier beziehungsweise drei Minuten Verzug als verspätet, entlastet aber durch ihre kurzen Strecken und vielen Fahrten die Statistik.

Bestes Flächenland war Mecklenburg-Vorpommern mit 96,6 Prozent, am schlechtesten schnitt Bremen ab. Dort waren nur 86 Prozent der Regionalzüge pünktlich.

ele/AFP/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Der Jürgen aus M 15.04.2019
1. Kann bitte mal jemand sagen, wieviel Flüge ausgefallen sind???
Bevor jetzt das große "SPON-Bahn-Bashing" wieder losgeht.... wieviel Flüge sind bei der LH denn ausgefallen? Und da hab ich meist das Problem, dass ich nicht einfach den nächsten Flieger nehmen kann, weil der eben auch schon voll ist.... https://www.euclaim.de/presse/neuer-rekordwert-bei-flugausfallen-und-verspatungen https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lufthansa-ausfaelle-so-viele-wie-nie-1.4173703
Karl IV 15.04.2019
2. Statistik
Es kommt immer darauf an, wie die Bahn ihre Statistik auswertet. "Alternative Verbindung" ist im Bahn-Sprech einfach der nächste planmäßige Zug auf der Strecke. Also keine Alternative, denn Reisen werden eben auch unter zeitlichen Aspekten geplant. Und damit bleibt ein ausgefallener Zug eben ein ausgefallener Zug. Ein planmäßiger Zug ein oder zwei Stunden später auf gleicher Strecke ist keine alternative Verbindung. Das wäre eine Ausweichstrecke, die eventuell dann etwas länger dauert. Und ein besonderes Ärgernis sind bei der Bahn seit mindestens zwei Jahren fehlende Zugteile. So werden Verbindungen auf stark befahrenen Strecken zwar mit zwei ICE-Zugteilen geplant, regelmäßig aber nur mit einem Zugteil befahren, was logischerweise zu chronisch überfüllten Zügen führt. Nicht nur eine Zumutung für die Reisenden, sondern auch eine extreme Belastung für die eigenen Mitarbeiter, die mit diesen Zuständen tagtäglich zurecht kommen müssen (einschließlich erzwungenen Zugräumungen durch die Bundespolizei). Diese ausgefallenen Zugteile finden mit Sicherheit auch in keiner Statistik Erwähnung. Im Bahn-Sprech heißt die selbstverschuldete Bereitstellung von lediglich 50% der Kapazität dann "unerwartet hohe Auslastung" oder "Verzögerungen wegen erhöhten Fahrgastaufkommens".
camshaft_in_head 15.04.2019
3. die Bahn redet sich das wieder schön und lässt keine Kritik zu.
Mir ist es schon öfters zwischen Northeim und Hannover passiert das der Metronom zum Zwangshalt gestoppt wird weil ein verspäteter ICE durchgelassen werden muss. Metronom gehört nicht zur DB also werden diese 30 Minuten Verspätungen nicht mit erfasst. die DeutscheBahn ist ein Sauhaufen!
claus7447 15.04.2019
4. Lotto Spiel DB
Immerhin ich habe es geschafft. Bei insgesamt 6 Buchungen habe ich jetzt 2 x die Meldung bekommen: Ihr Zug ist gestrichen. Alle Verbindungen Dortmund - München. Ja - ich kam das letzte Mal sogar pünktlich nach Hause, aber nur weil das Meeting 1 Stunde früher fertig war. Nächsten Sonntag bin ich wieder dran. Man wird ja sehen - vielleicht fallen diese Züge auch noch aus. Da ein nicht vorhandener Zug ja keine Verspätung hat - gibt es auch keine Gutschrift.
escherischiacoli 15.04.2019
5. kein Vergleich
Fliegen und Bahn kann man nicht wirklich vergleichen. Wer die Bahn nimmt, würde für dieselbe Strecke nur selten das Flugzeug nehmen. Und das Bashing ist berechtigt, solange uns die Bahn zum Gespött der Welt macht. Grund ist aber der Druck der Regierung, die Bahn solle Gewinne einfahren. Wie das gehen soll, ohne in Strecken und neue Züge zu investieren, und was dabei rauskommt, sehen wir seit Jahren. Lufthansa hat übrigens keine schlecht gewartete Flueger, die letzte JU 52 soll auch i gutem Zustand sein.
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