Neue Verkaufsregeln Fahrkarten der Bahn-Konkurrenz leichter erhältlich

Gute Nachricht für Zugreisende: Die Deutsche Bahn erleichtert den Fahrkartenverkauf von Wettbewerbern in Bahnhofsläden - auf Druck des Bundeskartellamts. Vor allem im Nahverkehr ist die Konkurrenz groß.


Zugreisende kommen künftig leichter an Tickets von Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie können Fahrscheine von Bahn-Wettbewerbern beispielsweise in vielen Bahnhofsläden kaufen, was bisher oft über Klauseln in den Mietverträgen "weitgehend unmöglich" war. Das teilte das Bundeskartellamt mit.

Die Aufsichtsbehörde hatte Anfang 2014 ein Missbrauchsverfahren gegen die Bahn eingeleitet. Der Vorwurf: Verdacht auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Nun habe der Konzern zahlreiche Zusagen gemacht, erklärte das Kartellamt. Das Verfahren sei eingestellt worden.

Die Bahn betont, dass das Bundeskartellamt bei seinen Überprüfungen keinen Verstoß gegen kartellrechtliche Regelungen festgestellt habe. Mit der neuen Lösung erhielten alle Marktteilnehmer "größtmögliche Rechtssicherheit", erklärte Bahn-Vorstand Ronald Pofalla. "Dies wird den ohnehin bereits dynamischen Wettbewerb im Vertrieb weiter befördern."

Starke Konkurrenz im Nahverkehr

Die neuen Vertriebsregeln erleichterten auch den Verkauf von Fernverkehrstickets der Deutschen Bahn über die Automaten der Konkurrenz. Dies ist laut Kartellamt vor allem für Reisende an Bahnhöfen wichtig, an denen die Deutsche Bahn selbst nicht halte.

Kartenverkaufsprovisionen für die Bahn und ihre Konkurrenten werden durch die neuen Regelungen vereinheitlicht und überwiegend gesenkt. Entsprechende Zusagen der Bahn habe die Behörde für verbindlich erklärt. Bislang habe die Deutsche Bahn den Konkurrenten einen niedrigeren Provisionssatz für den Verkauf ihrer Fahrkarten gezahlt, als sie ihrerseits für den Verkauf fremder Tickets verlangt habe.

In dem Verfahren sei es um "Behinderungspraktiken der Deutschen Bahn gerade beim Vertrieb" gegangen, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt. Diese Praxis sei nun beendet. "Wettbewerb auf der Schiene setzt Wettbewerb beim Vertrieb - das heißt bereits beim Fahrkartenverkauf - voraus", sagte Mundt. Starke Konkurrenz hat die Bahn vor allem im Nahverkehr.

jus/dpa/AFP



insgesamt 8 Beiträge
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GoaSkin 24.05.2016
1. gibt doch eh nur Verbundtarife, von daher egal
Innerhalb eines Verkehrsverbundes und im Rahmen der Übergangsregelungen zu Nachbarverbünden gilt der Verbundtarif. Für alle anderen Bahnfahrten gilt der TBNE-Tarif; auch eine Art Verbundtarif für alles, was die regionalen Verbünde nicht abdecken. In sofern ergibt das wenig Sinn. Die Eisenbahn-Unternehmen werden nach Verkehrsleistung und nicht nach der Anzahl verkaufter Fahrkarten finanziert.
HaraldKönig 24.05.2016
2.
"Sie können Fahrscheine von Bahn-Wettbewerbern beispielsweise in vielen Bahnhofsläden kaufen," Was ist ein Bahnhofsladen? In unserem Bahnhof ist ein Zeitschriftenhändler und ein Imbiss. Verkaufen die jetzt Fahrkarten?
migampe 24.05.2016
3. Gute Nachricht?
Was ist an dieser Nachricht - etwas Weitblick vorausgesetzt - denn gut? Das Aufgrund von Lohndumping bei den Bahn-Wettbewerbern der Bürger letztendlich dumm aus der Wäsche kuckt? Aber bei unserer Geiz-ist-Geil-Mentalität freuen wir uns natürlich immer über "billig", wie dieses billig" zu Stande kommt, interessiert nicht.... bis man selbst Opfer des provitgeifernden "Wettbewerbs" wird. Hach, was ist das Geschrei dann groß!!!
Robert_Rostock 24.05.2016
4. Au ja!
Endlich wird es bei der Bahn wie beim Flugzeug oder beim Fernbus. Endlich viele, viele verschiedene Fahrkarten, die nur bei dem jeweiligen Anbieter gelten. Möglichst auch nur für diese eine Verbindung. Endlich nicht mehr diese langweiligen Einheitspreise, sondern für jeden Zug, jeden Tag ein anderer Fahrpreis. Wäre doch auch für den Reisenden völlig blöde, wenn er an jedem Bahnschalter eine durchgehende Fahrkarte zu jedem beliebigen Zielbahnhof kaufen könnte, mit der er auf dieser Strecke jeden beliebigen Zug benutzen könnte, egal ob der nun rot, blau, weiß oder grün angestrichen ist. Und wenn diese Fahrkarte dann auch noch an einem Dienstagvormittag im Juni genauso viel kostet wie am Freitag vor Pfingsten. So wie in der bei allen Bahnfans als das abschreckende Beispiel geltenden Schweiz. Wo bliebe denn da die Abwechslung und der Wettbewerb?
lord.speedy 24.05.2016
5. Hat ja lange gedauert!
Vielleicht belebt dies wieder den menschengebundenen Fahrkartenverkauf. Wenn ich mir so ansehe, wieviel Probleme viele Reisende mit den einfach-strukturierten Fahrkartenautomaten oder der Online-Version haben. Dabei ist Hafas schon über 25 Jahre alt ;-)
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