Investitionsstau bei der Bahn Grube droht mit Streckensperrungen

1400 Brücken müssen laut Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube dringend saniert werden. Sperrungen während dieser Arbeiten würden zu großräumigen Umleitungen und massiven Verspätungen führen. Zum Ärgernis für Passagiere könnten auch Preiserhöhungen werden.
ICE auf einer Eisenbahnbrücke: Deutsche Bahn will sanieren

ICE auf einer Eisenbahnbrücke: Deutsche Bahn will sanieren

Foto: Uwe Zucchi/ picture alliance / dpa

Berlin - Bei der Deutschen Bahn  drohen bald erste Brückensperrungen. "Leider sind wir nicht mehr weit davon entfernt", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube der Zeitschrift "Wirtschaftswoche". 1400 Brücken müssten dringend saniert werden. "Mit der derzeitigen Finanzausstattung schaffen wir pro Jahr aber nur 125 Brücken", erklärte Grube.

Die Auswirkung gesperrter Brücken wären verheerend: Würde etwa eine wichtige Brücke am Frankfurter Hauptbahnhof gesperrt, müssten Züge in ganz Deutschland umgeleitet werden. Auf einen Schlag würde die Bahn damit 33.000 Verspätungsminuten pro Tag ansammeln. "Das wären rund 130 Prozent mehr als an einem durchschnittlichen Tag", sagte Grube.

Im deutschen Schienennetz hat die Bahn nach früheren Angaben Grubes einen Investitionsstau von mehr als 30 Milliarden Euro. Zwar würden Bund und Bahn jedes Jahr drei Milliarden Euro in das Netz investieren, doch um die heutige Qualität zu sichern, seien mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr nötig, hatte der Chef des bundeseigenen Konzerns Anfang November in einem Interview erklärt. "Wenn sich nichts ändert, steigt der Rückstand bis 2020 auf gigantische 50 Milliarden Euro."

Sollten die Investitionen ausbleiben, gebe es nur noch zwei Möglichkeiten, sagte Grube: "Entweder die Qualität der Bahn lässt deutlich nach, es gibt also mehr unpünktliche Züge. Oder wir müssen Strecken sperren."

Energiekosten könnten Ticketpreise treiben

Ärger könnten Bahnkunden zudem höhere Ticketpreise bereiten. Diese könnten nötig werden, wenn die Bahn mehr Geld für Energie ausgeben muss, sagte Grube. Bislang koste die Energiewende die Bahn fast 100 Millionen Euro pro Jahr. "Wenn jetzt noch für die Eisenbahn in Deutschland ein hoher dreistelliger Millionenbetrag dazukäme - was manche leider diskutieren -, würde sich das sofort in deutlich höheren Ticketpreisen niederschlagen." Regulär erhöht die Bahn im Dezember die Preise im Nahverkehr um 2,7 Prozent, im Fernverkehr steigen sie um 1,3 Prozent.

Wie der SPIEGEL berichtet, erwägt die Deutsche Bahn einen Ausstieg aus dem Autoreisezugverkehr. Grund sind veraltete Transportwagen und mangelnde Rentabilität.

bon/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.