Unpünktlichkeit bei der Bahn Fast jeder dritte Zug ist verspätet

Die Bahn hat ein Pünktlichkeitsproblem. Einer Statistik des Unternehmens zufolge häufen sich seit Jahresbeginn die Verspätungen. Der Konzern spricht von einem "unseligen Mix aus Störfaktoren".

Anzeigetafel an einem Bahnhof: "Leider Ausdruck der Gesamtsituation"
DPA

Anzeigetafel an einem Bahnhof: "Leider Ausdruck der Gesamtsituation"


Rechtzeitig ans Ziel kommen ist für Bahnfahrer derzeit Glückssache. Im Fernverkehr ist fast jeder dritte Zug laut Statistik der Bahn unpünktlich, an schlechten Tagen verpassen Reisende auch jeden dritten Anschlusszug. Das hat nach Angaben des Konzerns mehrere Gründe: "Die Verspätungen sind leider Ausdruck der Gesamtsituation", sagte ein Sprecher des Konzerns der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAZ).

Schuld sei "ein unseliger Mix aus Störfaktoren". Dazu gehöre etwa die Erneuerung des Schienennetzes. Auch warte man noch auf die Lieferung längst bestellter neuer Züge. Diese werden dringend benötigt, denn Ersatzzüge stehen derzeit offenbar kaum zur Verfügung. Besonders schlimm sei die Situation an Freitagen und Sonntagen: "Da haben wir keinen Spielraum mehr", zitiert das Blatt den Konzernsprecher.

Pünktlich heißt bei der Bahn weniger als sechs Minuten verspätet

Das selbstgesteckte Ziel, dass 80 Prozent der Züge im Fernverkehr planmäßig ankommen, hat die Bahn demnach zuletzt im März erreicht. Bei 20 Prozent der ICE-Flotte müssen die Bahnkunden also ständig mit Wartezeiten rechnen - und die Definition von Pünktlichkeit ist bei dem Unternehmen ebenfalls sehr eigen: Pünktlich ist ein Zug nämlich nach Ansicht des Konzerns dann, wenn er weniger als sechs Minuten zu spät ist. Im September sei das bei rund 71 Prozent der Fernzüge der Fall gewesen.

Ein Grund für die miese Statistik ist offenbar auch dem Umstand geschuldet, dass das Schienennetz auf Vordermann gebracht wird. Laut "FAZ" darf die Bahn in den kommenden fünf Jahren insgesamt 28 Milliarden Euro verbauen. "Die Investitionen verschlechtern die Pünktlichkeit, das schlägt durch auf die Statistik", habe Bahn-Chef Rüdiger Grube intern gewarnt.

"Vereinzelt" Behinderungen durch Sonderzüge für Flüchtlinge

In dem "FAZ"-Bericht wurde auch behauptet, dass Sonderzüge für Flüchtlinge die Zeitpläne der Bahn durcheinanderbringen. Das bestritt eine Sprecherin: Die Sonderzüge kämen aus der vorhandenen Reserve, nur vereinzelt gebe es dadurch Behinderungen.

Immerhin: Wenn Mitte Dezember der Fahrplanwechsel in Kraft tritt, müssen die Kunden der Bahn im Fernverkehr keine Preiserhöhungen befürchten. Hintergrund ist der gewachsene Konkurrenzdruck: "Der Fernbus hat das Spiel am Markt verändert", sagte Bahn-Vorstand Berthold Huber im September.

cst/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karteileiche007 11.10.2015
1. Keine Preiserhöhungen
---Zitat--- Immerhin: Wenn Mitte Dezember der Fahrplanwechsel in Kraft tritt, müssen die Kunden der Bahn im Fernverkehr keine Preiserhöhungen befürchten. Hintergrund ist der gewachsene Konkurrenzdruck: "Der Fernbus hat das Spiel am Markt verändert", sagte Bahn-Vorstand Berthold Huber im September. ---Zitatende--- Nun ja. Wohin auch immer das Geld geflossen ist, das man Jahr für Jahr mehr brauchte - drauf verzichten wird man auch dieses Jahr nicht können oder wollen. Soll heißen: irgendwo wird man eingespart haben. Vermutlich bei der Qualität. Oder bei der Sicherheit.
exbb 11.10.2015
2. Die Wahrheit
aber wirklich keine Neuigkeit. Die einzigen Kontinuitäten bei der Bahn: Preiserhöhungen und sinkender Servicelevel bei gleichbleibender Verspätungsdichte.
christian.neiman.7 11.10.2015
3. Ich bin gerade in Japan
und weiss nicht ob ich lachen oder weinen sollen angesichts dieser Berichte aus dem Reich der Deutschen Bimmelbahn. Das wäre hier unvorstellbar, eine Verspätung von einer Minute gilt hier schon als Unpünktlichkeit und kommt äußerst selten vor.
exbb 11.10.2015
4. Die sechs Feinde der DB
Die vier Jahreszeiten, Tag und Nacht.
dmenz 11.10.2015
5. SOSO. Die Bahn
schafft ja auch das dialektische Kunststück, es pünktlich zu nennen, wenn ein Zug fünf Minuten nach der plamässigen Ankunftszeit sein Ziel erreicht... Was will man da noch sagen oder erwarten????
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.