Kleine Fortschritte Bahn will bis 2025 auf allen Strecken Fahrradstellplätze anbieten

Für Radurlauber ist das Bahnfahren kompliziert - oft gibt es gar keine Fahrradstellplätze im Zug oder zu wenig. Die Bahn will ihr Angebot verbessern, erreicht mit ihren Plänen aber gerade mal die Mindestvorgabe einer EU-Richtlinie.

Mit Fahrrad in einen ICE 4: Highspeedzug mit Radstellplätzen
DPA

Mit Fahrrad in einen ICE 4: Highspeedzug mit Radstellplätzen


Die Einführung des ICE 4 freute die Radurlauber: Immerhin hat der neue schnelle Fernzug auch Fahrradplätze. Doch mit dem Rad im Gepäck per Bahn größere Distanzen zurückzulegen, ist immer noch schwierig und bedarf viel Planung.

Die Deutsche Bahn will sich bessern. Radfahrer sollen künftig mehr Möglichkeiten haben, ihr Rad in Fernzüge mitzunehmen, teilte das Bundesverkehrsministerium mit. 2025 sollten auf allen Strecken Stellplätze verfügbar sein, wenn auch noch nicht in jedem Zug. Ziel bis dahin seien Mitnahmemöglichkeiten in 60 Prozent des Fernverkehrsangebots. Heute liegt der Anteil bei 47 Prozent.

Künftig werde die Bahn nur noch Personenzüge mit Radstellplätzen bestellen, antwortete das Ministerium auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag."Fahrradmitnahme sollte so selbstverständlich sein wie Strom und WLAN im Zug", forderte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

Denn während Platz für Fahrräder in Regionalzügen Standard ist, gibt es bislang nur in einem Teil der Fernzüge Platz für Fahrräder:

  • in den rund 180 Intercity-Zügen
  • sowie in 59 ICE-T-Zügen, wo sie nachgerüstet wurden. In die ICE der Baureihen 1 bis 3 können Reisende kein Rad mitnehmen. Diese will das Unternehmen auch nicht umrüsten - zu großer Aufwand.
  • Dagegen hat der neue ICE 4 ein Fahrradabteil. 39 dieser Züge hat die Bahn schon im Bestand, bis 2023 folgen weitere 80. Die Bahn sicherte auch zu, bei künftigen Umbauten in Bahnhöfen auf den Einbau von Aufzügen zu achten, die groß genug für Fahrräder sind.

Wer mit Fahrrad reisen will, sollte aber reservieren. Während Intercity-Züge heute 8 bis 16, in Einzelfällen sogar 24 Stellplätze haben, werden es in neuen Zügen künftig weniger sein. Geplant sind acht Plätze pro Zug. Die Bahn geht damit nicht über die Mindestvorgabe einer EU-Richtlinie hinaus.

Wenig Stellplätze aus wirtschaftlichen Gründen

Bedürfnisse der Reisenden und wirtschaftliche Belange müssten berücksichtigt werden, hieß es zur Begründung. Schließlich seien Fahrradplätze im Fernverkehr im Schnitt nur zu 21 Prozent ausgelastet, Sitzplätze für Fahrgäste hingegen zu 56 Prozent.

"Acht Stellplätze in jedem Zug sind schon mal ein guter Anfang", sagte ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork. Das habe die Bahn aber schon 2011 zugesagt. "Die Umsetzung erfolgt leider in sehr kleinen Schritten."

Wichtig seien für Radfahrer auch die Details: dass sie Fahrradabteile schnell finden können, dass Türen breit genug sind und dass sich die Räder ohne große Anstrengung abstellen lassen. Außerdem müsse die Bahn flexibel planen: "Acht Plätze können in vielen Fällen reichen - aber in Hotspots des Radreisens, wie in Passau und in den Anrainerstädten des Donauradwegs, müssen es saisonal deutlich mehr sein."

Das Ministerium bestätigte, dass in "Einzelfällen" schon Reisende mit Fahrrad trotz Reservierung nicht mitgenommen werden konnten - etwa wenn ein Ersatzzug ohne Stellplätze zum Einsatz kam. Das soll dank neuer Züge künftig seltener vorkommen. Für Lastenräder bleiben die Züge aber tabu. Sie versperrten Durchgänge, seien durch ihre Aufbauten nicht sicher zu befestigen und bereiteten Probleme beim Ein- und Aussteigen, hieß es.

abl/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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Sibylle1969 01.11.2019
1.
Ich begrüße sehr, dass die Fahrradmitnahme in Fernzügen verbessert wird. Denn bisher ist für uns eine umweltfreundliche Anreise zur Fahrradtour mit dem Zug oft an fehlenden Fahrradplätzen im Zug gescheitert. Vor allem ins Ausland dürfte es schwierig bleiben. Einzig nach Österreich und nach Norditalien gibt es für uns interessante gescheite Verbindungen. Nach Frankreich ist es nahezu unmöglich, mitsamt Fahrrad per Zug zu kommen. Denn die Fahrradmitnahme in TGVs ist nur mit einem demontierten und in einer Fahrradtasche verpackten Rad möglich. Wir haben das einmal gemacht, nie wieder, denn das ist äußert mühsam und sperrig. Ich stimme zu, dass an den Hotspots des Radreisens im Sommer deutlich mehr Kapazitäten benötigt werden. Da gehört auch der Mainradweg dazu. An den Bahnhöfen entlang des Mains spielen sich im Sommer regelmäßig chaotische Szenen ab, wenn die drei Fahrradabteile in sechs Waggons im RegionalExpress Frankfurt - Würzburg schon in Aschaffenburg restlos überfüllt sind und in Aschaffenburg noch eine Gruppe von 12 oder gar 15 Radfahrern zusteigen will.
syt 01.11.2019
2. Damit die Bahn besser angenommen
wird, muss es möglichst schnell, sehr viel mehr Züge mit mehr Abteilen geben. Wieso sind wir nicht bereit hier richtig Geld rein zu geben? Wir brauchen auch mehr Schienen und eine bessere Anbindung. Ist es wirklich so schwer, dies besser zu machen?
murrle01 01.11.2019
3. Das wäre kein Problem....
Zitat von sytwird, muss es möglichst schnell, sehr viel mehr Züge mit mehr Abteilen geben. Wieso sind wir nicht bereit hier richtig Geld rein zu geben? Wir brauchen auch mehr Schienen und eine bessere Anbindung. Ist es wirklich so schwer, dies besser zu machen?
wenn für mehr Züge auch mehr Personal vorhanden wäre...Lokführer fehlen bundesweit mehr als 1000!
holzghetto 02.11.2019
4. immer und immer wieder.
jedes Jahr das gleiche Thema. Die DB war auf meiner Strecke H-PE nicht fähig mehr als 1 Radabteil zu bieten. Nun macht es die Westfalenbahn und hat 3 Abteile. Allerdings mit dem Hinweis das wenn das Radabteil "belegt" ist wie auch immer, also vorrangig von faulen platzsuchenden Mitreisenden! muss der Radfahrer auf den nächsten Zug warten ;) Ich hab es gerade wieder in Hämelerwald erlebt. Der Bahnsteig ist sehr lang allerdings nur 1 Zugang am Ende. Alle steigen ins erste Zugabteil ein weil lauffaul. Wo setzen sie sich zuerst hin? Richtig, ins Radabteil. Das am nächsten Bahnhof noch 2 Familien mit jeweils 1 Kinderwagen zusteigen... egal man ist ja stur!!! Leute! denkt an eure Mitreisenden und nutzt die anderen 5 Waggons wo auch noch Platz für euch ist!!!
M von B 02.11.2019
5. Ein Traum
Wer auch immer irgendwelche Themen der Bahn veröffentlicht, sollte sich zuerst einmal eine Fahrkarte kaufen und quer durch die Republick fahren. Ich kann die ganzen Sprüche nicht mehr hören. "Fahren Sie Bahn, sparen Sie Co2. Wir nehmen jetzt auch noch Fahrräder mit. usw...." es ist einfach ein Witz. Warum ? Meine vorletzte FAhrt im ICE Ffm Nürnberg erste Klasse. in vollkommen überfüllten ICE auf einem defekten erste Klasse Platz nach Nürnberg gekommen. Rückfahrt einen Zug früher genommen. Großer Fehler ! Zug hatte eine Stunde verspätung, ich nahm einen Zug 35 Minuten später. Ich habe zwischen zwei Waggons auf der ganzen Strecke gestanden. Mein "Stehnachbar" übrigens Besitzer einer "Black Bahncard" Hat auch gestanden. Letzte Woche Ffm München. Hinfahrt mit 5 Minuten Verspätung im Bereich super pünktlich durch gekommen. Rückfahrt, gleicher Fehler. Einen Zug früher genommen keine Platzreservierung. Mußte in Nürnberg stehen, Ein freundlicher Schaffner hat mit noch einen von nur 2 freien Plätzen besorgt. Resüme`lieber fliegen. Und: Hallo Bahn, Eure für teuer verkauften erste Klasse Plätze sind einfach nix. die Ledersitze sind glatt wie Schmierseife ein gemütliches Sitzen auf langen Strecken eine Illusion. Die Pünktlichkeit ein Desaster, Die Züge brechend voll. Bringt erst mal Euer Basisgeschäft in Ordnung bevor Ihr Ankündigungen macht. Und noch etwas .. man kann es immer auf die Politik schieben. Da denke ich mir meinen Teil wenn Manager immer andere verantwortlich machen.
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