Deutscher Alpenverein Bergretter erhalten mehr Handy-Notrufe

Immer öfter müssen Rettungskräfte in den Bergen ausrücken. Nach der neuen Statistik des Deutschen Alpenvereins nimmt die Zahl der Notrufe zu - auch weil Bergsteiger nicht mehr weiter wissen und öfter per Handy um Hilfe bitten.

Bergrettunsübung der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) der bayerischen Polizei
DPA

Bergrettunsübung der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) der bayerischen Polizei


Das Risiko, in den Bergen tödlich zu verunglücken, ist so niedrig wie nie zuvor. Gleichzeitig aber rufen Wanderer und Kletterer häufiger um Hilfe. Das ergibt die Bergunfallstatistik, die der Deutsche Alpenverein (DAV) und die Bergwacht Bayern in München vorstellten. Allein in Bayern verzeichneten die Bergretter im vergangenen Jahr rund 8150 Einsätze. Nur im Jahr 2013 gab es noch mehr Notfälle.

Zugenommen hätten in den vergangenen Jahren die sogenannten Blockierungen, solche Situationen, in denen sich die Sportler nicht mehr aus eigener Kraft befreien können und die meist ohne Verletzungen enden. Auch werden die Rettungskräfte immer öfter per Handy zu Hilfe gerufen. Rund 80 Prozent aller Notrufe gingen in den vergangenen zwei Jahren per Mobiltelefon ein, in den Jahren 2002 und 2003 waren es laut DAV erst 56 Prozent.

Menschen alarmierten die Retter immer öfter frühzeitig per Handy, bevor sich tatsächlich ein schwerer Unfall ereigne, sagte Christoph Hummel von der DAV-Sicherheitsforschung. Grundsätzlich sei der Anruf beim Rettungsdienst immer richtig, wenn man sich in Not fühle, sagte Bergwachtsprecher Roland Ampenberger. Bergsportler könnten so rechtzeitig aus einer Notsituation gerettet werden, bevor es zu einem schweren Unfall komme.

Besonders im Sommer habe die Zahl der Notfälle zugenommen. Binnen zehn Jahren stiegen die Unfallzahlen zur warmen Jahreszeit in den bayerischen Bergen von gut 1500 auf mehr als 2500 an. Zum einen seien mehr Menschen in den Bergen unterwegs, sagte Bergwachtsprecher Ampenberger. Zum anderen gebe es immer mehr ausdifferenzierte Sportarten vom Wandern über Canyoning und Mountainbiken bis zum Klettersteiggehen. Außerdem sorge der Klimawandel dafür, dass Sommersportarten länger möglich seien.

Klettersteig an der Alpspitze bei Garmisch
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Klettersteig an der Alpspitze bei Garmisch

Wer sich entsprechend vorbereitet, kann Unfälle im Gebirge vermeiden. In die Praxis umgesetzt werde dieser Grundsatz oft aber nicht, sagt Thomas Bucher vom DAV: "Viele Wanderer muten sich Dinge zu, denen sie nicht gewachsen sind" - etwa Bergtouren an der Zugspitze oder am Watzmann. "Wenn ich nicht weiß, was ich kann, suche ich mir eine leichte und kurze Tour", empfiehlt Bucher.

Eine gute Planung und richtige Selbsteinschätzung sind für Wanderer in den Alpen am wichtigsten, sagt Bucher. Den Wetterbericht zu kennen, ist stets Pflicht und jetzt im Herbst besonders wichtig: "Es kann Wintereinbrüche mit Schnee ab 1500 Metern geben."

Zudem sei es in der Nacht und in der Früh viel kälter als am Tag. Dadurch kann es im Schatten sehr rutschig sein: "Alles ist feucht und nass." Schnee bleibt in Schattenlagen schon liegen: "Bei der Planung der Tour muss ich mich darauf einstellen und auch die richtige Kleidung mitnehmen."

abl/dpa

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