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European Yacht of the Year 2014: Der neue Realismus

Foto: Bertel Kolthof

European Yacht of the Year 2014 Raus aus der Flaute

Die Oscars des Wassersports sind vergeben! Die neun Segelyachten und Motorboote des Jahres 2014 sind auf der Messe "Boot" ausgezeichnet worden. Tester von 19 europäischen Fachmagazinen haben die nominierten Yachten in britischen und italienischen Gewässern geprüft.

Prunk und Protz adieu, ahoi zu pragmatischen und praktischen Lösungen - so lässt sich der Trend der Sportbootbauer zusammenfassen. Die Branche stellt noch bis kommenden Sonntag auf der "Boot" in Düsseldorf ihre aktuellen Produkte aus.

Zum Start der weltweit wichtigsten maritimen Messe wurden am Samstagabend auch gleich die bedeutendsten Trophäen für die Bootsbauer vergeben: die Auszeichnungen für die "Yachten des Jahres 2014". Ausgewählt wurden die neun prämierten Segel- und Motorboote von 19 europäischen Fachmagazinen. Ihre Tester haben die 43 nominierten Modelle im englischen Southampton und im italienischen Porto Venere zu Wasser gelassen und geprüft.

"Der Jahrgang 2014 zeichnet sich bei den Segelyachten durch sehr viele Allround-Boote aus, die sowohl für den Familienurlaub als auch für sportliche Törns taugen", sagt Jochen Rieker, Chefredakteur des deutschen Magazins "Yacht", zuseinen Erfahrungen mit den neuen Schiffen .

Als Beispiel nennt er die von der Jury ausgezeichnete Segelyacht Oceanis 38 der französischen Werft Beneteau, die mit einem neuen Unterdeck-Konzept aufwartet: Dort nämlich lassen sich mit wenigen Handgriffen sogenannte Schotten, also Zwischenwände, ein- oder ausbauen. So entstehen entweder drei Doppelkabinen für sechs Leute oder aber ein einziger, großer und heller Raum für einen Segelurlaub zu zweit. "Es ist sozusagen die multioptionale Yacht für die multioptionale Freizeitgesellschaft", sagt Rieker.

Mehr Komfort, weniger Gimmicks

Ein ähnlicher Trend lässt sich bei den Motorbooten  beobachten, wie Torsten Moench, Chefredakteur der Fachzeitschrift "Boote" berichtet. "Die Zeit der Showyachten des vergangenen Jahrzehnts ist vorbei", sagt er, "heute geht es wieder um Nutzwert, um eine ordentliche Pantry und komfortabel eingerichtete Kabinen." Klassische Werte also sind wieder gefragt, wobei jedoch die klassische Optik über Bord geworfen wurde. "Dunkle Hölzer will heute keiner mehr, es soll hell, luftig und praktisch sein", sagt Moench.

Auch das "easy boating" liege im Trend. Dabei geht es darum, dass inzwischen zwei Leute ausreichen, um auch ein recht stattliches Motorboot zu manövrieren. Anlegemanöver beispielsweise würden durch moderne elektronische Assistenzsysteme und Joystick-Steuerungen immer einfacher.

Mehr Komfort und dafür weniger Gimmicks, das passt zur generellen Entwicklung des Marktes. Denn nach einem steilen Anstieg der Verkaufszahlen, der im Jahr 2006 einen Höhepunkt erreichte, ging es parallel zur weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise auch mit der Bootsbranche abwärts. Inzwischen sei der Tiefpunkt überwunden und die See werde wieder ruhiger, sagt Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft (BVWW). "Trotzdem ist der große Aufschwung derzeit nicht in Sicht."

Das liege auch daran, dass die Bootsbranche an Substanz verliere. Tracht: "Der durchschnittliche Bootseigner in Deutschland ist 58 Jahre alt, und zugleich fehlt es dem Sport an Nachwuchs." Umso mehr setzen die Hersteller, die in Europa im vergangenen Geschäftsjahr 6,5 Milliarden Euro umsetzten, auf Messen wie die "Boot". Denn dort macht die eine oder andere Neuerscheinung vielleicht doch jemanden Lust, in Zukunft aufs Wasser zu gehen.

Und es muss ja auch nicht gleich ein fabrikneues Gerät sein. "Boote"-Chefredakteur Moench sagt: "Nie war es günstiger, ein Gebrauchtboot zu kaufen. Ab 20.000 Euro bekommt man heute eine sehr ordentliches Motoryacht."