Luxusjachten der Modeschöpfer Schöner cruisen mit Armani

An die hundert Meter lang, Power wie ein Schnellboot und diverse feine Extras: Auch Modeschöpfer haben offenbar ein Faible für extravagante Jachten. "Boote Exclusiv" hat die spektakulärsten gekürt.

96,25 Meter lang, 25 Knoten: Die Jacht von Leslie Wexner
Peter Seyfferth, theyachtphoto.com

96,25 Meter lang, 25 Knoten: Die Jacht von Leslie Wexner


Platz 10: "Faith" von Lawrence Stroll

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Der 60-jährige Kanadier Lawrence Stroll fädelte 2011 den Börsengang der Modegruppe Michael Kors ein und verkaufte seine Anteile bis 2014. In den Neunzigerjahren beteiligte er sich mit 100 Millionen Dollar an Tommy Hilfiger und profitierte ebenfalls von einer erfolgreichen Listung an der Wall Street. Seinen Sohn Lance soll der Geschäftsmann für 80 Millionen Euro in der Formel 1 lanciert haben, wo er für das Team "Racing Point" startet; Tommy Hilfiger indes stattet das Mercedes-Team mit Kleidung aus.

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Zum Großen Preis von Monaco lag der Investor natürlich mit seiner 96 Meter langen "Faith" vor Anker. Den Gestaltungsauftrag sowohl für das Ex- als auch das Interior vergab Stroll an RWD und vertraute wie bei seiner 62-Meter-Vorgängerin auf Feadships Jachtbauexpertise. Der in der Schweiz lebende Motorsportfanatiker ist leidenschaftlicher Ferrari-Sammler und kaufte 2013 einen 1967er GTB/4S-NART Spyder für 27,5 Millionen Dollar.

Platz 9: "Moneikos" von Leonardo del Vecchio

Peter Seyfferth, theyachtphoto.com

Der Aufstieg des Brillenbarons Leonardo del Vecchio ist die Geschichte eines Selfmademans: Sein Vater starb vor seiner Geburt, seine Mutter gab ihn als jüngstes von vier Kindern in ein Waisenhaus. Mit 23 Jahren baute der Italiener in Venetien seine eigene Brillenproduktion auf, die nach drei Jahren 14 Mitarbeiter hatte und Luxottica hieß. Was das mit Fashion zu tun hat? Die weltweit erste Designerbrillenkollektion fertigte del Vecchio 1988 für Giorgio Armani. Mittlerweile bestehen Lizenzverträge mit Marken wie Chanel, Prada oder Versace.

Luxottica - zum Konzern gehören Oakley und Ray-Ban - ist nach der Fusion mit dem französischen Brillenglas-Riesen Essilor der größte Brillenhersteller der Welt. Und del Vecchios Jacht? Misst 62 Meter, wurde 2006 gebaut und drückt eher Understatement aus. Sie ist eine von drei Jachten der italienischen Werft Codecasa, die es ins Ranking geschafft haben - kommt allerdings nicht im typischen Metallic-Look daher.

Platz 8: "Drizzle" von Amancio Ortega

Peter Seyfferth, theyachtphoto.com

Der in Galicien aufgewachsene Textilmogul Amancio Ortega (Zara) ist der mit Abstand reichste Mann Spaniens und zugleich wohlhabendster Europäer. Sein Reichtum gründet auf dem Textileinzelhandel, mittlerweile verwaltet seine Holding aber auch Immobilien im Wert von fast zehn Milliarden Euro.

Gemessen an Ortegas geschätztem Vermögen von sechzig Milliarden Euro fällt seine neueste Jacht mit 47 Metern vergleichsweise klein aus. Wobei der 83-Jährige auf der "Drizzle", gebaut 2017, nur seine Heimaturlaube verbringt - diesen Sommer bereiste er zum Beispiel mit seiner Familie die kroatische Küste.

Platz 7: "Atlante" von Remo Ruffini

BOOTE EXCLUSIV

Remo Ruffini ist CEO und Mitinhaber des Modehauses Moncler, das anfangs vor allem Alpinisten als Kunden im Blick hatte. Der Mailänder kaufte sich im Jahr 2003 ein und hob die mittlerweile für ihre Daunenjacken bekannte Traditionsmarke vom Funktions- ins Luxussegment. Der 58-Jährige lernte als Junge auf dem Comer See das Segeln und besaß vor "Atlante" ausschließlich vom Wind angetriebene Jachten.

Ruffini trat auch als Sponsor des Perini Navi Cups in Erscheinung. Seine 55 Meter messende CRN-Jacht mit markanten Nuvolari-Lenard-Linien ist kein gewöhnlicher Mittelmeer-Vagabund; der marinetarngraue Rumpf des zunächst verschlossen wirkenden Explorers klappt an fünf Stellen auf; das achterliche Schanzkleid über dem Beachklub bleibt selbst während der Fahrt zu beiden Seiten geöffnet und wird bei verwaistem Tenderparkplatz zum Freiluftkino.

Die Pariser Inneneinrichter Patrick Gilles und Dorothée Boissier wählten Paneele aus schwarz gebürsteter Eiche, Fichte sowie Eukalyptusholz und lassen den Schreibtisch in Ruffinis Reich auf Schienen davongleiten.

Platz 6: "T.M. Blue One" von Valentino Garavani

Raphael Belly

Noch mit 87 Jahren pflegt Modeschöpfer Valentino Garavani die Jetset-Traditionen, zu denen die Mittelmeerrunde auf seiner 46 Meter langen Picchiotti zählt. Die wurde nach Plänen von Gerhard Gilgenast aus Stahl geschweißt und 1988 von Sophia Loren auf "T.M. Blue One" getauft - eine Hommage an Valentinos Eltern Teresa und Mauro.

Der König der italienischen Eleganz wählte ein klassisches Marineblau für den Rumpf, den anstelle von heute hellblauen Streifen ursprünglich Linien in Valentino-Rot optisch in die Länge zogen. In diesem Farbton entwarf Garavani Haute-Couture-Roben für Diven wie Jackie Kennedy Onassis oder Audrey Hepburn. Valentino verkaufte bereits 1998 an eine italienische Holding und stieg 2007 mit 75 Jahren aus dem aktiven Geschäft aus. Seit 2012 ist die Marke im Besitz der katarischen Herrscherfamilie.

"T.M. Blue One" ist in Italien registriert, der US-Architekt Peter Marino schuf die angemessene Umgebung für Picassos und Warhols. Der Instagram-Account von Valentinos Geschäftspartner Giancarlo Giammetti gibt Aufschluss über die Nutzungsaktivitäten seiner Jacht, zu der ein Chaseboat von Wally gehört. Letztes Jahr begrüßte Garavani vor Capri Gwyneth Paltrow an Bord.

Platz 5: "Freedom" von Roberto Cavalli

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Roberto Cavalli ist einer der wenigen seiner Zunft, die es gern schnell mögen. Der exzentrische Modeschöpfer verlangte 40 Knoten von der "Freedom", bei Testfahrten schaffte sie 46 Knoten. Mit Einrichtung erreicht das 28 Meter lange Boot 42 Knoten. Drei MAN-Aggregate mit jeweils 1397 Kilowatt versorgen zwei Jets und einen Booster.

Doch wie seine italienischen Kollegen vertraute Roberto Cavalli mit Cerri Cantieri Navali (CCN) auf eine heimische Werft. Cavalli arbeitete das von Batman-Fahrzeugen inspirierte Exterior kooperativ mit dem Luxusjachtarchitekt Tommaso Spadolini aus. So gingen die beiden Florentiner bereits bei der 41-Meter-Baglietto "RC" vor.

Weitaus stärkere Impulse lieferte der Berufsexzentriker bei der Innenausstattung. Es finden sich animalische Textilprints (Leoparden!) und goldene Akzente ebenso wie auf Schotten aufgebrachte Abzüge von Cavallis persönlichen Reisefotografien wieder.

Der Pensionär - am 15. November wird er 79 Jahre alt - verkleinerte sich nicht zuletzt, um auch selbst am Steuer stehen zu können, ohne einen großen Führerschein machen zu müssen.

Platz 4: "Maìn" von Giorgio Armani

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Es wäre nur naheliegend, wenn die Jacht für Giorgio Armani, den Designer mit dem Faible für Dunkelblau, auch in dieser Farbe strahlen würde. Doch der 85-Jährige entschied sich für ein Grün, so dunkel, dass es wie Schwarz wirkt. Er vertraute beim Bau auf die Werft Codecasa aus Viareggio.

Dies hatte er bereits 2003 getan, bei seinem Start ins Jachting. Das "Mariù"-Interior gestaltete er damals selbst und wählte den Spitznamen seiner Mutter. Den zweiten mütterlichen Kosenamen erhielt fünf Jahre später die 65 Meter lange "Maìn".

Nach seinem Studienabbruch arbeitete Armani als Schaufensterdekorateur in einem Modekaufhaus, für das er später Einkäufer wurde. 1978 gründete er die eigene Marke und zog ab 1980 Hollywoodstars für ihre Filme an.

Platz 3: "Flag" von Tommy Hilfiger

Peter Seyfferth, theyachtphoto.com

Seine Kleidung prägte maßgeblich den Preppy-Look mit, den Ralph Lauren vor ihm als Uniform der an Ivy-League-Unis eingeschriebenen US-Ostküstenelite etablierte. Tommy Hilfigers Aufstieg begünstigte sein Mut zur Farbe und ausgeklügeltes Marketing.

Aber vor allem hatte er als 35-jähriger Jungunternehmer den Rückhalt finanzkräftiger Investoren wie Lawrence Stroll. Von diesem erwarb der Modeunternehmer eine 62 Meter lange Jacht, als Stroll 2017 die 34 Meter längere "Faith" (Platz 10) entgegennahm. Hilfiger benannte die Feadship in "Flag" um und ließ am Heck sein blau-weiß-rotes Markenlogo anbringen.

Mit 68 Jahren ist er nach wie vor Kreativdirektor des 2005 verkauften Unternehmens und berichtet auf Instagram von seinem Jachtlifestyle, den er dieses Jahr mit den Models Kendall Jenner und Bella Hadid teilte.

Platz 2: "Regina d'Italia" von Dolce & Gabbana

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"Königin von Italien", so bezeichneten Domenico Dolce und Stefano Gabbana bereits ihre erste 51 Meter lange Codecasa, die für 18 Millionen Euro zum Verkauf steht.

Ihre zweite, 14 Meter längere Jacht launchte die italienische Werft Anfang des Jahres. Die beiden Modedesigner - sie arbeiten zwar noch zusammen, gehen aber seit 2003 privat getrennte Wege - wählten die Mailänder Architekten m2atelier, mit denen sie sowohl In- als auch Exterior ausarbeiteten.

Den Stahl-Alu-Verdränger sollen zwei Caterpillar-Dieselaggregate mit jeweils 1825 Kilowatt Leistung auf 17 Knoten beschleunigen. Bei zwölf Knoten Fahrt sagen die Codecasa-Ingenieure ihrem Flaggschiff einen Aktionsradius von 5000 Seemeilen voraus.

Das Layout sieht zwei Eignersuiten und vier Gästekabinen sowie einen fünf mal zwei Meter großen Pool auf dem Sonnendeck vor. Auf dem 950 Tonnen verdrängenden und nach LY3 und RINA zertifizierten Format schlafen bis zu 16 Crewmitglieder.

Platz 1: "Limitless" von Leslie Wexner

Peter Seyfferth, theyachtphoto.com

Nach dem Stapellauf im Jahr 1997 war der 96,25 Meter lange Lürssen-Bau sechs Jahre lang die größte Jacht der Welt. Leslie Wexner, zu dessen Konzern L Brands unter anderem Victoria's Secret und Abercrombie & Fitch zählen, gab bei Jon Bannenberg eine "Carinthia VI"-Kopie in Auftrag, nur moderner, größer - aber gleichschnell.

25 Knoten erreicht "Limitless" im Elektro-Booster-Modus, wenn beide je 5400 Kilowatt starken Dieselmotoren gemeinsam mit zwei 1700-Kilowatt-Elektromotoren auf ein Getriebe wirken. Der 82-Jährige fuhr mit "Limitless" als einziger US-Bürger per Sonderdekret des Kongresses unter dem sternenbesetzten Banner, lange bevor Präsident Donald Trump dies für Jachten dieser Größe gesetzlich verankerte. Wexner ist Republikaner, trat aber nach Trumps Äußerungen zu den Charlottesville-Ausschreitungen aus der Partei aus.

In die breite Öffentlichkeit geriet Wexner nach der Inhaftierung von Jeffrey Epstein, der bis vor zehn Jahren die Güter des Textilunternehmers verwaltete und somit auch "Limitless" managte. Im Mai 2019 informierte Wexner, dass ab sofort Schluss mit den großen Victoria's-Secret-Dessous-Shows sei. Im August dann die Erklärung, dass Epstein sein Vermögen veruntreut habe.



insgesamt 18 Beiträge
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inecht 17.11.2019
1. so absurd, so unnütz wie Mode
Deren Verschwendungssucht wird an Widerlichkeit nur noch übertroffen von der Ausbeutung der Kinderarbeiter in den "Modefabriken"
bcdb 17.11.2019
2. Frage
Aus welchem Grund hält SPON es für (a) zeitgemäß, (b) im Anbetracht des dramatischen Klimawandels angebracht und (c) für interessant, hier sehr häufig über Fahrzeuge (Schiffe, Autos, Flugzeuge) zu berichten, die sich nur eine erschwindend geringe Zahl gewissenloser Umweltsünder leisten oder leisten wollen kann? Macht doch auch Tolle und positive Berichte über Zigarettenmarken und Fleisch aus Massentierhaltung.
verbal_akrobat 17.11.2019
3. Gibts noch ganz andere technische Lösungen bei gleicher Größe...
...ein relativ vergleichbares Schiff auf dem ich 89/90 unter deutscher Flagge zur See fuhr, Lütjens D185 Heimathafen Kiel - Scheermole Länge 133m 4720Brt 51500KW/h 37Knoten Da war von der Brücke aus immer ne immense Wasserverdrängung Backbord wie Steuerbord zu sehen, sah gut aus, nur rein fallen sollte man nicht bei voller fahrt (is auch nie jemand). Und was die einen wunderschönen Kiel hatte, ach ja - Kiellegung war 1959!!!... https://www.fotocommunity.de/photo/d185-stephan-aus-berlin-stephan-otto/8056047
browserhead 17.11.2019
4. Armut!
Ganz ohne Neid - was für ein armes Leben, wenn einem nichts anderes einfällt, als sein Geld für ein solch exorbitantes Vergnügensklischee auszugeben. Wie sterbenslangweilig ist es denn, in so einem Wellness-Pool durch die Gegend zu schippern und Schampus mit seiner speichelleckenden Entourage und möglicherweise ein paar gemieteten Damen zu schlürfen? Da haben wir zumindest schon einmal fast alle Todsünden versammelt. Wie gesagt, kein Neid! Aber die Strafe für die Designer-Elite folgt auf dem großen Fuße: in den Shopping Mails der Welt überall verfettete Proleten, die ihre Geschmacksarmut und Hässlichkeit mit Marken mit großen Logos zu kaschieren versuchen - Bling, Bling. Das dürfte für die Welt-Optik-Verbesserer ein Purgatorium schon zu Lebzeiten sein, dem sie auch auf der "Wer hat die Längste"-Yacht nicht entkommen können.
gammoncrack 17.11.2019
5. Das finde ich nicht schlimm.
Zitat von bcdbAus welchem Grund hält SPON es für (a) zeitgemäß, (b) im Anbetracht des dramatischen Klimawandels angebracht und (c) für interessant, hier sehr häufig über Fahrzeuge (Schiffe, Autos, Flugzeuge) zu berichten, die sich nur eine erschwindend geringe Zahl gewissenloser Umweltsünder leisten oder leisten wollen kann? Macht doch auch Tolle und positive Berichte über Zigarettenmarken und Fleisch aus Massentierhaltung.
Schlimm ist für mich, dass SPON bei einem solchen Artikel das Forum öffnet. Ist doch klar, was hier für Kommentare kommen. Und wenn ich jetzt schreiben würde, dass ich es toll finde, dass Leute die Möglichkeit haben, sich solche Schiffe zu leisten, würde ich vermutlich niedergemacht werden. Außer natürlich von den Menschen, die von einem solchen Bau profitieren, wie z. B. die Mitarbeiter der Werften.
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