Dirndl für Stewardessen Botschafterinnen bayerischer Gemütlichkeit

Bayern ist nicht Deutschland. Oder doch? Wer im Ausland Klischees über sein Land begegnet, hört "Lederhosen und Dirndl". Jetzt setzt auch die Deutsche Lufthansa auf bayerisches Flair und verdonnert ihre Bordcrew anlässlich des Oktoberfestes zu Schürze und Janker.

Beckenbauer, BMW und Oktoberfest – die freundlichen Klischees über Deutschland lassen sich leicht zusammenfassen. Dass die Bundesrepublik nicht nur aus Bayern besteht, und die Mauer längst Vergangenheit ist, versetzt das ferne Ausland zuweilen in Erstaunen. Was liegt da näher, als die Stereotype zu bedienen und fröhliche Trachtenmädels zu Botschafterinnen gerade für die Oktoberfest-begeisterten Länder USA, Brasilien und China zu erklären?

Die Lufthansa macht es vor. Zum zweiten Mal steckt die nationale Fluglinie ausgewählte Stewardessen und Stewards anlässlich des Münchner Oktoberfestes in traditionelle "Blaudruck Dirndl", wie das Unternehmen bekannt gibt. Pardon, zum dritten Mal, denn schon vor 50 Jahren lächelten die Flugbegleiterinnen in Faltenblüschen und Schürze Fluggäste von New York nach Hamburg und von London nach München an – hübsch getrennt nach Haarfarbe: Hellblau für die Blonden, Rosa für die Dunkelhaarigen.

"Vor allem bei Asiaten kamen die Stewardessen im Dirndl im vergangenen Jahr gut an", sagt Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger. Im September 2006 war die sogenannte Trachten-Crew auf den Flügen nach und von Shanghai, Tokio und Washington dabei. An Bord habe extrem gute Stimmung geherrscht. Die asiatischen Passagiere hätten ihre Kameras gezückt, sich gegenseitig mit den Dirndl-Mädeln fotografiert und massenhaft Fanpost geschrieben. Dieses Jahr dürften sich die Flugreisenden an Bord von Maschinen aus Denver, São Paulo und Peking an reschen Madln erfreuen.

Die Lufthansa fühlt bayerisch

Gefallen habe den Kunden aus China und Japan, aber auch den US-Amerikanern das Lokalkolorit, das typisch Deutsche an der Aufmachung, sagt Rittberger. Typisch deutsch - das lässt alle Bewohner jenseits des Weißwurst-Äquators aufstöhnen. An Crews mit Fischerhemden, Jecken-Hütchen oder Berliner-Bärchen-Kostümen zum Ausgleich denkt die Fluggesellschaft mit dem "Deutsche" im Namen nicht. Sie will vor allem ihre Verbundenheit zu ihrem Münchner Drehkreuz darstellen, versorgt Erste-Klasse-Kunden sogar mit Quietsche-Entchen in Lederhosen und kündigt Bord-Verpflegung mit Wiesn-Flair passend zur bayerischen fünften Jahreszeit an.

Einen Kulturschock nach dem weiß-blauen Flug werden die Brasilianer, Chinesen und US-Amerikaner bei der Ankunft auf dem Münchner Flughafen nicht erleiden. Auch die gesamte Bodencrew der Lufthansa - am Check-in und an den Gates - wird in Tracht gehüllt sein. Zugleich schmücken die bayerischen Farben vom 22. September bis 7. Oktober das Terminal 2 - sogar die Check-in-Automaten zieren Lebkuchen-Herzen von der Wiesn.

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