Doppelstöckig Im ICE nach Paris?

Die Pläne von Bahnchef Hartmut Mehdorn, bis zum Jahre 2004 rund 25 Prozent "weniger Bahn" über die Gleise rollen zu lassen, sind bei Verkehrsexperten auf deutliche Kritik gestoßen. Statt zu sparen, sollte die Bahn lieber auf neue Konzepte wie doppelstöckige Intercitys oder ICEs setzen.


Köln - "Der Rückzug auf einzelne hochprofitable Fernverkehrsstrecken gefährdet die Zukunftsfähigkeit des Gesamtsystems Bahn", sagte der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft GdED, Norbert Hansen, bei einer Anhörung zur Zukunft der Deutschen Bahn.

Doppelt so viel ICE: Geht es nach Verkehrsexperten, ist der Hochgeschwindigkeitszug schon bald zweistöckig unterwegs
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Doppelt so viel ICE: Geht es nach Verkehrsexperten, ist der Hochgeschwindigkeitszug schon bald zweistöckig unterwegs

Unterstützung fand der Gewerkschaftschef bei Pro Bahn. Der Fahrgastverband befürchtet, dass die Fahrgäste wieder verstärkt das Auto nutzen, sollten vermehrt Zugverbindungen gestrichen werden.

Eine Chance für die Bahn liege in besseren Zügen und verstärkten Kooperationen. So sollten Angebote wie der zwischen Köln und Hamburg verkehrende Metropolitan ausgebaut werden und ICEs künftig auch doppelstöckig über die Gleise rollen.

Auch die Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften eröffne neue Möglichkeiten - allerdings nur auf so genannten Ultrakurzstrecken: Wie die Lufthansa in einer Untersuchung festgestellt hat, können Anschlussflüge von rund 170 Kilometern Länge gut durch Hochgeschwindigkeitszüge ersetzt werden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Flughäfen über einen ICE-Anschluss verfügten, wie ihn Frankfurt und demnächst Düsseldorf haben. Längere Anschlussstrecken für Auslandsflüge seien hingegen nicht durch den Zug zu ersetzen.

Anders sieht es bei innerdeutschen Flugverbindungen aus: Hier könne die Bahn, so Verkehrsexperten, ihre Position durch eine geschickte Produktpolitik ausbauen - auf Kosten der Lufthansa. Die Fluggesellschaft ist über eine derartige Entwicklung wenig erfreut. Eine "Zwangsverlagerung" komme nicht in Frage.

Laut Gewerkschaftschef Hansen fahren 50 Prozent aller Bürger nie oder äußerst selten mit der Bahn - ein "riesiges schlummerndes Potenzial". Hansen trat für die Schaffung eines europäischen Schnellbahn-Systems ein und mahnte die längst fällige Öffnung des französischen Schienennetzes an. "Nicht nur der Thalys soll in Köln fahren, sondern auch der ICE in Paris".

Nach den bisherigen Plänen der Bahn AG soll zukünftig ein von Deutschen und Franzosen gemeinsam entwickelter neuer Hochgeschwindigkeitszug Paris und Berlin verbinden - allerdings wohl nicht vor dem Jahr 2010.



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