Drama am Everest Bergsteiger retten todgeweihte Frau

Rettung in letzter Sekunde: Ein amerikanischer Bergführer und sein Sherpa haben eine halb bewusstlose, unter schwerer Höhenkrankheit leidende Nepalesin aus der Todeszone des Mount Everest geschleppt - und dabei ihr eigenes Leben riskiert.


Delhi/London - Der erfahrene amerikanische Bergführer David Hahn und sein Träger kehrten am Montagmorgen gerade vom Gipfel zurück, als sie beim Absteigen die gesundheitlich schwer angeschlagene Frau entdeckten, berichtet "Times Online".

Mount Everest, die höchste Erhebung der Welt: Mythos und Gefahr für Bergsteiger
DLR / NGS / Swissphoto

Mount Everest, die höchste Erhebung der Welt: Mythos und Gefahr für Bergsteiger

Die nepalesische Bergsteigerin, die derzeit im Basislager von Ärzten behandelt wird und sich langsam erholt, lag halb bewusstlos auf einem steilen, tief verschneiten Hang etwa 550 Meter unter dem Gipfel (8850 Meter). Sie litt unter schwerer Höhenkrankheit, unter Wasseransammlungen im Gehirn und war kaum ansprechbar.

Die beiden Bergsteiger zögerten nicht, sie mitzunehmen - und setzten damit ihr eigenes Leben aufs Spiel. Unter den Bedingungen der Todeszone über 8000 Meter Höhe gingen sie ein unüberschaubares Risiko ein: Dort gibt es so wenig Sauerstoff, dass alle Anstrengungen nötig sind, um sich selbst am Leben zu halten.

Nachdem Hahn und sein Sherpa der Nepalesin eine Injektion gegen die Höhenkrankheit verabreicht hatten, zogen und schoben sie sie die tückische Südflanke des Gipfels hinunter. Das erste Camp erreichten sie nach vier Stunden. Dort kümmerten sich Ärzte um die in Todesgefahr schwebende Frau.

Damit war die Rettungsaktion aber noch lange nicht vorbei: Zusammen mit dem Rest seines britischen Expeditionsteams schnallte Hahn die Nepalesin auf einen Schlitten und brauchte weitere neun Stunden, um sie über die "Lhotse-Wand" und durch das felsige "Gelbe Band" teils hinunterzuziehen, teils abzuseilen. Das nächste Camp auf 7300 Meter Höhe erreichte die Gruppe erst nach Anbruch der Dunkelheit.

Debatte unter Bergsteigern: Retten oder Liegen lassen

Seit gestern können sich Hahn und sein Team nun im Basislager von den Anstrengungen erholen. Er sei sehr erschöpft gewesen und hätte nicht mehr an das Überleben der Frau geglaubt, gestand der Amerikaner, der den Gipfel des Mount Everest bereits neunmal erklommen hat. Bereits 2001 war er an der Rettung von zwei Everest-Bergsteigern beteiligt gewesen.

Die spektakuläre Hilfsaktion hat die internationale Debatte über Bergsteiger-Ethik wieder angefacht - ein Jahr nach dem Tod von David Sharp. Der Brite war am 15. Mai 2006 auf dem Mount Everest gestorben, nachdem ihn rund 40 Bergsteiger mehr oder weniger tatenlos passiert hatten.

Ein Rettungsversuch hätte eventuell noch mehr Leben gefordert, wurde in der angestoßenen, höchst kontroversen Diskussion argumentiert. Andere kritisierten aufs Heftigste den Zynismus des kommerziellen Bergsteigens.

hep



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