Dolomiten Kletterer wiesen zweimal Hilfe ab - und ließen sich dann doch retten

Zwei Spanier wollten auf die Drei Zinnen in den Dolomiten, hingen dann aber endgültig im Fels fest. In der Vorwoche hatte das Paar die Bergwacht schon einmal auf Trab gehalten - nun wird es zur Kasse gebeten.

Drei Zinnen: "Rücksichtloses Verhalten"
De Agostini/ Getty Images

Drei Zinnen: "Rücksichtloses Verhalten"


Italienische Bergretter haben in den Dolomiten ein spanisches Paar nach drei Tagen aus einer Gefahrensituation befreit. Das allein wäre keine besondere Nachricht, wenn die beiden Alpinisten aus Barcelona zuvor nicht bereits zweimal die Hilfe ausgeschlagen hätten - bei ein- und derselben Tour an den Drei Zinnen.

Der 45-jährige Mann und die 36-jährige Frau steckten am Montag in 2750 Metern bei schlechter werdendem Wetter an der Westlichen Zinne fest, wie der italienische Nationale Alpenrettungsdienst (CNSAS) mitteilte. Seit Samstag hätten sie zweimal Hilfe zurückgewiesen, bevor sie schließlich von einem Hubschrauber geborgen wurden.

Doch das ist nicht alles: Vorige Woche hätten sie schon einmal die Retter auf Trab gehalten, als sie mit einem anderen Paar nachts ohne Lampen und Seile in den Felsen entdeckt worden waren. Vier Rettungsmissionen für dieselbe Gruppe sei ein "absoluter Rekord", sagte der Provinzchef der Alpenrettung, Giovanni Cipollotti, dem öffentlich-rechtlichen Radiosender RAI.

Die bis zu 2999 Meter hohen Drei Zinnen auf der Grenzen zwischen Südtirol und der Provinz Belluno in Italien sind eines der markantesten Bergmassive der Alpen.

Öffentlich be- oder verurteilen wollen die Bergretter die Aktion nicht. Doch auf ihrer Facebook-Seite machen sie keinen Hehl daraus, dass man so ein Verhalten zumindest als leichtsinnig, wenn nicht als verantwortungslos einstufen kann.

"Normalerweise kritisieren wir nicht jemanden, der von uns gerettet wurde, und nicht mal heute zeigen wir mit dem Finger auf die beiden Touristen, die mehrfach unsere Hilfe verweigerten", heißt es in einem Posting. "Aber wir wollen zum Nachdenken anregen und danken Massimo Gramellini, der heute auf der Titelseite des 'Corriere della Sera' am besten unsere Meinung wiedergibt." Dann folgt ein Foto des Artikels.

"Der Gipfel des Narzissmus"

"Das Paar hat den Gipfel des Narzissmus erreicht, indem sie die Hilfe der Bergretter verweigerten", schreibt der italienische Kolumnist Gramellini in der Tageszeitung. "Und ob es dem Narzissten gefällt oder nicht: Er ist Teil eines Netzwerks aus Menschen, die dazu bestimmt sind, für seine Idiotien zu bezahlen."

Gramellini spielt damit auf die Kosten an, die bei Bergunglücken für die Gemeinschaft entstehen können, etwa für einen aus öffentlichen Geldern finanzierten Hubschraubereinsatz oder einen Krankenhausaufenthalt, für den letztlich Krankenkassen aufkommen - und damit indirekt die Beitragszahler.

Doch ganz ohne zur Kasse gebeten zu werden, kommen die Spanier nicht davon. Der CNSAS-Sprecher Walter Milian sagte, es werde auf 7500 Euro hinauslaufen, die sie zahlen müssten.

jus/dpa



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