Gestörte Gepäckabfertigung in Düsseldorf Wo ist nur mein Koffer?

Fünf von sieben Gepäckanlagen waren am Flughafen Düsseldorf außer Betrieb: Am Morgen mussten Hunderte Reisende ohne Koffer in den Urlaub fliegen. Rund 2500 Gepäckstücke müssen nun nachgeliefert werden.

DPA

Am Flughafen Düsseldorf hat sich Reisenden am Mittwochmorgen ein ungewöhnliches Bild geboten: Statt Schlangen von Urlaubern, die darauf warten, ihr Gepäck einzuchecken, belagerten Hunderte Koffer die Abflughalle. Wegen einer technischen Störung bei der Gepäckabfertigung mussten etliche Reisende ohne Koffer abfliegen.

Rund 2500 Gepäckstücke blieben laut einer Mitteilung des Flughafens zurück. Seit 8.45 Uhr sei die technische Störung jedoch wieder behoben, hieß es in dem Statement auf der Website des drittgrößten Airports Deutschlands.

Am Morgen waren demnach ab 3.30 Uhr fünf von sieben Anlagen bei der Gepäckabgabe außer Betrieb gewesen. Über Stunden konnte nur eine begrenzte Zahl von Koffern durch die Sicherheitsüberprüfung laufen und verladen werden.

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Gepäckpanne in Düsseldorf: Finden Sie Ihren Koffer!

Die rund 2500 zurückgebliebenen Gepäckstücke sollen nachgeliefert werden, hieß es. "Ein Fehler in der Steuerungssoftware war ursächlich für die Störung." Security-Mitarbeiter sicherten nach Flughafenangaben das Gepäck in der Halle des Airports.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland sind seit dieser Woche Sommerferien. Am Mittwoch waren Flugbewegungen mit rund 81.000 Passagieren geplant. Darunter waren Flüge zu typischen Ferienzielen wie Palma de Mallorca, Teneriffa und Korfu.

Welche Rechte haben Pauschalreisende?

Wenn der Koffer nicht rechtzeitig am Urlaubsziel ankommt, dürfen Pauschalreisende den Preis mindern. "Der Reiseveranstalter ist dafür verantwortlich, dass das Gepäck und der Reisende pünktlich und unbeschädigt am Reiseziel ankommen", sagt Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Ist dies nicht der Fall, haben sie einen Minderungsanspruch.

Um ihre Rechte geltend zu machen, müssen Reisende direkt nach der Landung den Verlust ihres Koffers am "Lost-and-Found"-Schalter des Flughafens melden. "Dort erhalten sie eine schriftliche Bestätigung, die sie später beim Reiseveranstalter einreichen müssen." Zudem sollten Urlauber ihren Reiseleiter vor Ort über das fehlende Gepäckstück informieren, um ihre Ansprüche zu wahren und dem Veranstalter die Möglichkeit zu geben, den Reisemangel zu beheben.

Die Anzahl der Tage, die Reisende auf ihr Gepäck warten müssen, beeinflusst die Höhe der Preisminderung. "Taucht das Gepäck im Extremfall während des gesamten Urlaubes nicht auf, sind bis zu 50 Prozent Preisminderung möglich", sagt Degott. In so einem Fall seien auch Ansprüche auf Schadenersatz denkbar.

Das gilt auch für alle Flugreisenden, deren aufgegebener Koffer gar nicht mehr auftaucht. "Dann können Reisende laut Montrealer Abkommen maximal bis zu 1300 Euro pro Gepäckstück von der Fluggesellschaft erhalten", sagt Degott. Dafür müssen sie auch den Verlust melden sowie genau dokumentieren, was sie eingepackt haben. Idealerweise können sie den Wert mit Rechnungen nachweisen.

In der Regel komme das Gepäck aber zwei, drei Tage später doch noch an. Kaufen sich Pauschalurlauber im Urlaubsort zwischenzeitlich Ersatzkleidung, sollten sie unbedingt die Quittungen aufbewahren, sagt Degott. "Diese können sie später beim Reiseveranstalter einreichen." In der Regel erhalten Reisende zumindest einen Teilbetrag zurück.

kry/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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themistokles 17.07.2019
1.
Und wer ist in diesem Wechselspiel zwischen Veranstalter, Luftfahrtgesellschaft und Flughafen mal wieder der Dumme? Der Kunde bzw. Passagier. Da bleibt das Gepäck am Abflug(!)flughafen aufgrund eines Fehler, den der Flughafen zu verantworten hat, zurück. Schön öffentlich dokumentiert durch die Medien. Und dann müssen ALLE Passagiere den Verbleib des Gepäcks am Ziel(!)flughafen an einem Schalter, der vermutlich hoffnungslos überfüllt sein wird, dokumentieren lassen. Dann, und nur dann, bekommt er eine Entschädigung. Und weiß noch nicht einmal, wann er sein Gepäck nachgeliefert bekommt. Entspannter kann man wohl nicht in den Urlaub starten. Eine kundenfreundlichere Regelung sucht man vergebens...
bluebill 17.07.2019
2. Nachgeliefert? Wohin?
Wenn ein Koffer aufgegeben wird, kennt man seinen Zielflughafen und ggf. die Heimatanschrift des Besitzers. Mehr nicht. Wo der Besitzer am Zielort hingeht, ist unbekannt, deshalb kann auch nichts automatisch nachgeliefert werden. Oder sollen jetzt Tausende von Fluggästen täglich zum Flughafen ihres Urlaubsziels pilgern, um nachzusehen, ob ihr Koffer inzwischen da ist? Müssen sie bei der Ankunft erstmal alle im Lost-And-Found-Büro Schlange stehen und sich registrieren, damit sie vielleicht(!) irgendwann ihr Gepäck kriegen? Sollen sich alle sofort ans Smartfon oder den Computer stürzen und beim Reiseveranstalter beschweren? Sofern das Gerät überhaupt so lange durchhält, das Ladekabel liegt ja meist im Koffer. - Am besten ist es wohl, so wie in der guten alten Zeit stets einen Notvorrat im Handgepäck mitzuschleppen, damit man wenigstens die ersten 1-2 Tage ohne Koffer überlebt. Und einzukalkulieren, dass man am Urlaubsziel eben erstmal größere Einkäufe tätigen muss.
wolfi7777 17.07.2019
3. Natürlich wird nachgeliefert - an den Urlaubsort bzw Heimatort!
Das ist einem Kollegen auf dem Weg in die USA passiert - abends war der Koffer im Hotel sonst hätter einen Anzg oder zumindest ein Hemd kaufen müssen ... Und mir ebenfalls aber immer auf dem Rückweg, einmal Lieferung von Stuttgart in den Schwarzwald und einmal sogar von Wien/Schwechat an de Balaton, aber erst am nächstn Tag kam der Fahrer. Natürlich alles kostenlos - außer einem Trinkgeld ...
competa1 17.07.2019
4. Lustig..
Zitat von wolfi7777Das ist einem Kollegen auf dem Weg in die USA passiert - abends war der Koffer im Hotel sonst hätter einen Anzg oder zumindest ein Hemd kaufen müssen ... Und mir ebenfalls aber immer auf dem Rückweg, einmal Lieferung von Stuttgart in den Schwarzwald und einmal sogar von Wien/Schwechat an de Balaton, aber erst am nächstn Tag kam der Fahrer. Natürlich alles kostenlos - außer einem Trinkgeld ...
..wir haben eine Finca in den Bergen über Malaga gebucht.Den kleinen,steilen Weg kennt noch nichtmal ein Taxifaher dort.Wohin will die Fluggesellschaft also liefern.Merke:nicht jeder bucht ein Hotel!
kommentar4711 17.07.2019
5. @#2, #4
Deswegen melden Sie sich in so einem Fall ja bei Ankunft am Lost&Found Schalter. Dort wird dann ein Formular ausgefüllt in dem auch abgefragt wird wohin genau der Koffer nachgeliefert werden soll sobald er gefunden ist.
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