Entgleiste Waggons Güterzugunfälle bringen Bahnverkehr durcheinander

Streckensperrungen, Zugausfälle, Verspätungen: Zwei Güterzugunfälle haben zu Chaos auf der Ost-West-Route zwischen Berlin und Köln geführt. Die ICE-Verbindungen sind erheblich gestört, der Bielefelder Bahnhof ist komplett vom Fernverkehr abgeschnitten.


Fotostrecke

6  Bilder
Münsterland: Entgleiste Güterwaggons beschädigen ICE-Strecke
Vennebeck/Neubeckum - Die Zuganzeigen auf der vielbefahrenen ICE-Ost-West-Route zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet sowie dem Rheinland verheißen derzeit für Reisende nichts Gutes: Innerhalb von zwei Tagen sind in Nordrhein-Westfalen zwei Güterzüge auf derselben Fernstrecke entgleist - Streckensperrungen, Zugausfälle sowie Umwege und Verspätungen für Reisende im Nah- und Fernverkehr waren die Folge.

Nach Dienstag, als in Neubeckum im Münsterland ein Güterzug verunglückt war, sprangen nun am Mittwochnachmittag - keine hundert Kilometer nordwestlich - in Vennebeck bei Minden mehrere Waggons eines Güterzugs aus den Gleisen. Nach Bahninformationen wurde die Strecke zwischen Minden und Löhne bis auf ein Gleis gesperrt, im Nahverkehr sollten Busse eingesetzt werden.

Die aufgestauten Züge würden langsam an der Unfallstelle vorbeigeleitet. Im Internetportal der Bahn, wo Reisende aktuelle Informationen zu ihrem Startbahnhof abfragen können, wurden am Abend Verspätungen von rund zwei Stunden bei ICE-Zügen aus NRW angezeigt. Bei etlichen Verbindungen in Ostwestfalen und ins nahe Niedersachsen wurde Zugausfälle angegeben.

Erst am Dienstag waren im Münsterland bei Neubeckum mehrere Wagen eines Güterzugs entgleist. Seither ist der ICE-Verkehr Köln-Berlin sowie Köln-Leipzig gestört. Die Züge werden über Münster umgeleitet, deutlich längere Fahrzeiten sind die Folge.

Bahnhof Bielefeld vom Fernverkehr abgeschnitten

Nach der ersten Entgleisung teilte die Bahn am Mittwoch mit, dass die Streckensperrung länger als ursprünglich gedacht andauert - mindestens noch bis Donnerstagabend. Wegen schwerer Schäden blieb die Unfallstelle vorläufig unpassierbar. Der Bahnhof Bielefeld ist seither vom Fernverkehr abgeschnitten. Die Bahn musste damit am Mittwoch die selbst genannte Erwartung zurückschrauben, ein Gleis könnte schon ab Donnerstagmittag wieder befahrbar sein.

Die Reparaturarbeiten an der Unglücksstelle nahe dem Bahnhof Neubeckum dauerten länger als erwartet, sagte ein Bahnsprecher. "Die Schäden sind erheblich." Die Minusgrade bereiteten den Technikern zusätzliche Probleme, sagte er. Ob auf der wichtigen Ost-West-Route tatsächlich von Donnerstagabend wieder Züge rollen, sei letztlich erst im Tagesverlauf absehbar.

Für Reisende mit dem Ziel Bielefeld halten die Fernzüge stattdessen in der Kleinstadt Löhne, damit sie in Regionalzüge umsteigen können. Zwischen den Bahnhöfen Hamm und Neubeckum ersetzen weiterhin Busse die Züge. Dort könnte es zum Schulstart am Donnerstag in Nordrhein-Westfalen eng werden: "Da wird Geduld gefragt sein. Pendler und Schüler sollten etwas mehr Zeit einplanen", appellierte ein Bahnsprecher.

Eisenbahnbundesamt untersucht entgleiste Waggons

Am Dienstag hatte sich ein Güterzug bei Neubeckum durch eine Entgleisung in der Mitte getrennt. Die Lok rollte mit neun Wagen noch rund einen Kilometer weiter, bis der Zug zum Stehen kam. Warum vier Waggons in der Mitte des Zuges aus dem Gleis flogen, war laut Bundespolizei zunächst noch unklar. Der Zugführer habe gegenüber den Ermittler gesagt, er habe zunächst nichts bemerkt. Bei dem Unfall war niemand verletzt worden.

Das Eisenbahnbundesamt untersucht in Hagen mehrere der entgleisten Waggons: Der Bericht werde in einigen Tagen erwartet, sagte ein Bundespolizeisprecher in Münster. Die Schadensbilanz ist groß: Auf zwei Kilometern Länge sind Schienen und Gleisbett verwüstet, wie eine Bahnsprecher berichtete. Vier Oberleitungsmasten, zwei Hauptsignale und mehrere Weichen sind schwer beschädigt.

wit/dpa



insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mwalker, 06.01.2010
1. Schlechte Wartung zahlt sich halt aus !
Wenn man hört, daß die Güterwagen der DB an den deutschen Grenzen angehalten werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellen sind die Unfälle einfach nur logische Konsequenz.
DJ Doena 06.01.2010
2. Bielefeld?!
Zitat von sysopStreckensperrungen, Zugausfälle und Verspätungen: Zwei Güterzug-Unfälle innerhalb von zwei Tagen haben zu chaotischen Zuständen auf der Ost-West-Route zwischen Berlin und Köln geführt. Die ICE-Verbindungen sind erheblich gestört, der Bielefelder Bahnhof vom Fernverkehr abgeschnitten. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,670534,00.html
Wahrscheinlich wollte ein Whistleblower von da entkommen und SIE mussten das mit allen Mitteln verhindern...
fatalismo 07.01.2010
3. Teuer war sie, die Bundesbahn...
...aber in Europa hat man die Uhren nach ihr gestellt. Von Engländern habe ich vor 40 Jahren gelernt, dass sie ihre Europa-Trips nach dem 'Kursbuch' der Deutschen Bundesbahn planten. Zugegeben: Ich bin wirklich aufgewachsen mit Nachrichten, dass die Bahn zu viel kostet. Und was kostet sie heute? Was kostet denn uns alle der Aberwitz, in einem geografisch winzigen Land immer schnellere Strecken auszuweisen - die bei sechs Schneeflocken schon einknicken? Rechnen wir alles hintereinander, dann ist die Privatisierung der Bahn der schiere Schwachsinn. Allein die Länder geben inzwischen mehr Geld für die 'Bedienung' der Fläche aus, als im einstigen Etat des Bundesminsteriums für Verkehr für die gesamte DB ausgewiesen war. Es gibt aber auch Mutwillen. Die FDP ist zum Beispiel ein solcher 'mutwilliger Faktor'. Ihrem Credo zufolge sollte der Staat allenfalls für das Anzünden der nächtlichen Beleuchtung zuständig sein. Und die sollte nix kosten. Die Anhänger dieser Klientel-Partei finden sich vielleicht schon bald wieder in Gettos - 'Dahoim ist Dahoim!' Wir bewachen sie - rund um die Uhr. Das ist unendlich viel billiger als ihre eigene Lösung... Man sollte den Neo-Feudalen vom Zuschnitt eines Guido Westerwelle und dessen Flintenweib Birgit Homburger schon zugestehen, dass sie ihren Job gut machen.
zanderdue 07.01.2010
4. Bielefeld ...
Zitat von DJ DoenaWahrscheinlich wollte ein Whistleblower von da entkommen und SIE mussten das mit allen Mitteln verhindern...
...gibt es wirklich! Gruß von einem West-Westfalen ....
Parzival v. d. Dräuen 07.01.2010
5. Terraforming.
Zitat von DJ DoenaWahrscheinlich wollte ein Whistleblower von da entkommen und SIE mussten das mit allen Mitteln verhindern...
Nein, SIE vertragen keinen Schnee. Bielefeld steht momentan unter Quarantäne. Dennoch arbeiten SIE weiter unermüdlich an der Klimaerwärmung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.