Erster Schneefall Deutsche Skiorte rüsten sich für Wintersportler

Bislang war der Winter alles andere als weiß, darunter hatten besonders die Wintersportorte zu leiden. Jetzt atmen die Liftbetreiber in den deutschen Mittelgebirgen auf: Endlich ist Schnee gefallen – zwar noch wenig, doch für die kommenden Tage ist mehr angekündigt.


Erfurt - "Endlich kommt die Kälte!" freut sich der Geschäftsführer der Ski-Arena Steinach, Gerhard Müller. In dem größten alpinen Skigebiet Thüringens laufen die Schneekanonen jetzt rund um die Uhr. Am Wochenende, so hofft der Liftbetreiber, wird erstmals in dieser Saison eine der Skipisten genutzt werden können.

Sonniges Winterwetter auf den Brocken: Der Winter ist da!
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Sonniges Winterwetter auf den Brocken: Der Winter ist da!

Ähnlich sieht es im Schwarzwald und im Harz aus. Seit dem kalendarischen Winteranfang am 21. Dezember 2006 war Wintersport in den deutschen Mittelgebirgen bisher kaum möglich. Nicht einmal Kunstschnee konnte für die Pisten produziert werden, weil es dazu einfach zu warm war.

"Um diese Zeit hatte ich im vergangenen Jahr bereits die Hälfte meiner Einnahmen erzielt", sagt Müller. Auf rund 200.000 Euro schätzt er die Verluste, die ihm schon jetzt durch die Wetterkapriolen entstanden sind. Die Anlage steht seit 1999 und war anfangs von rund 20.000, zuletzt von rund 46.000 alpinen Skifahrern genutzt worden.

"Das ist ein absoluter Ausnahmewinter. Im vergangenen Jahr lag der Schnee hier meterhoch", erinnert sich Müller. Damals hatte die südthüringische Stadt sogar Furore gemacht, als sie Mitte März Wagenladungen der weißen Pracht bei eBay versteigerte. Man solle sich also jetzt über den Schnee freuen und nicht gleich wieder hysterisch von einem Wintereinbruch sprechen, meint Müller.

Förster im Dauereinsatz

Auf dem 1.142 Meter hohen Brocken lagen heute bei minus zwölf Grad 15 Zentimeter Schnee. "Ein Hauch von Winter", sagt Marc Kinkeldey von der Wetterwarte des höchsten Berges im Harz. In den Wintersportzentren um Schierke lag zunächst nur eine dünne Schneedecke von fünf Zentimetern. "Das reicht für eine Schneeballschlacht, aber Wintersport ist hier noch nicht möglich", erklärt Kinkeldey.

Ähnlich sieht es im Schwarzwald aus. Über Nacht sind auf dem 1.493 Meter hohen Feldberg zehn Zentimeter Schnee gefallen, wie Berit Wolf von der Tourist-Information berichtet. In den tiefer gelegenen Skigebieten liegt er jedoch nur rund fünf Zentimeter hoch. Man produziert eifrig Kunstschnee und rechnet damit, noch heute eine Liftanlage in Betrieb nehmen zu können. Am Donnerstag könnten es mehrere sein.

In Oberhof hat es bisher nur leicht geschneit. Auch hier arbeiten die Schneekanonen rund um die Uhr, wie der Sprecher der Stadt, Holger Orthey, mitteilt. Große Sorgen bereiten vielen Wintersportlern in den Mittelgebirgen derzeit noch die Folgen des Orkantiefs "Kyrill". Allein in Thüringen verursachte der Sturm rund eine Million Festmeter Holzbruch. "Die Forstleute sind im Dauereinsatz, um die Waldwege frei zu räumen", sagt Orthey. "Ob der angekündigte Schnee auch für die Loipen ausreicht und noch einige Wochen Wintersport möglich machen wird, kann jetzt noch nicht gesagt werden."

Oberhof plant Skilanglauf in der Röhre

Oberhof ist seit 1884 eine Wintersport-Hochburg, aus der bis heute Langläufer, Biathleten und Rennrodler der Spitzenklasse kommen. Bei den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 war Thüringen mit sechs von elf Goldmedaillen überhaupt das erfolgreichste deutsche Bundesland.

Um den renommierten Biathlon-Weltcup Anfang Januar zu retten, musste sogar Eis aus Bremerhaven herangefahren werden. Dieses Eis, das sonst die Trawler bunkern, wenn sie zum Fischfang ausfahren, wurde zerhäckselt, so dass eine Art verharschter Schnee entstand, dem auch Plusgrade nicht so schnell etwas anhaben konnten. Für den Leiter des Olympiastützpunktes Oberhof, Wolfgang Filbrich, kann dieses teure Verfahren nur die "absolute Ausnahme" sein.

Um Sportlern und Touristen unabhängig vom Wetter Skilaufen zu ermöglichen, plant man den Bau einer Skilanglaufröhre in Oberhof. In dem rund sieben Meter breiten und vier Meter hohen Tunnel könnte das ganze Jahr über auf einer rund zwei Kilometer langen Loipe - mit Gegenlauf - trainiert werden. Etwa fünf Anlagen dieser Art gibt es unter anderem bereits im schneesicheren Skandinavien.

Suche nach touristischen Alternativen

Der Umweltschützer Burkhard Vogel vom BUND Thüringen lehnt derartige Projekte rigoros ab. "Der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen. In zehn bis 20 Jahren wird regelmäßiger Wintersport in den deutschen Mittelgebirgen nicht mehr möglich sein", sagt Vogel voraus. Also müsse man sich rechtzeitig umstellen und nach Alternativen für den Tourismus suchen.

"Wenn Schnee von Bremerhaven nach Oberhof gefahren werden muss, gibt es keinen Standortvorteil mehr für Thüringen!" Schon jetzt gebe es Skihallen über die Bundesrepublik verteilt, die mit großem Energieaufwand arbeiteten, ähnlich wie die Spaßbäder. Und die für Oberhof geplante Skilanglaufröhre könne schließlich überall stehen. "Was sollte die Touristen motivieren, deshalb nach Oberhof zu fahren?" fragt Vogel.

Jochen Wiesigel, AP



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fritze meier, 15.11.2006
1. na wo wohl
val thorens. wohlgemerkt: die pisten. das drumrum, nun ja, geniesst man besser im halbschlaf.
Fidel Castr(at)o, 15.11.2006
2.
Sehr bekannt, sehr viele Leute, aber trotzdem wohl mit das tollste Skigebiet, das man in den Alpen findet: (St. Anton) am Arlberg! Wenn man sich die Mühe macht, früh aufzustehen und mit bei den ersten am Lift zu sein, hat man mindestens 2h, in denen wenig los ist und man wirklich Skifahren kann. Für Ortskundige: Wunderschön sind der Schöngrabenlift, die Schindlerkar-Abfahrten auf beiden Seiten, die Buckelpistenabfahrt nach St. Christoph, die Zamermoosbahn sofern man sich bei der Abfahrt auf der buckeligen rechten Seite hält... und definitiv einen Besuch wert ist das Albonagrat... wehe man war in St. Anton, aber nicht dort! Für einen Tag - am geschicktesten natürlich, wenn möglich, unter der Woche - ist bei guten Schneeverhältnissen Alpbach einen Besuch wert. Wirklich schöne Pisten und ein schönes kleines Gebiet, dass für einen Tag ausreichend Fahrspaß bietet!
Brettschneider 15.11.2006
3.
Ich hatte immer ein Faible für Sommerski. Cervinia/Plateau Rosa mit der alten Kilometro Lanciato war göttlich. Diesen Rundblick werde ich nie vergessen Aber selbst auf 3500m muß man sich bei der Gletscherschmelze beeilen, wenn man noch sommerskifahren will. Dieses Jahr ging ja auf dem Rettenbachferner im Ötztal nicht einmal Ende Oktober etwas. Da war ich vor 20 Jahren Ende Juli bei bestem Firn bis zum Parkplatz. Die Zeiten sind wohl vorbei!
Tsoumaz, 16.11.2006
4. Beste Pisten
---Zitat von sysop--- Ob Abfahrt oder Langlauf, ob Snowboard oder Heli-Ski: Der Winter hat unzählige Vergnügungen zu bieten. Aber nicht alle Pisten halten, was sie versprechen. Was sind Ihre Tipps? Wo macht der Winter am meisten Spaß? ---Zitatende--- Wallis, unteres Rhonetal, 4 Täler Region um Verbier. Das Skigebiet geht von 1500 - 3300m, Pisten aller Schwierigkeits grade auch für Extremsportler. Allerdings fast nur FeWo; kein HullyGully außer direkt in Verbier. Dadurch nichts für Ballermänner oder Ischgl-Fans. Ein Leckerbissen zum Zuschauen ist der Mitte März stattfindende O'neill Xtreme Freeride Contest Verbier mit den weltbesten Snowboardern und Freeridern am 3222m hohen Bec de Rosses mit 55 Grad steiler Nordflanke. Der Wettbewerb zählt zu den extremsten seiner Art - weltweit.
soylentyellow, 16.11.2006
5. Val Thorens - klarer Sieger
Val Thorens in den Trois Vallees, ganz klar. Nicht 30km Pisten wie auf dem beschriebenen Pitztaler Gletscher sondern 600km Pisten. Und dann kann man natürlich auch noch neben der Piste, das ist nochmal besser (v.a. neben den schwarzen Pisten - die auch wirklich schwarz sind). Auch die ca 150 Lifte, verteilt auf drei Täler, sind ein Genuss. Was es da an Lifttechnik gibt ist beeindruckend. Anstehen ist da ein Fremdwort. Und die funktionalen Betonburgen sind mir allemal sympathischer als diese Pseudo-Gemütlichkeit wie ich sie beispielsweise im Zillertal gesehen habe. ---------- Für die absoluten Freaks empfehle ich La Meije/La Grave in der Nähe von Les Deux Alpes. Dort gibt es zwar nur eine Pseudo-Gondelbahn und einen Schlepplift, dafür aber Tiefschnee satt und KEINE einzige präparierte Piste (bis auf 500m auf dem Gletscher wegen den Gletscherspalten). Eigentlich gibt es nur den Lift und keine Piste, nur "itineraires", also Spuren im Schnee. Aber: Nur geeignet für Skifahrer (Snowboarder waren dort sehr selten) welche sich auch abseits der schwarzen Pisten wohl fühlen. Für Familien absolut ungeeignet. Man kann auch über den Gletscher rüber nach Les Deux Alpes, allerdings muss man dann etwa 500m über den Gletscher laufen. Aber im Vergleich zu La Grave ist Les Deux Alpes einfach zu flach. ---------- Frage an die Ski-Begeisterten: Gibt es vergleichbares bzw. noch besseres/noch steileres/noch größeres als Val Thorens (Größe) bzw La Grave (Tiefschnee/G/Steilheit)?
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