Eskalation im Hotelstreit Kempinski kämpft um Namen "Adlon"

Der Betreiber des Berliner Adlon klagt gegen die Besitzer: Kempinski vermutet, dass die Fundus-Gruppe eine eigene Hotelkette unter dem Namen des Luxushotels eröffnen will. Mit Percy Adlon hat sich auch einer der Adlon-Erben eingeschaltet.


Berlin - Das "Hotel-Monopoly" zwischen der Kempinski AG und der Fundus-Gruppe hat sich verschärft und wird wohl für längere Zeit die Gerichte beschäftigen. Die Kempinski AG bestätigte am Montag eine Klage gegen Fundus, um die angeblich geplante Übertragung des Namens Adlon auf andere Geschäfte als das Hotel Adlon in Berlin zu verbieten. Der Konflikt war bereits in der vergangenen Woche eskaliert, als die Kempinski AG die Betriebsführung für das Grand Hotel Heiligendamm mit sofortiger Wirkung gekündigt hatte.

Die Fundus-Gruppe in Düren ist sowohl Eigentümer für das besonders durch den G8-Gipfel international bekannt gewordene "weiße Haus" an der Ostsee als auch des Berliner Luxushotels am Brandenburger Tor. In einem Interview mit der "Berliner Morgenpost" hatte Fundus-Chef Anno August Jagdfeld am Sonntag zwar Aussagen des Kempinski-Vorstandsmitglieds Markus Semer im Kern bestätigt, wonach die Adlon-Verträge bis 2016 laufen.

Gleichzeitig hatte Jagdfeld aber heftige Kritik an der Vermarktung durch Kempinski vor allem für Heiligendamm, aber auch für das Adlon geäußert. Die Adlon-Auslastung liege bei etwa 55 Prozent. "Und Kempinski verdient gerade die Miete von ungefähr zwölf Millionen Euro im Jahr. Leider nicht mehr", sagte Jagdfeld. Das Adlon habe "ein deutlich größeres Potential". Einen Überschuss über die zwölf Millionen Euro hinaus teilen sich Mieter und Vermieter je zur Hälfte. "Darauf warten wir seit zehn Jahren", sagte Jagdfeld. In Heiligendamm habe die Auslastung für Vollzahler nur bei 40 Prozent gelegen.

Percy Adlon: Fundus' Pläne sind gegen Vertrag

Die Kempinski AG ihrerseits hatte Fundus vorgehalten, für die vergangenen zwei Jahre die Managementgebühren von 1,1 Millionen Euro nicht gezahlt und weitere Vertragsbrüche begangen zu haben. Auch hier muss letztlich vor Gericht entschieden werden.

Vor dem Landgericht Berlin will die Kempinski AG nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" erreichen, dass Fundus den Namen "Hotel Adlon" ausschließlich für das gleichnamige Haus in Berlin benutzen darf. Kempinski fürchte, dass Fundus-Chef Jagdfeld den Aufbau einer eigenen "Adlon"-Hotelkette plane.

In diesen Konflikt hat sich mit Percy Adlon inzwischen einer der Adlon-Erben persönlich eingeschaltet. Laut einer Mitteilung der Kempinski AG sagte Percy Adlon: "Fundus und ihre Pläne stehen im Widerspruch zu allen unseren vorherigen Diskussionen und vertraglichen Verpflichtungen zwischen der Adlon-Familie, der Kempinski AG und Fundus."

Die Klage gegen die Verwendung des Namens Adlon stammt vom 8. Dezember des Vorjahres. Im Streit um Heiligendamm hat die Fundus-Gruppe ihrerseits rechtliche Schritte gegen Kempinski angekündigt.

abl/dpa



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