EU-Parlament Bahnkunden bekommen bei Verspätung Geld zurück

Jetzt hat auch das Europaparlament zugestimmt. Bei Verspätungen sollen Bahnkunden bis zur Hälfte des Ticketpreises erstattet bekommen. Die EU-Regel soll ab 2009 gelten, die Bundesregierung will sie schon im kommenden Jahr umsetzen.


Straßburg - Zu spät am Ziel angekommen? Bahnkunden sollen künftig europaweit ein Anrecht auf Entschädigungen für verspätete Fernzüge haben. Eine entsprechende Verordnung hat das Europaparlament heute verabschiedet. Danach werden Fahrgäste künftig 25 Prozent des Fahrpreises zurückerhalten, wenn ihr Zug mehr als 60 Minuten Verspätung hat. Bei Verspätungen von über zwei Stunden müssen die Bahnkonzerne die Hälfte des Ticket-Preises zurückerstatten. Deutschland will die neuen Vorschriften schon ab Mitte 2008 umsetzen.

Für Reisende in Deutschland bedeutet das eine Verbesserung, denn die Deutsche Bahn erstattet bislang maximal 20 Prozent des Fahrpreises, und das auch nur in Form von Gutscheinen. Dabei gilt der europaweite Anspruch für nationale und internationale Fernzüge, nicht aber für den regionalen Nahverkehr. Hier strebt die Bundesregierung eigene Regeln an. So sollen Bahnkunden künftig das Recht erhalten, bei Verspätung ihres Zuges kostenlos den nächsten Zug zu nehmen, auch wenn dieser eigentlich teurer wäre. Eine finanzielle Entschädigung ist hierbei nicht geplant.

Die Neuregelung verpflichtet außerdem die Eisenbahnunternehmen in der EU, ihre Schienennetze ab 2010 auch beim Personenverkehr für Konkurrenten aus anderen EU-Staaten zu öffnen. Der Text soll im Herbst 2009 in Kraft treten. Auf Drängen des Ministerrats wurde den Mitgliedsstaaten aber das Recht eingeräumt, einen Aufschub um maximal 15 Jahre zu beantragen. Nach Darstellung deutscher Europa-Abgeordneter wurde diese Regel vor allem mit Rücksicht auf die osteuropäischen Staaten erlassen, auf deren veralteten Bahnstrecken Verspätungen kaum zu vermeiden seien.

Das sogenannte Dritte Eisenbahnpaket der EU, auf das sich Europaparlament und Ministerrat nach langen Verhandlungen geeinigt haben, vollendet auch die Marktöffnung im Bahnverkehr. Die Eisenbahngesellschaften werden verpflichtet, ihre Schienen-Infrastruktur für den grenzüberschreitenden Passagierverkehr zu öffnen, wie dies bereits beim Gütertransport der Fall ist. Vorgesehen ist ferner ein EU-weit gültiger Lokführerschein. Damit sollen einheitliche Standards bei der Ausbildung von Lokführern sichergestellt werden.

abl/AFP/AP



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