EU zu Lockangeboten Airlines dürfen nur mit Endpreis werben

Ein London-Flug für 99 Cent? Zukünftig dürfen Fluglinien nicht mehr mit ihrem Grundpreis werben. Das EU-Parlament hat eine Verordnung verabschiedet, nach der auch Steuern, Gebühren, ebenso alle sonstigen Zuschläge in der Werbung angegeben werden müssen.


Straßburg - Fluggesellschaften müssen in der EU künftig sämtliche Kosten für ein Ticket offenlegen. Das Europäische Parlament verabschiedete am Mittwoch in Straßburg eine Verordnung, die unvollständige Preisauskünfte verhindern soll.

Die Airlines können demnach in Europa nicht mehr mit einem Flugpreis von wenigen Euro werben, ohne die zusätzlichen Kosten wie Steuern, Flughafengebühren oder andere Aufschläge anzugeben. Bisher werden die Verbraucher beim Buchen oft überrascht, dass der Preis viel höher ist, als in der Werbung angegeben.

"Fliegen Sie zum Nulltarif": Germanwings erklärt erst im Kleingedruckten, was der Kunde zu zahlen hat.

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"Der zu zahlende Endpreis ist stets auszuweisen und muss den anwendbaren Flugpreis ... sowie alle anwendbaren Steuern und Gebühren, Zuschläge und Entgelte, die unvermeidbar und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorhersehbar sind, einschließen", heißt es im EU-Verordnungstext.

In Deutschland ist dies längst geltende Rechtslage, sagt Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zu SPIEGEL ONLINE. Laut der Preisangabenverordnung müsse in der Werbung ebenfalls der Endpreis angegeben werden. Die Praxis sieht allerdings - auch in Deutschland - oft noch anders aus.

In der EU-Verordnung heißt es weiter: Uber "fakultative Zusatzkosten", also etwa Gebühren für die Beförderung von Gepäckstücken, muss schon "zu Beginn jedes Buchungsvorgangs" informiert werden. Gedacht ist dabei offenbar an die Praxis einiger Billigflieger, nur noch die Beförderung von Handgepäck in den Ticketpreis einzuschließen und für jedes weitere Gepäckstück einen Aufschlag zu verlangen.

Damit solche Zusatzkosten den Verbrauchern nicht untergejubelt werden, verbietet die Verordnung den Fluggesellschaften auch, in den Online-Buchungsformularen vorab Häkchen neben optionale Leistungen zu setzen in der Hoffnung, dass der Kunde es nicht merkt. Nach den neuen Vorschriften muss der Buchungsvorgang so gestaltet sein, dass die Kunden Zusatzleistungen aktiv bestellen und nicht abwählen müssen.

Die Neuregelung gilt für Airlines, die ihren Sitz in der EU haben. Fluggesellschaften aus Dritt-Staaten sind davon nicht betroffen. Die Verordnung muss nun noch formal vom Rat abgesegnet werden, was in Kürze geschehen dürfte, und tritt in Kraft, sobald sie im EU-Amtsblatt veröffentlicht wird, voraussichtlich Mitte August.

Skandinavische Länder veröffentlichten säumige Airlines

Im Mai hatte die EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva eine Untersuchung veröffentlicht, in der Web-Seiten von Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern und andere Buchungs-Web-Seiten in Europa überprüft wurden.

Die Verbraucherschützer fanden Verstöße auf 137 der 386 Websites. Das größte Problem (58 Prozent) waren irreführende Preisangaben. Zudem fanden sich auf fast der Hälfte der Seiten (49 Prozent) Vertragsbedingungen, die den Kunden benachteiligten, wie es weiter hieß. In fast jedem siebten Fall (15 Prozent) sei der angebotene Flug nicht verfügbar gewesen.

Deutschland war nicht dabei, da die Behörden schon im Alleingang Web-Seiten von Fluggesellschaften unter die Lupe genommen hatten, wie die Kommissarin erläuterte. Norwegen, Schweden und auch Dänemark haben im Internet Listen mit Web-Seiten der betreffenden Gesellschaften veröffentlicht.

abl/AFP/dpa/AP/Reuters



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