Eurostar Raser auf dem Öko-Trip

Schneller, bequemer und grüner: Der Eurostar rast dem Flugzeug auf den Verbindung zwischen den Innenstädten von London und Paris davon. Nur gut zwei Stunden dauerte die Premierenfahrt, und öko gibt sich der Highspeed-Zug nicht nur im CO2-Ausstoß, sondern auch im Bistro.

Über den Wolken mag es schöner sein, doch zwischen Paris und London wird das Reisen mit der Eisenbahn zur beinahe unschlagbaren Alternative: Mit der Eröffnung der britischen Hochgeschwindigkeitsstrecke "High-Speed 1" befahren die blau-gelben Züge die Strecke zwischen den Kapitalen mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 km/h - die Reise schrumpft um 20 Minuten zum Katzensprung von nur noch 2:15 Stunden.

"Psychologisch ist damit eine wichtige Schwelle erreicht", sagt Guillaume Pepy, der französische Präsident des Eurostar, zumal beim Versuchslauf der Fahrplan noch um 13 Minuten unterschritten wurde. "Paris und London gehören damit zum Club der 'Zwei-Stunden-Metropolen', Städten wie Lyon oder Straßburg, die damit für Geschäftsleute wie für Touristen dichter zusammenrücken."

Die neue gefühlte Nähe wird möglich, weil die Lokomotiven der Firma Alstom nun auch auf der britischen Seite endlich mit "voller Kraft" fahren können - nur im Tunnel bleibt die Geschwindigkeit auf etwa 160 km/h beschränkt. Dazu wurde zwischen London und der Küste bei Folkestone auf 109 Kilometern das alte Schienennetz zur Hochgeschwindigkeitsstrecke umgerüstet; in der Grafschaft Kent entstand ein neuer Eurostar-Bahnhof. Kernstück der Investition ist jedoch ein 30-Kilometer-Tunnel, mit dem das gesamte Vorortgebiet zwischen Themse und dem Stadtkern von London unterquert wurde. Kostenpunkt der umweltfreundlichen Verkehrsverbindung: 5,3 Milliarden Pfund.

"Forget Waterloo"

Ein wichtiges Element der Annäherung ist der Anschluss an den Londoner Bahnhof St. Pancras; bislang endete der Eurostar im Bahnhof Waterloo auf der Südseite der Themse. Der neue Knotenpunkt im Norden der Stadt verfügt hingegen über direkten Anschluss an sieben U-Bahn-Linien und liegt direkt neben den beiden Bahnhäfen Kings-Cross und Euston - zeitraubendes Umsteigen entfällt. "Damit erschließt sich für die Reisenden der gesamte Norden Großbritanniens", betont Pepy. "Unser Werbeslogan heißt daher: 'Forget Waterloo'."

Der ehrwürdige St.-Pancras-Bahnhof wurde dafür völlig renoviert, Kostenpunkt 400 Millionen Pfund. Das viktorianische Ziegelbauwerk, dessen Erdgeschoss früher die mächtigen Tanks britischer Bierbrauer beherbergte, überspannt jetzt ein transparentes Glasgewölbe. Und weil die Bahnsteige für die 350 Meter langen Züge verlängert werden mussten, wurde der historische Baukörper, gegenüber von der British Library, um einen modernen Anbau erweitert.

Die Investitionen dürften sich lohnen, denn mit dem Anschluss der 492-Kilometer-Strecke des Eurostar wird ein Verbund mit dem Hochgeschwindigkeitsnetz von ICE, TGV und Thalys geschaffen und die Anbindungen an die Städte Brüssel und Lille verbessert. "Wir erhoffen uns einen Zuwachs des Geschäftsaufkommens um zehn Prozent im nächsten Jahr und um 25 Prozent bis 2010", sagt Eurostar-Präsident Pepy. Ein Fahrplan mit dichten, halb- oder einstündigen Abfahrtzeiten, soll vor allem weitere Geschäftskunden locken, die derzeit etwa ein Drittel der Reisenden ausmachen.

Bioessen an Bord

Die gestaffelte Preisstruktur, mit Preisen ab 70 Euro (Hin- und Rückfahrt), zielt hingegen auf Jugendliche und Touristen, die außerhalb der Stoßzeiten zwischen London und Paris pendeln wollen. Damit kommt Eurostar für die täglich rund 15 Züge, auf eine Auslastung von 70 Prozent. Und trotz der verlockenden Angebote von Billig-Fluglinien wie Ryanair oder EasyJet, befördert der Eurostar fast 70 Prozent des Passagieraufkommens.

"Natürlich hat auch das Flugzeug noch Bedeutung für den Personenverkehr", sagt Eurostar-Präsident Pepy und meint damit vor allem jene Reisende, die von den Flughäfen Charles-de-Gaulles oder Heathrow zu internationalen Destinationen aufbrechen. Neben dem Komfort seiner Züge unterstreicht der Franzose jedoch die Umweltverträglichkeit des Eurostar im Vergleich zum Flugzeug: "Wir transportieren mit einem Zug 750 Menschen, was etwa zwei Boeing 757 entspricht. Unsere CO2-Belastung erreicht aber nur ein Bruchteil der Jets."

Mit seinem Programm "Grüne Reise" hat sich Eurostar gar noch höhere Ziele gesteckt. Bis 2012 sollen die CO2-Ausstöße um weitere 25 Prozent gesenkt werden. Damit das Engagement für die Umwelt schon vorher sichtbar ist, wird an Bord des Eurostar ab 14. November nur noch Essen aus biologischem Anbau serviert. Wein und Limonade inklusive.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.