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08. Januar 2016, 15:59 Uhr

Lufthansa-Tochter

Eurowings kämpft mit erheblichen Verspätungen

Jeder dritte Flug war zuletzt verspätet - und das um durchschnittlich acht Stunden. Auf der Langstrecke hat Eurowings laut einer Pünktlichkeitsanalyse ein massives Problem. Die Airline gibt Krankmeldungen und starke Winde als Gründe an.

"Delayed" steht allzu oft auf der Anzeigetafel: Bei der neuen Airline Eurowings kommt es häufig zu großen Verspätungen. Im November und Dezember 2015 haben sich 31 der insgesamt 126 Langstreckenflüge um mehr als 60 Minuten verspätet, zeigen Zahlen des Dienstleisters Fairplane, der sich auf die Durchsetzung von Fluggastrechten spezialisiert hat. Vom 26. Dezember 2015 bis 5. Januar 2016 waren demnach 18 der 48 Flüge auf der Langstrecke verspätet, also 37,5 Prozent aller Flüge - und zwar im Schnitt um acht Stunden.

"Das ist massiv überdurchschnittlich", sagt Andreas Sernetz, Geschäftsführer von Fairplane. Gewöhnlich gelte eine Fluggesellschaft schon als unpünktlich, wenn vier Prozent aller Verspätungen mehr als eine Stunde betragen, erklärt der Experte.

Besonders hart traf es Reisende, die an einem Termin im Dezember mit Eurowings von Köln nach Kuba geflogen sind. Sie kamen offenbar 50 Stunden später als geplant an. "Die größte Fehlleistung von Eurowings", urteilt Ronald Schmid, Unternehmenssprecher von Fairplane, in einem Interview mit der "Welt".

"Reparaturen und starke Winde"

Eurowings-Pressesprecher Heinz Joachim Schöttes zufolge ist es richtig, dass es Verspätungen gegeben hat. "Aber nicht in dem Maße." Er spricht von sieben Prozent Verspätungen von mehr als fünf Stunden, bezeichnet aber auch das als "sehr ärgerlich." Warum Fairplane andere Zahlen herausgibt, ist nicht ganz klar. "Vermutlich wurden dort die Verbindungen von TUIfly ausgeklammert, die ebenfalls zu Eurowings zählen."

Als Gründe für die Unpünktlichkeit nennt Schöttes kurzfristige Krankmeldungen, außerplanmäßige Reparaturen und starke Winde über dem Atlantik, die im Herbst und Winter häufig seien. Man habe eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Situation zu verbessern. "Wir werden nun mehr Maschinen einplanen, um mehr Reserven zu haben", sagt Schöttes.

Laut Fairplane liegt das Problem darin, dass Eurowings zu wenige Maschinen und Crews einsetzt. Tritt irgendwo eine Störung auf, verspäteten sich auch alle Folgeflüge, so Sernetz. "Ärgerlich für den Kunden ist zudem, dass sich die Eurowings zwar als Billigairline vermarktet, aber mit dem guten Namen der Muttergesellschaft Lufthansa wirbt, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen", sagt Ronald Schmid. Wer so handele, müsse sich auch an den Lufthansa-Standards messen lassen.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings überträgt das Konzept des Billigfliegers auf die Langstrecke. Ziele auf der Fernstrecke sind derzeit Bangkok, Phuket, Dubai, Varadero auf Kuba sowie Puerto Plata und Punta Cana in der Dominikanischen Republik. Ab dem Sommer werden auch Mauritius, Las Vegas, Miami und Boston angeflogen.

Flugreisende haben gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung in der Regel einen Anspruch auf Entschädigung, wenn sich ihr Flug um mehr als drei Stunden verspätet, oder wenn er annulliert wird. Die Höhe der Ausgleichszahlung beträgt je nach Flugdistanz 250, 400 oder 600 Euro.

Angesichts der Verspätungen, die es bei Eurowings seit der Aufnahme des Betriebs im November gegeben hat, dürften sich die Ansprüche der Passagiere bereits zu einer recht hohen Summe addiert haben. "Wir schätzen die Gesamtsumme an möglichen Ausgleichszahlungen gemäß der Fluggastrechteverordnung auf vier Millionen Euro, und das nach nur zwei Monaten Flugbetrieb", sagt Fairplane-Sprecher Schmid.

jus/dpa

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