Expo-Eröffnung Mammutschau mit Mammut

In der japanischen Provinz Aichi hat die erste Weltausstellung des 21. Jahrhunderts begonnen. Das Spektakel nahe der Metropole Nagoya schwankt zwischen Weltoffenheit und Provinzialität: Englisch sprechende Mitarbeiter etwa sind eine Rarität.


Gefrorenes Mammut auf der Expo: Auf minus 15 Grad gekühlt
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Gefrorenes Mammut auf der Expo: Auf minus 15 Grad gekühlt

Nagoya - Die Weltausstellung Expo hat unter dem Motto "Weisheit der Natur" ("Nature's Wisdom") heute ihre Tore in der japanischen Provinz Aichi für die Besucher geöffnet. Die Welt sei eingeladen, von der Natur zu lernen und im Einklang mit ihr zu leben, lautete die Botschaft der Eröffnungsfeier am Donnerstag, an der auch das japanische Kaiserpaar und Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai teilnahmen.

Bereits am ersten Tag drängten bis Mittag rund 30.000 zumeist japanische Besucher auf das aus dem Boden gestampfte Ausstellungsgelände östlich von Nagoya. Westliche Besucher wurden zwar wie alle von Heerscharen von Mitarbeitern zuvorkommend mit "konnichi-wa" begrüßt. Fremdsprachler allerdings dürften ansonsten Schwierigkeiten haben, sich auf dem Gelände zu orientieren: Englische Übersetzungen finden sich auf der Expo nur sparsam, englisch sprechende Mitarbeiter sind die Ausnahme.

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Expo-Eröffnung: Riesige Mammuts und winzige Roboter

Gleichwohl bieten die Pavillons manche Attraktion. Star der Expo 2005 ist ein 18.000 Jahre altes Mammut aus Sibirien, dessen Reste auf minus 15 Grad gekühlt und hinter einer Glasscheibe für jeden Besucher, der die lange Wartezeit übersteht, zu sehen sind. Allerdings nicht lange. Denn höhenversetzt schweben die Expo-Gäste auf zwei Rollbändern nonstop an dem Kopf inklusive Stoßzähnen und einem teilweise noch mit Fell bedeckten Bein vorbei.

Expo-Gelände bei Nagoya: Mischung aus Selbstkritik und Fortschrittsglaube
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Expo-Gelände bei Nagoya: Mischung aus Selbstkritik und Fortschrittsglaube

Ganz modern zeigt sich der deutsche Pavillon mit dem Thema Bionik, der Lehre von der technischen Anwendung natürlicher Prinzipien. Dort können die Besucher im "Experience Drop", in tropfenförmigen Kabinen, eine Fahrt durch Meere, Luft und Landschaften antreten und erfahren, welche Geheimtipps die Natur für den Menschen bereit hält. In einem zweiten Teil präsentieren sich deutsche Firmen und Hochschulen mit ihren Entwicklungen. Sogar das offizielle Handbuch der Expo lobt die deutsche Präsentation als Erlebnis wie in einem Vergnügungspark.

Mit einer Mischung aus Selbstkritik und Fortschrittsglaube präsentiert sich Gastgeber Japan. In der Selbstdarstellung nimmt Japan sein Wirtschaftswachstum vergangener Jahre mit Blick auf die Belastung der Umwelt unter die Lupe. Zugleich aber kündet Nippons Pavillon von einer neuen Zeit, in der die Nation im Einklang mit der Natur leben wird. Japanische Technikverliebtheit erlebt der Expo-Besucher bei der Begegnung mit zahlreichen Robotern.

Diese hatten bereits bei der Eröffnung die Gäste tanzend, Trompete spielend und sogar Treppen steigend begeistert. Daneben faszinierte bei der Gala vor allem das japanische Kaiserpaar und der Kronprinz. Zwei Stunden nahm sich der gewöhnlich streng abgeschirmte japanische Tenno Akihito Zeit für die Öffentlichkeit, ergriff bei der Eröffnung das Wort und scherzte sogar mit Kindern auf der Bühne.

Die Expo 2005 bei Nagoya ist bis 25. September geöffnet.

Susanne Rochholz, ddp



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