Expo-Kalkulation "Belogen und betrogen"

Nach der millionenschweren Rettungsaktion benötigt die Expo-Gesellschaft nach eigener Einschätzung keine weiteren Finanzspritzen mehr - solange die erhofften sieben Millionen Besucher für die zweite Hälfte auch tatsächlich nach Hannover kommen.


Hannover - "Das ist die untere angenommene Besucherlinie", sagte Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk in Hannover. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass weniger kommen." Auch in den ersten zweieinhalb Monaten der Expo waren sieben Millionen Menschen gekommen. Inzwischen hat der Besucherzustrom aber deutlich angezogen.

Mit mindestens sieben Millionen Besuchern kalkuliert die Expo für die zweite Halbzeit
AP

Mit mindestens sieben Millionen Besuchern kalkuliert die Expo für die zweite Halbzeit

Die Expo-Gesellschaft bliebe damit im Rahmen des Defizits von 2,4 Milliarden Mark, das am Freitag bekannt geworden war. Die Hauptgesellschafter Bund und Land hatten daraufhin kurzfristig zusammen 860 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, um eine drohende Zahlungsunfähigkeit der Expo zu verhindern.

Der Bund ist nach Angaben von Grünen-Haushaltssprecher Oswald Metzger zu keinen weiteren finanziellen Zugeständnissen bereit. Das jetzt vom Expo-Management festgestellte Defizit von bis zu 2,4 Milliarden Mark "muss das letzte Wort sein", sagte Metzger.

"Unsere Gesellschafter waren laufend über unsere finanzielle Situation informiert", sagte Volk. Wegen der Urlaubszeit hätten sich Expo-Geschäftsführung und Vertreter von Bund und Land erst nach der Halbzeitbilanz am vergangenen Mittwoch zum endgültigen Kassensturz zusammengesetzt.

"Wir hatten immer noch gehofft, dass es von Mitte Juli an eine noch stärkere Belebung bei den Besucherzahlen geben würde", so Volk. Trotz eines positiven Trends in den vergangenen Wochen seien die Besucherzahlen jedoch "in einem Ausmaß zurückgeblieben, wie es keiner jemals erwarten konnte".

Angesichts des Milliarden-Defizits der Expo hat der Bund der Steuerzahler die Expo-Führung scharf kritisiert. Die Expo sei "die größte Fehlkalkulation in der deutschen Geschichte", sagte Bernhard Zentgraf, Vorsitzender des niedersächsischen Bundes der Steuerzahler, dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Die Expo-Manager haben die Steuerzahler mit falschen Zahlen belogen und betrogen."



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