Expo-Kritik Der Sombrero bleibt im Schrank

Ein bisschen Siesta, ein Schlückchen Tequila - fertig ist das Abziehbild des größten mittelamerikanischen Landes. Nicht "Mexikanistisches, sondern Mexikanisches" will der Expo-Pavillon zeigen. Das ist gelungen.

Von Petra Nölkensmeier


"Wenn Ihnen schwindlig wird, machen Sie einfach die Augen zu." Auch wenn die Warnung der Hostess ein bisschen übertrieben sein mag, der Film, mit dem der Zuschauer im mexikanischen Pavillon mehrdimensional über Pyramiden und Plätze sausen kann, erreicht wirklich enorme Geschwindigkeit. So ungefähr sah Mexiko-Stadt zur Zeit der Azteken aus, es folgt die Zeit der spanischen Kolonialherren und die Metropole heute.

Zeichen für die Zukunft: Auch der New Beetle ist im Pavillon Mexikos zu finden
DPA

Zeichen für die Zukunft: Auch der New Beetle ist im Pavillon Mexikos zu finden

Schon zu Beginn ihrer Präsentation gelingt es den Mexikanern, die Möglichkeiten der modernen Technik originell und aufschlussreich zu nutzen - Bezeichnungen, die auf den gesamten Pavillon zutreffen. Einen Teil des Bauwerks will denn auch die Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste nach der Weltausstellung abbauen und für ihre Zwecke nutzen. Bis ins Detail ist die Präsentation durchdacht: Sogar die Piktogramme, die Aufschluss über die Standorte der Feuerlöscher geben, sehen einfach chic aus.

Transparenz und Geometrie bestimmen die Architektur. Ein großer, gläserner Kubus macht den Anfang, im Laufe der Ausstellung passiert der Besucher mehrere kleinere Ausführungen davon. Der Weg führt immer wieder ins Freie, wo Innenhöfe auf die bestimmenden Naturgewalten Mexikos verweisen - wie das Meer oder die Wüste. Mal trifft man auch auf kunterbunte Autos: Der VW Beetle als Beweis der wirtschaftlichen Attraktivität des Landes.

Zunächst zeigt die Ausstellung jedoch Geschichtliches - getrau dem Motto "Mexiko - Werk der Jahrtausende". Eine wichtige Rolle spielt die Vermischung der Kulturen: der indianischen und der spanischen. Eine aztekische Fledermaus-Gestalt steht direkt neben einer frommen Mariendarstellung. Ein steinernes Kreuz zeigt deshalb nur den Kopf einer Christus-Figur, weil die Indianer nicht an einen toten, am Kreuz hängenden Gott glauben wollten.

Klare Formen: der mexikanische Pavillon
AP

Klare Formen: der mexikanische Pavillon

Und so erfährt der Besucher einiges über Land und Leute - ohne dass Tequila- oder Sombrero-Klischees gepflegt werden. Ins Touristische gleitet die Präsentation an keiner Stelle ab. Vielmehr stellt sich Mexiko als ebenso traditionsreich wie modern vor.

Rund 15 Millionen Dollar haben die Mexikaner in ihren Pavillon gesteckt, der nach eigener Auskunft "Teil eines strategischen Projekts" sein soll: Weniger als verlockendes Reiseziel denn als Handelspartner will sich das Land ins rechte Licht rücken. Und zwar in einem Jahr, in dem ein wichtiges Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union in Kraft tritt. Die erhoffte Visitenkarte ist Mexiko mit seinem Expo-Auftritt geglückt.

Zu guter Letzt werden im Pavillon auch kulinarische Wünsche erfüllt. Das Restaurant "La Valentina" kredenzt Spezialitäten der heimischen Küche. Und es gehört wohl zu den wenigen Orten auf der Weltausstellung, an denen zu später Stunde auf den Tischen getanzt wird.

Bewertung:
Note: 1-
Prädikat: Mexiko modern
Verweildauer: 30 Minuten
Erholungswert: oft lange Warteschlangen, aber am Ende des Pavillons ein schönes Restaurant


Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer



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