Expo-Kritik Tempelträume aus Bhutan

Farbenfroh, authentisch und mit viel Liebe zum Detail präsentiert sich das Königreich Bhutan bei seiner Expo-Premiere. Der handgeschnitzte Tempel des kleinen Landes bietet eine willkommene Abwechslung zur allgegenwärtigen Hektik.
Von Alexander Stirn

Die Mönche aus Bhutan kann so schnell nichts erschüttern. Erst recht keine Expo: Meditierend sitzen sie in wallenden roten Gewändern vor dem prächtigen Pavillon Bhutans - unbeeindruckt von den schreienden Kinder und fotografierenden Besuchern.

Das kleine Himalaya-Königreich, trotz des Fortschritts der vergangenen Jahre noch immer ein armes Land, hat in Hannover keine Mühen gescheut und einen eigenen Pavillon aufgebaut: Der Lhakhang, ein buddhistischer Tempel, gehört zu einem der Höhepunkte auf der Expo - sowohl was Architektur als auch was Ruhe und Besinnlichkeit angeht.

Monatelang haben Zimmerleute und Künstler in Bhutan an den tausenden von Einzelteilen geschnitzt, aus denen der Tempel besteht. Zusammengesetzt wurde das Kunstwerk dann in Hannover - von 14 bhutanischen Handwerkern.

Im Wind flatternde Gebetsfahnen und eine mannshohe Gebetsmühle empfangen die Besucher des Tempels. Schon der erste Raum des filigranen Gebäudes macht deutlich, dass es Bhutan vor allem um eines geht: eine entspannte Atmosphäre zu vermitteln. Über einen hellen Steinfußboden führt der Weg an eindrucksvollen Bildern des Landes vorbei - untermalt von zwitschernden Vögeln.

In den Nischen eines hellen, zu einer Seite offenen Ganges werden Szenen aus dem Leben im Himalaya-Staat gezeigt. Ein Schlafzimmer, ein Bauernhof, ein Wohnraum. An allen Ecken wird deutlich: Bhutan hat sich mit seiner Expo-Präsentation viel Mühe gegeben. Die Liebe zum Detail ist unverkennbar, die Szenen sind schön ausgeschmückt ohne gleich überladen zu wirken. Dazu gibt es kleine, leider zu kleine Infotafeln, die über Sitten und Lebensumstände aufklären sollen.

An Bildern des Fotografen Harald N. Nestroy vorbei, die Impressionen der Menschen und der Landschaften des kleinen Königreichs vermitteln, führt der Weg zu farbenfrohen Thangkas. Die aufwendig gestalteten Andachtsbilder haben die Macher des Pavillons sicherheitshalber hinter Glas gepackt.

Auch die traditionelle Medizin findet ihren Platz: In einer Nische haben die Bhutaner jede Menge Blätter, Wurzeln und Samen ausgestellt - leider in gläsernen Schaukästen. Die Heilmitteln auch mit der Nase zu erkunden, wird so unmöglich

Daneben wartet Bhutan mit dem vielleicht kleinsten, mit Sicherheit aber am vollsten gepackten Souvenirshop auf. Auf wenigen Quadratmetern werden die Waren bis unter die Decke gestapelt. Die angebotenen Erinnerungsstücke sind exklusiv, die Preise dementsprechend hoch. Doch Feilschen ist erlaubt.

Mit Abstand am farbenprächtigsten ist das eigentliche Heiligtum des Tempels ausgefallen. Rund um eine Buddhastatue haben die Bhutaner die Wände mit Stoff und unzähligen Exponaten verziert. Die Arbeit und die Liebe, die in den Raum gesteckt wurden, ist allerorten zu spüren. Nur das Parkettlaminat, über das die Besucher wandeln, stört etwas.

Bhutan kommt bei seinem ersten Expo-Auftritt ganz ohne aufwendig gestaltete Multimedia-Spielereien aus. Und das ist gut so. Denn auch wenn das Königreich seit Anfang vergangenen Jahres einen eigenen TV-Sender hat: Flimmernde Monitore würden einen großen Teil der Authentizität des Tempels zerstören - und genau die zeichnet den Expo-Auftritt Bhutans aus.

Bewertung:
Note: 2+
Prädikat: farbenfroh
Verweildauer: bis zu 30 Minuten
Erholungswert: Ruhe und Gelassenheit bekommen Besucher garantiert vermittelt


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