Expo-Kritik Von Plastikplanen und Papierpalästen

Japans Beitrag erregte schon vor Beginn der Weltausstellung die Gemüter - unter anderem die der niedersächsischen Behörden. Doch auch deren Sicherheitsbedenken konnten nicht verhindern, dass der japanische Pavillon eines der spektakulärsten Bauwerke der Expo geworden ist.

Von Petra Nölkensmeier


Einen Oh- und Ah-Effekt löst der japanische Pavillon aus, wenn Besucher vom Eingangsbereich in das Innere treten. Andernorts macht sich gerade in diesem Moment eine gewisse Enttäuschung breit, gefolgt von der Erkenntnis, dass die Länge der Warteschlange nicht unbedingt mit der tatsächlichen

Architektonische Glanzleistung: Besonders bei Nacht zeigt der japanische Pavillon, was in ihm steckt
DPA

Architektonische Glanzleistung: Besonders bei Nacht zeigt der japanische Pavillon, was in ihm steckt

Attraktivität eines Pavillons in Einklang stehen muss. Nicht so beim japanischen Beitrag, der für geduldiges Ausharren mehr als entschädigt. Als ästhetischer Hochgenuss zieht er nicht nur Architekturexperten in seinen Bann.

Am Anfang war eine einfache Pappröhre: Schon seit Jahren experimentiert der japanische Architekt Shigeru Ban mit dem vergänglichen Baumaterial, das sich widerstandsfähiger zeigt als von vielen erwartet. Die Notunterkünfte, die Ban nach dem Erdbeben in Kobe für Obdachlose baute, stehen noch heute.

Für die Expo plante der 42-Jährige eine einzigartige Konstruktion. Ein Gebäude ganz aus Papier wollte er auf das Hannoveraner Messegelände stellen, überspannt mit einem Geflecht aus Pappröhren, diese wiederum überzogen mit einer wasserabweisenden Papierhaut.

Endlich einmal andere Schlagzeilen als die über Finanzlöcher und Management-Fehler, dachten wohl auch die Expo-Macher und rühmten sich der zu erwartenden Weltneuheit. Verfrüht. Denn noch vor dem Bau kamen die DIN-Normen und damit die Einschränkungen. Jetzt ist die Papierhaut von einer Folie aus PVC, also einer Plastikplane, überdeckt.

Lichtdurchflutet: Japans Papierkonstruktion erzeugt eine ganz besondere Lichtstimmung
DPA

Lichtdurchflutet: Japans Papierkonstruktion erzeugt eine ganz besondere Lichtstimmung

Wer von einer Seilbahn-Gondel aus das Expo-Gelände betrachtet, wird angesichts des eckig-grauen Gewimmels von Messehallen seinen Blick gerne auf dem elegant geschwungenen, weißen Kuppeldach ruhen lassen. Im Inneren erwarten den Besucher zwei Stockwerke. Vor allem das obere lässt viel Raum, um das einfallende Licht wirken zu lassen.

Bevor im unteren Teil zahlreiche Info-Bildschirme bewältigt werden müssen, bleibt hier Platz zum Sehen und Staunen - und zum Mitspielen. Denn im Inneren des Terra Dome, einer großen grünen Kugel, fordert das Mutterland des Computergames zu nichts weniger als der Weltrettung auf.

Vor allem Schüler, die mit dem Genre wohl am ehesten vertraut sind, scharen sich um einen Metalltisch mit aufblinkenden Buttons. Nur wenn diese rechtzeitig gedrückt werden und alle Mitspieler wirklich zusammenarbeiten, kann die weltweite Erwärmung und damit die Katastrophe abgewendet werden.

Wie kann die Umwelt aber tatsächlich gerettet werden? Auf diese Frage geben die ebenerdigen, so genannten Islands Auskunft. Sechs an der Zahl, erläutern sie zum Beispiel, wie im täglichen Leben CO2 eingespart oder wie natürliche Energiequellen genutzt werden können.

Was rasch zu einer Belehrung mit garantierter Ermüdung führen könnte, wird abwechslungsreich in Szene gesetzt. Immer wenn der Besucher aus einer der abgedunkelten Islands wieder ins Helle tritt, wartet auf dem Weg zum nächsten Eiland eine neue Präsentation - vom "Future World Scanner" bis zu einem Suchsystem für Briefmarken mit Umweltmotiven.

Und so gibt der Pavillon seinen Besuchern den beruhigenden Gedanken mit, endlich mal wieder etwas über Umweltschutz erfahren zu haben, ohne dabei tödliche Langeweile empfunden zu haben. Auch der Pavillon selber ist ein gelungener Beitrag zum Recycling. Seine Überreste können nach Ende der Expo quasi in den Altpapiercontainer gesteckt werden - bis auf die Plastikplane.

Bewertung:
Note: 1
Prädikat: ein Muss
Verweildauer: 45 Minuten
Erholungswert: eher gering; als Sitzgelegenheit stehen Holzbänke bereit


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