"Expo-Night-Special" Zum Geburtstag einen Preisnachlass

Es geht also doch: Hat die Expo-Gesellschaft vor einigen Tagen Änderungen bei den Eintrittspreisen noch weit von sich gewiesen, so kommt nun die erste Preissenkung. Zunächst einmal drei Wochen lang dürfen Expo-Besucher ab 19 Uhr für zehn Mark aufs Gelände.


Nachts auf der Expo: der Planet-M von Bertelsmann
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Nachts auf der Expo: der Planet-M von Bertelsmann

Hannover - Bei den Organistoren der Weltausstellung ist Bescheidenheit eingekehrt. Oder Betriebsblindheit: "Sehr zufrieden" sei er mit den Besucherzahlen während des Pfingswochenendes, meint Expo-Geschäftsführer Reinhard Volk. Rund 200.000 Gäste hätten das Gelände besucht - dummerweise nicht an einem, sondern verteilt über drei Tage.

Nach Abzug der Akkreditierungen, die Volk bescheiden mit 10.000 abgibt, haben sich demnach durchschnittlich 60.000 Touristen pro Tag auf dem 170 Hektar großen Gelände verirrt. Um ihr angestrebtes Budget einhalten zu können, brauchen die Organistoren der Weltausstellung allerdings einen Tagesschnitt von rund 260.000 Besuchern. Volk sieht dennoch keinen Grund, sich Sorgen zu machen: "Wir können deshalb damit zufrieden sein, weil wir zufrieden sind." So viel zur Expo-Logik.

Anscheinend hat sich aber auch bei den Verantwortlichen der Weltausstellung die Überzeugung durchgesetzt, dass sich allein mit Schönreden und der schieren Hoffnung auf mehr Besucher das Gelände nicht füllen lässt. Deshalb wird jetzt gehandelt: Ab Mittwoch kostet die Abendkarte statt bisher 24 Mark nur noch zehn Mark. Dafür heißt sie ab sofort "Expo-Night-Special".

Um zumindest vordergründig den Anschein zu erwecken, nicht bei den Eintrittspreisen eingeknickt zu sein, haben die Expo-Marketingstrategen auch gleich einen "Anlass" gefunden: Vor zehn Jahren, am 14. Juni 1990, habe Deutschland mit einer Stimme Vorsprung den Zuschlag für die Weltausstellung bekommen. Für Volk "ein guter Grund, ein bisschen zu feiern".

Gefeiert werden soll erst einmal bis einschließlich 2. Juli. Anschließend gelten, falls die Expo nicht wieder einen Geburtstag oder sonstigen Festtag entdeckt, wieder die normalen Preise. Passend zum "Expo-Night-Special" wollen, so Volk, auch die derzeit darbenden Expo-Gastronomen mit "Happy Hours" und ähnlichen Aktionen Gäste anlocken. Auch die Seilbahn und das Riesenrad überlegten, wie sie sich beteiligen könnten.

Das spezielle Abendticket gibt es nur an den Geländekassen. Spontanbesucher, die mit dem Auto anreisen, können zudem ab 18.30 Uhr kostenfrei am Expo-Gelände parken - was zunächst nur mit Reservierung und gegen eine Parkgebühr von 20 Mark möglich war.

Doch nicht alle werden sich über den neuen Abendtarif freuen: Hat die Expo-Gesellschaft bislang Preissenkungen immer mit dem Argument angelehnt, sie würden die Menschen benachteiligten, die bereits ein Ticket gekauft haben, gilt das nun offensichtlich nicht mehr. Denn in der Mitteilung zum "Expo-Night-Special" heißt es kurz und knapp: "Bereits gekaufte Eintrittskarten können nicht umgetauscht werden."

Alexander Stirn



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