Bahnreisen mit Fahrrad Platz da!

Fahrradfahren ist beliebt, gerade zu Pfingsten. Per Bahn mit dem Rad zu verreisen, ist jedoch oft mühsam und zeitraubend. Die besten Tipps.

Die Bahn und das Fahrrad: Manchmal mühsam
DPA

Die Bahn und das Fahrrad: Manchmal mühsam

Von


Mit der Bahn zum Radausflug in die blühenden Rapsfelder in der Holsteinischen Schweiz. Oder zur Mountainbike-Tour unter der Zugspitze. Die Vorstellung ist verlockend: entspannt am Startort ankommen, aufsteigen, losradeln.

Die Realität sieht häufig anders aus. Es beginnt damit, dass die schnellen ICE keine Fahrräder mitnehmen. Es bleiben nur die langsameren Alternativen vom IC abwärts. Zu Stoßzeiten wie Pfingsten kann es passieren, dass man mit dem Rad nicht einmal in die Nahverkehrszüge kommt. Hier kann nicht reserviert werden, es gilt das Recht des Stärkeren.

Viele Deutsche scheint das nicht zu schrecken: Die Bahn verkaufte im vergangenen Jahr über fünf Prozent mehr Fahrradtickets als im Vorjahr. Doch weitere Verbesserungen für Radfahrer seien notwendig, fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Gabi Bangel, Leiterin Tourismus beim ADFC Bundesverband, erklärt, woran es noch mangelt.

SPIEGEL ONLINE: Die Zugreise mit Rad bleibt oft mühsam - woran liegt es?

Bangel: Mühsam wird das Verreisen mit Fahrrad meist wegen fehlender Kapazitäten. Intercity-Verbindungen, auf denen Räder mitgenommen werden, gibt es immer weniger. Und auch wenn man im Fernverkehr einen Fahrradplatz reserviert hat, hat man keine Garantie, dass anschließend noch ein Platz im Nahverkehrszug frei ist. So kann es dazu kommen, dass man Stunden auf den nächsten Zug warten muss - wieder ohne Garantie, damit auch nach Hause zu kommen.

Daneben können verschiedene andere Probleme auftreten: nicht funktionierende Aufzüge an Bahnhöfen, geänderte Wagenreihungen, sodass man mit Rad und Gepäck schon mal den Bahnsteig entlangsprinten muss, um zum richtigen Waggon zu kommen. Überfüllte Fahrradabteile, die leider häufig auch von Passagieren ohne Fahrrad oder von Eltern mit Kinderwagen genutzt werden. Solche Dinge können die eigentlich tolle Verbindung von Fahrrad und Bahn anstrengend machen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Bundesländer, die in punkto Radtransport per Bahn weiter sind als der Rest?

Bangel: Im Regionalverkehr sind die Unterschiede gering. Allerdings gibt es eine verwirrende Tarifvielfalt, Kapazitätsprobleme in der Fahrradsaison und zum Teil eine unbequeme Einstiegssituation. Wir würden uns wünschen, dass eine Reise im regionalen Bahnverkehr ohne große Vorbereitung möglich ist. Grundsätzlich wäre uns ein möglichst einheitlicher Tarif am liebsten, damit man nicht ständig Preislisten studieren muss.

SPIEGEL ONLINE: Die Fahrradmitnahme ins Ausland ist oft noch schwieriger als in Deutschland - oder gibt es Vorbilder für die Deutsche Bahn?

Bangel: Vorbildlich sind die klassischen Radfahrländer Niederlande und Dänemark. Dort ist es sehr komfortabel möglich, ein Fahrrad mitzunehmen. In anderen Ländern gibt es gar keine oder weniger Kapazitäten für Fahrräder, dafür ist man dort eher bereit zu improvisieren. Grundsätzlich gilt es, sich vor der Reise gut zu informieren. Dann ist es - außer in Fernverkehrszügen - eigentlich überall möglich, ein Fahrrad im Zug zu transportieren.

SPIEGEL ONLINE: Was fordert der ADFC von den Bahnunternehmen?

Bangel: Der ADFC fordert, dass mittelfristig die Fahrradmitnahme möglichst ausnahmslos auch im Fernverkehr möglich ist. Das muss schon bei der Bestellung und Konstruktion neuer Züge mitgedacht werden. Die Transportkapazitäten müssen saisonalen Schwankungen angepasst werden können. Im Nahverkehr sollten für Radfahrer möglichst einfache und einheitliche Bedingungen gelten. Und die Infrastruktur an den Bahnhöfen muss für eine komfortable Reise auch mit beladenen Fahrrädern auslegt sein.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich in den vergangenen Jahren etwas verbessert?

Bangel: Nur lokal ist es besser geworden. Im Fernverkehr wurden dagegen viele Verbindungen mit Fahrradmitnahme gestrichen. Aber es gibt seit Längerem gute Gespräche mit der Deutschen Bahn. Die neuen ICX-Züge werden ab 2016 die Möglichkeit zur Fahrradmitnahme bieten, der ADFC konnte zu den Planungen beitragen. Wir haben die Hoffnung, dass sich die Situation, gerade im Fernverkehr, auf Dauer verbessert.

SPIEGEL ONLINE: Sind Fernbusse inzwischen eine echte Alternative?

Bangel: Ja, viele Fernbusse haben Platz für Fahrräder und sind daher eine echte Alternative für längere Strecken. Der ADFC ist sogar eine Kooperation mit MeinFernbus Flixbus eingegangen, ADFC-Mitglieder können ihr Rad kostenlos mitnehmen. Auch diese Konkurrenz wird hoffentlich zu einer Verbesserung bei der Deutschen Bahn führen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen guten Rat für Urlaubsplaner?

Bangel: Der wichtigste Tipp ist: eine gute Planung vorab, um Überraschungen zu vermeiden. In den Fernzügen kann man schon drei Monate vor der Reise reservieren. Beim Buchen empfiehlt es sich, möglichst Direktverbindungen zu wählen und bei der Recherche auf der Bahnseite die Funktion "Schnelle Verbindungen" zu deaktivieren, um keine unnötig teuren oder umständlichen Routen angezeigt zu bekommen. Eine Alternative sind auch Fahrradverleihe vor Ort. Mehr Tipps gibt der ADFC auf seiner Seite "Praxistipps".

Fahrradabteil im Regionalzug: Keine Reservierung möglich
DPA

Fahrradabteil im Regionalzug: Keine Reservierung möglich

Mehr Tipps und Links für Reisen mit Rad...

...innerhalb Deutschlands:

  • Bei der Deutschen Bahn ist die Mitnahme nicht in ICE-, sondern nur in IC-, EC- und Regionalzügen möglich. In Fernzügen muss und kann reserviert werden, im Regionalverkehr ist es zu Hochzeiten Glückssache, ob ein Platz für das Rad frei ist. Reservieren kann man dort nicht. Ein Radticket im Fernverkehr kostet 9 Euro, mit Bahncard 6 Euro, im Nahverkehr 5 Euro, im City-Night-Line 10 Euro.
  • Der Fernbus kann eine Bahn-Alternative sein - allerdings ist die Zahl der Plätze gering, und teilweise muss das Rad zerlegt und in einer Box verstaut werden. Das Vermittlungsportal Fernbusse.de zum Beispiel macht im Suchergebnis mit einem Radsymbol deutlich, ob ein Transport möglich ist. Ein Ticket kostet rund 10 Euro.
  • Mit etwas Vorlauf und einer Zieladresse kann ein Versand bequem sein. Das Rad muss allerdings nach Vorgaben des Dienstleisters verpackt werden: Pedale abmontieren, Lenker querstellen, im Karton verpacken. Beispiele innerhalb Deutschlands: Deutsche Bahn ab 25,50, DHL und DPD iloxx 49,90 Euro, Hermes 39,99 Euro.

...ins europäische Ausland:

  • Wer etwa durch die Provence oder über die Masurische Seenplatte radeln und mit Rad per Bahn anreisen will, den erwartet vor dem Urlaub eine umfangreiche Recherche. In vielen europäischen Ländern gelten Benutzungsbeschränkungen, Reservierungen sind oft nicht möglich - auch nicht für die Heimreise. Hilfreich ist die Webseite des Magazins "Verträglich reisen", die für europäische Länder auch Tipps und viele weiterführende Links zur Fahrradmitnahme gibt.
  • Der Versand ins Ausland kann deutlich teurer als innerhalb Deutschlands sein - allerdings bietet nicht jeder Dienstleister jedes Land an. DHL etwa liefert nicht nach Spanien, Italien oder Frankreich, berichtet die Stiftung Warentest. Bei DPD iloxx kosten diese Ziele rund 250 Euro (Italien, Frankreich) oder sogar 370 Euro (Spanien). Die Deutsche Bahn bietet den Versand nach Luxemburg, Österreich und in die Schweiz an - für einen Aufpreis von 8 Euro.



insgesamt 153 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
harke 22.05.2015
1. Nein danke
Noch mehr Abteile für Fahrräder? Fahrräder auch in Fernzügen? Nein, danke! Ich will in Ruhe Bahn fahren, nervige Radfahrer, die meinen einen Sonderanspruch auf alles zu haben, brauche ich nicht. Die meinen ja auch, die StVO gelte nicht für sie. Sollen sie doch ihre Räder vor Ort ausleihen, jeder halbwegs vernünftige Urlaubsort hat einen Fahrradverleih.
bumminrum 22.05.2015
2. die DB
ist hier kundenunfreundlich. Auch in der S-Bahn gibt es zu wenige Fahrradabteile. Alles stapelt sich und ist eng. Dazu noch die zusätzlichen Kosten. Und vor den Stationen fehlen Haltebügel, sichere Boxen und Videoanlagen. Bei 4.000 Diebstählen in unserer Stadt kann man ein besseres Fahrrad nirgends mehr abstellen! !!
Tina3 22.05.2015
3. Bahn mit Kinderwagen
Reisen Mutter und Kind mit der Bahn erlebt man so einiges. Das sogenannte "Mutter-Kind-Abteil" gleicht einem Hamsterkäfig. Ein herkömmliches 6-er Abteil mit Schiebetür. Es ist hier unmöglich einen Kinderwagen abzustellen. Ich kann die Bediensteten der Bahn verstehen, dass ein solch sperriges Objekt doch im Eingangsbereich platz finden würde, aber es reisen ja auch Mütter mit Säuglingen, oder wie ich mit Kind, dass noch mindestens 2 Stunden Mittagsschlaf hält. Vergleicht man die Deutsche Bahn etwa mit den Schweizer Zügen, würde man bei den Schweizern ein ganzen Kinderabteil finden, so gross wie ein halber Wagon, mit integriertem Spielplatz und Rutsche, genügen Abstellplatz für mehrere Kinderwagen. Hier sind auch Fahrräder eher willkommen
rudi.waurich 22.05.2015
4. Einmal versucht,
definitiv nie mehr wieder, schon gar nicht mit guten Rädern. Lieber eine Woche länger Urlaub und direkt mit dem Rad ans Ziel, oder die Räder aufs Auto. Es gibt natürlich auch die Fahrradkoffer für Flugreisen, wie sich die Bahn da wieder anstellt, kann ich nicht beurteilen. Problem könnte da natürlich sein - was mach ich mit dem Ding am Zielort. In den typischen Rennradler/Mountainbiker Hotels im Süden ist das kein Problem, die holen einen ja am Flughafen ab.
LDaniel 22.05.2015
5. froh
Also ich bin im froh, dass im ICE keine Fahrräder mitgenommen werden dürfen. Finde das im Fernverkehr störend
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.