Feiertagsausflüge So fahren Sie mit dem Rad Zug

Zwei Wahrheiten gelten für Tourenfahrer: "Der Wind kommt immer von vorn" und "Das Fahrradabteil im Zug ist immer voll". Für die Bahn ist das Geschäft mit dem Radtransport allerdings auch schwierig.

ICE 4: Zwischen Hamburg und München ist seit Oktober der Radtransport möglich
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ICE 4: Zwischen Hamburg und München ist seit Oktober der Radtransport möglich


Seit Jahren hadern Tourenfahrer mit den beschränkten Möglichkeiten, ihr Rad per Bahn zu transportieren. Mal nehmen die Züge überhaupt keine Fahrräder mit, mal sind die entsprechenden Abteile überfüllt. So mancher sinniert schon über die Anschaffung eines modernen Klapprades nach, das ohne Probleme - ohne zusätzlichen Fahrschein oder Reservierung - an Bord gehievt werden kann.

Dabei versucht die Deutsche Bahn, das Angebot zu verbessern:

  • Die Bahn hat ihre Kapazitäten ausgebaut. Täglich könne die Bahn in ihren Regionalzügen derzeit gut 220.000 Fahrräder befördern, sagte eine Unternehmenssprecherin in Berlin. Im Fernverkehr kommen rund 4000 Stellplätze pro Tag hinzu.
  • Bislang war die Radbeförderung im Fernverkehr den Intercitys (IC) vorbehalten. Ab Herbst wird es nach Auskunft der Bahn auch möglich sein, Fahrräder in der jüngsten Generation des Intercity Express (ICE) mitzunehmen. Die ersten beiden Züge von Typ ICE 4 fahren seit Oktober auf der Strecke zwischen Hamburg und München. Von Dezember an werden sieben ICE 4 im Regelbetrieb unterwegs sein, mit jeweils Platz für acht Fahrräder.
  • Die Bahn will ihr Angebot im Fernverkehr bis zum Jahr 2030 um ein Viertel ausbauen. Dabei sollen 25 Orte ins Intercity-Netz aufgenommen werden. Somit würden auch mehr Bahnhöfe für den Ferntransport von Fahrrädern erreichbar sein, sagte die Bahnsprecherin. Pro Zug gebe es 7 bis 16 Stellplätze.

Das Geschäft mit den Fahrradfahrern ist für die Bahn allerdings schwierig. Wie viele Menschen ihr Rad mitnehmen, hängt stark vom Wetter und der Jahreszeit ab, wie Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn erklärt. Am ersten Ferientag im Sommer zum Beispiel seien die Züge oft voll, im November oder Dezember sehe man kein einziges Rad.

Es gebe "enorme saisonale Schwankungen", sagt auch die Bahnsprecherin. Im Jahresdurchschnitt seien die Fahrradabteile nur schlecht gebucht, die Auslastung liege nur bei gut einem Fünftel. "2016 standen 139 Millionen Reisenden im Fernverkehr rund 328.000 verkaufte Fahrradtickets gegenüber", sagt sie. Im vergangenen November etwa seien im Fernverkehr insgesamt weniger als 5700 Fahrradkarten verkauft worden.

Naumann von Pro Bahn würde sich daher wünschen, dass man Abteile leichter umbauen kann - Sitz weg, Platz fürs Rad. Bislang sei ihm aber noch keine gute Lösung untergekommen. Auch der Fahrradclub ADFC fordert, dass die Transportkapazitäten den saisonalen Schwankungen angepasst würden.

Fahrradabteil im Regionalzug: Keine Reservierung möglich
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Fahrradabteil im Regionalzug: Keine Reservierung möglich

Wichtig für Ausflugsradler wie Tourenfahrer ist daher eine gute Planung vorab. Der ADFC empfiehlt daher:

  • Frühzeitig reservieren. In den Fernzügen kann man das schon drei Monate vor der Reise.
  • Beim Buchen empfiehlt es sich, möglichst Direktverbindungen zu wählen und bei der Recherche auf der Bahnseite die Funktion "Schnelle Verbindungen" zu deaktivieren, um keine unnötig teuren oder umständlichen Routen angezeigt zu bekommen.
  • Eine Alternative sind auch Fahrradverleihe vor Ort.
  • Mehr Hinweise gibt der ADFC auf seiner Seite "Praxistipps".

Mehr Tipps und Links für Reisen mit Rad...

...innerhalb Deutschlands:

  • Bei der Deutschen Bahn ist die Mitnahme bisher nicht in ICE- (außer ICE 4), sondern nur in IC-, EC- und Regionalzügen möglich. In Fernzügen muss und kann reserviert werden, im Regionalverkehr ist es zu Hochzeiten Glückssache, ob ein Platz für das Rad frei ist. Reservieren kann man dort nicht. Ein Radticket im Fernverkehr kostet 9 Euro, mit Bahncard 6 Euro, auf grenzüberschreitenden Strecken 10 Euro, im Nahverkehr etwa 5 Euro, zum Teil aber auch kostenlos. (Fahrradhotline der Bahn: 01806/996633 (0,20 Euro vom Festnetz, maximal 0,60 Cent von Mobiltelefonen)).
  • Der Fernbus kann eine Bahn-Alternative sein - allerdings ist die Zahl der Plätze gering, und teilweise muss das Rad zerlegt und in einer Box verstaut werden. Das Vermittlungsportal Fernbusse.de zum Beispiel macht im Suchergebnis mit einem Radsymbol deutlich, ob ein Transport möglich ist. Ein Ticket kostet abhängig vom Anbieter rund 10 Euro.
  • Mit etwas Vorlauf und einer Zieladresse kann ein Versand per Kurier wie DHL, DPD Iloxx oder Hermes bequem sein. Das Rad muss allerdings nach Vorgaben des Dienstleisters verpackt werden: Pedale abmontieren, Lenker querstellen, im Karton verpacken. Innerhalb Deutschlands berechnet zum Beispiel der Kurierdienst der Deutsche Bahn dafür 27,50 Euro.

...ins europäische Ausland:

  • Wer etwa durch die Provence oder über die Masurische Seenplatte radeln und mit Rad per Bahn anreisen will, den erwartet vor dem Urlaub eine umfangreiche Recherche. In vielen europäischen Ländern gelten Benutzungsbeschränkungen, Reservierungen sind oft nicht möglich - auch nicht für die Heimreise.
  • Die Deutsche Bahn bietet den Versand nach Österreich, Italien und in die Schweiz an - für 29,90 bis 49,90 Euro. Auch andere Kurierdienste liefern nicht jedes Land im Ausland an - die Kosten betragen einige hundert Euro.

abl/dpa

insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 22.05.2017
1. Sehr vernachlässigt
Schade. Rad und Bus/Bahn ist eine wunderbare Kombination. Individualverkehr light sozusagen.
and_over 22.05.2017
2. Früher (tm)
gab es sowas wie Packwagen am Zug und wenn wir eine Radtour gemacht haben (gern mal mit 20+ Personen bei den Pfadfindern) wurden die Räder da reingeladen, fertig. Lustig war es auch, wenn wir dann gleich im Packwagen mitfahren durften :-)
chrisa83 22.05.2017
3. Habe gerade genau dieses Problem
Wollte jetzt für eine Reise Ende August buchen (meiner Meinung nach ist das fühzeitig). Problem ist, dass die Bahn Webseite anzeigt, dass man sein Rad mitnehmen kann und man auch den Buchungsprozess durchlaufen kann bis man letztendlich den Kauf abschließen will. Dann erhält man eine meldung, dass alle Radstellplätze ausgebucht sind. Empfand ich als sehr verwirrend. Letztendlich habe ich die Hotline der Bahn angerufen und es stellte sich herraus, dass die Plätze nicht ausgebucht sind, sondern die Bahn auf Grund der Frühzeitigkeit der Buchung noch gar nicht wusste wieviele Stellplätze in dem Zug zur Verfügung stehen (Zug kommt aus dem Ausland also kein Zug der Deutschen Bahn) werden. Diese Info ist wohl erst ab 2 Monate vor der Fahrt vorhanden. Der Mitarbeiter empfahl mir in den nächsten Wochen immer mal wieder zu probieren den Platz für das Rad zu reservieren. Außerdem gab er mir den Tipp, wenn dass mit der Reservierung fürs Rad nicht funktioniert soll ich es einfach auseinander schrauben (Räder raus und Lenker Quer stellen), dann gilt es als Handgepäck. Die Fahrkarte für mich habe ich nun schon gebucht (Sparpreis). Mein Eindruck: die Bahn weis, dass es kompliziert ist und ist da kulant, werde nun also schauen ob alles gut funktioniert und kann dann Ende August mehr bereichten
xysvenxy 22.05.2017
4. Früher gab es Gepäckwagen
In den 90ern waren Gepäckwagen, die als letzter Waggon am Zug hingen, noch völlig normal. Dort konnte man dann auch sein Rad abstellen und sich einfach in einen der Passagierwaggons setzen. Was ist denn für die Bahn so schwer, solch einen Waggon immer dann anzuhängen, wenn damit zu rechnen ist, dass es einen erhöhten Bedarf gibt? Das würde sich auch für bestimmte Strecken anbieten die von Pendlern genutzt werden.
sschuste 22.05.2017
5. Bahn und Fahrrad - eine nervige Geschichte
Ich war dieses Wochenende wieder mit dem Rad im IC. Ein- und Ausstieg sind eine Tortur. Die Tür ist winzig und es geht die Stufen rauf. Wenn man Gepäck auf dem Rad hat, kann so ein Rad ganz schön groß und schwer sein. In den kleinen Fahrradabteilen herrscht das Chaos, wenn mehrere Radfahrer einsteigen. Das ist auf den großen Bahnhöfen (und die ICs halten ja vor allem dort) faktisch immer der Fall. Was aber richtig nervt, ist der Haufen Passagiere, die ohne Fahrrad verreisen und sich trotzdem in den Fahrradabteilen aufhalten.
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