Faszination Verbrechen Taxifahrer bieten Drogenkriegs-Touren an

Eine Stadttour der speziellen Art führt zu Verbrechens-Schauplätzen und Drogenhandel-Quartieren. In Mexiko zeigen Taxifahrer mutigen Touristen die Spuren des jahrelangen Drogenkrieges – obwohl der Konflikt weiterhin tobt.


Mexiko City – Für die Taxifahrer in der Pazifikküstenstadt Mazatlan sind die Schrecken des Drogenkrieges neuerdings ein einträgliches Geschäft. Touristen zahlen laut einem Bericht der mexikanischen Zeitung "Reforma" 200 Pesos (knapp 14 Euro) für eine Rundfahrt zu Schauplätzen, die in Verbindung mit den grausamen Konflikten stehen.

Dabei ist der Konflikt alles andere als beigelegt: In den vergangenen Jahren kam es zu einer Eskalation der Gewalt, allein seit Januar 2006 starben über 2000 Menschen in Kämpfen zwischen den rivalisierenden Gruppen "Gulf Cartel" und "Sinaloa Cartel" sowie Regierungstruppen. Doch das scheint besonders furchtlose - oder besonders naive - Touristen nicht abzuschrecken – die morbide Faszination am organisierten Verbrechen scheint stärker zu sein als eigene Sicherheitsbedenken.

In Mazatlan, das in der besonders stark umkämpften Sinaloa-Gegend liegt, finden sich zahlreiche Stätten, die in dem Konflikt eine Rolle spielten. Die meisten Touren beginnen am Strand von Mazatlan an einer mit Brettern vernagelten Disco, die früher den Arellano Felix-Brüdern gehörte. Deren Drogenkartell zählte früher zu den mächtigsten in Mexiko, jetzt soll davon nicht mehr viel übrig sein.

Weiter geht es zu der Stelle, wo die Polizei im Jahr 2002 den Drogenboss Ramon Arellano Felix erschoss. Nächster Programmpunkt ist der Nachtclub, in dem Sänger Valentin Elizalde seine ersten Auftritte hatte. Der populäre Songschreiber machte den Drogenhandel sogar zum Thema seiner Lieder und wurde im vergangenen Jahr aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Der Höhepunkt der Tour ist für viele Touristen laut "Reforma" der Ort, wo der berüchtigte "Gulf Cartel"-Boss Osiel Cardenas im Jahr 2003 nach einem Schusswechsel mit mexikanischen Soldaten verhaftet wurde.

sto/Reuters



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