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15. Dezember 2006, 11:05 Uhr

Fehlbuchung

Doppelzelt statt Doppelzimmer - was nun?

Manche buchen einen Campingurlaub, um der Natur ganz nah zu sein. Andere buchen für den Urlaub ein Doppelzimmer - und werden trotzdem in ein Zelt gesteckt. Das nahm ein Urlauber nicht hin und verklagte sein Reisebüro.

Menden/Wiesbaden - Für Pauschalurlauber lohnt sich ein genauer Blick auf die vom Reisebüro ausgehändigten Unterlagen. Durch eine Prüfung lässt sich eventuell rechtzeitig verhindern, eine ganz andere Unterkunft als gewünscht beziehen zu müssen. Hat das Reisebüro beim Buchen einen Fehler gemacht, den der Kunde nicht erkennen kann, muss es zwar einen finanziellen Ausgleich schaffen.

Für entgangene Urlaubsfreuden muss das Reisebüro dagegen nicht aufkommen. Auf ein entsprechendes Urteil des Amtsgerichts Menden in Nordrhein-Westfalen weist die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in Wiesbaden in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" hin.

Im verhandelten Fall hatte ein Urlauber ein Doppelzimmer in einem Hotel am Roten Meer buchen wollen. Das Last-Minute-Reisebüro tätigte auch eine Buchung, reservierte für den Gast aber nur ein Doppelzelt. In der Reisebestätigung stand dann "Unterkunft laut Ausschreibung", auf dem Hotelgutschein war das englische Wort "tent" für Zelt vermerkt.

Der Tourist verstand jedoch kein Englisch und merkte erst an Ort und Stelle, wo er und sein Begleiter schlafen sollten. Im Hotel, zu dem die Zelte gehörten, waren alle Zimmer belegt und ein sofortiger Rückflug nicht möglich. Daher mussten er und seine Begleitung eine Woche im Zelt übernachten. Die zweite Urlaubswoche war nicht viel besser: Das Hotel, in das sie umsiedelten, lag weit weg von dem Tauchrevier, das der Reisende hauptsächlich besuchen wollte.

Das Gericht sprach dem Urlauber den Differenzbetrag zwischen Zelt- und Doppelzimmer-Übernachtungen zu - eine Summe von 192 Euro. Begründung: Das Reisebüro habe sich nach der Buchung nicht vergewissert, was mit "Unterkunft laut Ausschreibung" gemeint war. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit konnte der Reisende nicht verlangen - solche Ansprüche könnten nicht bei einem Reisebüro, sondern nur beim Reiseveranstalter geltend gemacht werden.

Amtsgerichts Menden, Aktenzeichen: 4 C 103/05

ssu/gms

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