Fehmarnbelt Dänen sagen Ja zur Ostseebrücke

Kopenhagen will das Bauwerk der Superlative: 16 Jahre nach Planungsbeginn hat Dänemark den Staatsvertrag mit Deutschland zum Bau der Fehmarnbelt-Brücke ratifiziert. Verkehrsminister Lars Barfoed sprach von einer "historischen Entscheidung".


Kopenhagen/Kiel - Das Votum fiel deutlich aus: Mit überragender Mehrheit befürworteten die dänischen Abgeordneten am Donnerstag das Milliarden-Verkehrsprojekt zwischen den Inseln Fehmarn und Lolland. Im September vergangenen Jahres hatten Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und seine damalige dänische Amtskollegin Carina Christensen den Staatsvertrag unterzeichnet.

Der Vertrag sieht vor, dass Dänemark die knapp 20 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahnverbindung baut, betreibt und über Mautgebühren finanziert. 4,4 Milliarden Euro des auf insgesamt fünf Milliarden Euro teuren Projekts trägt Dänemark allein - hinzu kommen 1,2 Milliarden für die Anbindung auf dänischer Seite. Für Deutschland bleiben 800 Millionen Euro für Schienen- und Straßenverbindungen zur Brücke in Schleswig-Holstein. Die Fahrtzeit zwischen Hamburg und Kopenhagen soll sich um 60 Minuten auf gut drei Stunden verkürzen.

Das dänische Parlament nahm den Vertrag mit 104 Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen an. Verkehrsminister Lars Barfoed sprach von einer "historischen Entscheidung". Die Querung werde die Strecke zwischen Kopenhagen und Hamburg um 150 Kilometer verkürzen und den Warentransport verbilligen, sagte Barfoed.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) begrüßte das "beeindruckend" deutliche Votum des dänischen Parlaments. Allen Beteiligten sei klar, "dass die feste Beltquerung außerordentlich wichtig für den gesamten norddeutschen Raum ist", erklärte Carstensen.

Risiken für Schiffsverkehr und Zugvögel

Kritiker des Projekts reagierten indes gelassen auf das dänische Votum. Damit sei "noch nicht über eine Brücke entschieden, sondern nur über ein Gesetz, das die Planungsgrundlage bietet", sagte Malte Siegert vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Bis in einigen Jahren ein Baugesetz verabschiedet werden könne, müsse erst einmal untersucht werden: "Geht das überhaupt?" Dabei seien auch Risiken für die Sicherheit des Schiffsverkehrs oder für Zugvögel und in der Ostsee lebende Schweinswale zu berücksichtigen.

AP
Auch bei den Bewohnern der Insel Fehmarn und Naturschützern herrscht Skepsis. Sie befürchten unter anderem den Verlust von Arbeitsplätzen im Fährhafen Puttgarden, Einbußen beim Tourismus und Beeinträchtigungen der Meeresumwelt durch den Bau. Der parteilose Bürgermeister der Stadt Fehmarn, Otto-Uwe Schmiedt, erwartet jetzt finanzielle Hilfen aus Berlin. "Auf der Insel werden durch die feste Querung rund 1000 Arbeitsplätze verloren gehen, da erwarten wir einen Ausgleich", sagte er.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) betonte dagegen, mit der Ostsee-Brücke werde das letzte Teilstück einer wichtigen transeuropäischen Straßen- und Eisenbahnverbindung geschlossen. Die Querung werde Zeitvorteile bringen und dadurch die Standortqualität und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft verbessern.

Deutschland hat den Staatsvertrag noch nicht ratifiziert. Der Verkehrsausschuss des Bundestags will sich im Mai in einer Anhörung mit dem entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung befassen. Eine Entscheidung im Plenum sowie im Bundesrat soll noch vor der Sommerpause fallen.

abe/AFP/dpa



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