Fidschi Militärumsturz bedroht Südseeidyll

Vom Touristenparadies zum Krisenherd: Auf den Fidschi-Inseln haben Soldaten zeitweise die Hauptstadt abgeriegelt, Militärs planen einen Putsch. Für den Tourismus könnte die Krise zur Katastrophe werden. Auch das Auswärtige Amt rät von Reisen ab.


Suva - Fidschis Militärchef Frank Bainimarama hat für morgen mit einem Putsch gedroht. Nach gescheiterten Schlichtungsgesprächen in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington mit Regierungschef Quarase kündigte Bainimarama an, "auf den Fidschi-Inseln für Sauberkeit zu sorgen", falls bis Freitag Mittag kein Entgegenkommen von Seiten der Regierung erfolge. Quarase lenkte daraufhin ein und versprach, ein geplantes Amnestiegesetz auszusetzen.

Regierungsgegner Bainimarama: "Für Sauberkeit sorgen"
AP

Regierungsgegner Bainimarama: "Für Sauberkeit sorgen"

Das dürfte jedoch kaum ausreichen, um die Wogen zu glätten - derzeit decken sich die Bewohner der Hauptstadt Suva mit Lebensmitteln ein, viele Bankautomaten können wegen des Ansturms kein Geld mehr auszahlen. Auch für Touristen wird es ungemütlich. Das Auswärtige Amt rät seit Montag von "nicht unbedingt notwendigen Reisen" nach Fidschi ab.

Weiter heißt es auf der Website des Ministeriums: "Vor Ort befindliche Personen werden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen, sollten größere Menschenansammlungen und Kundgebungen meiden und sich über die Medien über aktuelle Entwicklungen informieren".

50.000 Tourismus-Jobs gefährdet?

Viele Reiseveranstalter, speziell in Australien und Neuseeland, bieten derzeit weniger Fidschi-Reisen an. So könnte die Krise speziell für die wirtschaftlich immens wichtige Tourismusindustrie gravierende Folgen haben. Der Leiter des Fremdenverkehrsbüros von Fidschi, Viliame Gavoka, warnte bereits davor, dass 50.000 Tourismus-Jobs gefährdet seien, wie die Online-Ausgabe der Zeitung "Fiji Times" berichtet. Insgesamt leben knapp 850.000 Einwohner auf den Fidschi-Inseln.

In der vergangenen Nacht riegelte die Armee Teile der Innenstadt von Suva für drei Stunden ab - das kann als Drohgebärde und Warnung für die Regierung verstanden weden. Trotzdem äußerte Armeechef Bainimarama die Hoffung auf einen friedlichen Machtwechsel am Freitag.

Er wirft der Regierung vor, Massenunruhen zwischen den Ureinwohnern und der indischstämmigen Minderheit zu schüren. Das Militär fordert die Regierung auf, Landgesetze abzuschaffen, die laut Bainimarama die indische Bevölkerung benachteiligen, und die Amnestie für Teilnehmer des Putsches von 2000 aufzuheben. Zudem wird eine Absetzung des Polizeichefs Andrew Hughes gefordert.

sto/ap



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