Fingerabdrücke Sind Sie ein Wirbeltyp?

Jetzt kommt es ans Scannerlicht: Wer ab heute einen neuen Reisepass beantragt, muss sich zwei Fingerabdrücke abnehmen lassen. Kriminalisten unterscheiden dabei drei Grundmuster. Welchen Typ Sie haben, erfahren Sie hier.

Die Riffel auf Fingern, Händen und Füßen haben eine ausgeklügelte Funktion: Die Evolution hat sie für einen abrutschsicheren Griff erfunden. Wären nicht die feinen Papillarleisten an unseren Fingerspitzen, würde uns das Glas glatt aus der Hand gleiten. Dabei hat jeder Mensch schon im dritten Monat seines Werdens sein ganz eigenes Muster kreiert. Kein Finger gleicht dem anderen, und auch genetisch identische Zwillinge können zumindest ihre Fingerabdrücke ganz für sich beanspruchen.

Niemand würde je unsere so individuellen Kringel, Schleifen und Saltos en Detail zu Gesicht bekommen (falls man nicht bereits in die Fänge der Polizei geraten ist), wäre da nicht der ePass, der ab heute die Erfassung von zwei der biologischen Kunstwerke erfordert.

Bei aller Individualität lassen sich die verschlungenen Muster an den Fingerkuppen ganz grob in drei Typen einteilen: Schleifen, Bögen oder Wirbel. Bei der Schleife beginnen die Papillarlinien an einer Seite, laufen gen Mitte und kehren dann flugs wieder um. Unterschieden werden Links- oder Rechtsschleifler, je nachdem ob die Öffnung nach links oder rechts zeigt. Die Bogen-Vertreter sind simpler geschmückt: Bei ihnen führen alle Rillen übereinander quer über die Fingerkuppe und wölben sich in der Mitte kurz nach oben. Beim Wirbler geht's wild zu: Eine Papillarlinie kreist in einer Spirale um sich selbst.

Was das Gesamtbild richtig kompliziert macht, nennt der Fachmann Minutien. Das sind kleine Variationen der schlichten Linie, von denen sich über hundert auf einem Finger befinden können. Da gabeln sich Riffel, und Verzweigungen enden nach kurzer Strecke. Und manchmal bilden sich durch geteilte und wiedervereinte Linien sogar sogenannte Inseln. Ein wahres Paradies für Daktyloskopen, deren Aufgabe es ist, Muster und Minutien zu registrieren, zu archivieren und deren größte Erfüllung die Identifizierung von Tatverdächtigen sein muss. Denn auch im Laufe des Lebens verändern sich diese Linien nicht und wachsen sogar nach der rausten Behandlung originalgetreu nach.

Seit über hundert Jahren sind Fingerabdrücke bei der Verbrecherverfolgung in Deutschland anerkannt. Längst verzichtet die bundesdeutsche Polizei auf Stempelfarbe bei der erkennungsdienstlichen Erfassung und setzt auf das Automatisierte-Fingerabdruck-Identifizierungs-System AFIS. Per Scanner werden die persönlichen Fingermuster der Tatverdächtigen in das vernetzte Computersystem eingespeist – und selbst die letzte Minutie wird offen gelegt.

Ob verdächtig oder nicht, das passiert nun auch jedem Bundesbürger, der ab 1. November mit einem neuen Reisepass in die Welt ziehen will. Sein Abdruck wandert zwar nicht in das AFIS, sondern soll nach Auskunft des Bundesinnenministers bei Abholung des Passes wieder gelöscht werden. Doch sein Zeigefingermuster ist auch nicht mehr einzigartig. Ein digitalisiertes Abbild davon trägt er dann auf einem Chip mit sich herum.

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