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22. Februar 2019, 04:27 Uhr

Naturphänomen im Yosemite-Nationalpark

Fließendes Feuer

Wie flüssige Lava sieht das aus, was derzeit am El Capitan herunterrauscht, einem berühmten Felsen im Yosemite-Nationalpark. Das Naturphänomen ist selten - und äußerst beliebt bei Fotografen.

Eher klein und unscheinbar ist der Horsetail-Wasserfall im US-Nationalpark Yosemite. Eigentlich kein Ort, der die Massen anzieht. Zumindest gilt das für die meiste Zeit des Jahres.

Doch im Februar - wenn alle Bedingungen stimmen - wird er zum Hotspot für Touristen. Sie drängen sich bei Sonnenuntergang am östlichen Fuß des berühmten Kletterfelsens El Capitan und sehen ein paar Minuten lang zu, wie die Dunkelheit hereinbricht, wie plötzlich entlang des schmalen Wasserfalls die Funken sprühen - wie aus einem Rinnsal der Firefall wird.

Zumindest wirkt es so, als würde Feuer den Berghang hinunterfließen. Doch die in die Tiefe stürzende Glut ist eine optische Täuschung. Es handelt sich bei dem Naturphänomen um einen "einzigartigen Lichteffekt", schreibt der Yosemite-Nationalpark auf seiner Website.

Dazu sind perfekte Bedingungen nötig. Zunächst einmal muss der Wasserfall überhaupt fließen, was er nur tut, wenn der Schnee auf dem 2307 Meter hohen Felsen schmilzt und es genügend Schmelzwasser gibt.

Außerdem muss der Himmel am Abend sehr klar sein, damit die Strahlen der untergehenden Sonne ungebrochen auf den Wasserfall am östlichen Rand des El Capitan treffen. "Selbst ein bisschen Dunst oder geringe Bewölkung kann den Effekt verhindern oder verringern", heißt es auf der Nationalpark-Website. Und dann muss der Sonnenstand am Himmel noch stimmen. Daher ist das Phänomen - wenn überhaupt - nur an wenigen Tagen im Februar sichtbar.

Wenn alle Faktoren zusammenkommen, verändert der Wasserfall am Abend für wenige Minuten seine Farbe - und leuchtet feurig orange auf. Ein Fest für Fotografen und Instagrammer, die ihre besten aktuellen Aufnahmen auf der Fotoplattform zu Tausenden teilen.

"Ausblicke wie diese sind unschlagbar", schreibt Instagram-Nutzer "ridgehunterwoman". Und "alexmedina.productions" urteilt nicht ohne Pathos: "Wahrhaftig eine der spektakulärsten Shows von Mutter Natur!"

Instagram-Nutzer "lightsparq" postete ein Foto, das zeigt, wie sich Dutzende Yosemite-Besucher im Schnee positionieren, um einen Blick auf den Firefall zu erhaschen und Fotos zu machen:

Seitdem der US-amerikanische Naturfotograf Galen Rowell 1973 eine Aufnahme des leuchtenden Wasserfalls veröffentlichte, pilgern Jahr für Jahr Besucher aus aller Welt in den kalifornischen Nationalpark. Sie stellen ihre Stative auf, haben den Finger am Auslöser und warten auf den Moment, in dem sich der Firefall zeigt.

Video: Die Feuerfälle von Yosemite

Wegen des großen Andrangs ließ der Nationalpark 2018 nur 250 Autos pro Tag auf den Besucherparkplatz fahren. Außerdem mussten Touristen eine Online-Reservierung machen. Dieses Jahr muss man sich nicht vorab anmelden. Doch Parken auf bestimmten angrenzenden Abschnitten des Southside und Northside Drives sei verboten, heißt es auf der Park-Webseite.

Aber egal, wo man parkt - ein bisschen laufen müssen Besucher ohnehin, um zum Horsetail-Wasserfall zu gelangen. Sie sollten sich darauf einstellen, "mindestens eine Meile weit zu wandern", warme Kleidung und Stiefel tragen und eine Stirnleuchte oder Taschenlampe mitbringen.

Die Kälte, 15 Zentimeter Schnee und glitschige Pfade - die Umstände sind laut dem Instagramer "lightsparq" zurzeit zwar widrig. Sie hätten Fotofans aber nicht davon abgehalten, zum Wasserfall zu kommen, um das zehnminütige Wunder zu beobachten. "Leidenschaft schlägt Hindernisse", heißt es unterhalb seines Posts. Und dann noch: "Happy Viewing!"

Sehen Sie hier die Bilder des leuchtenden Wasserfalls im Yosemite Nationalpark!

jus

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