Fischer-Protest Fährverkehr von Nordfrankreich läuft wieder an

Hunderte in Frankreich gestrandete Reisende können wieder die Fähren über den Ärmelkanal nutzen. Die erbosten Fischer haben ihre Blockade nordfranzösischer Häfen beendet. Zeitweise hatten außerdem Gewerkschaften der Fährleute den Verkehr zum Eurotunnel behindert.


Paris - Nach der Zusage von Millionenhilfen haben die nordfranzösischen Fischer am Donnerstag ihre Hafenblockaden aufgegeben. Bei Versammlungen in Calais, Dünkirchen und Boulogne-sur-Mer unterlagen die Vertreter einer harten Linie, die die Blockaden bis zur Erhöhung der Fangquoten fortsetzen wollten. "Wenn der Konflikt andauert, sind alle Verlierer", sagte Bruno Dachicourt von der Fischergewerkschaft CFTC im Rundfunk. Vor dem Jahresende werde es keine neuen Quoten geben. Agrarminister Michel Barnier wolle zudem für eine Heraufsetzung der Fangquoten in der EU kämpfen.

Blockade in Boulogne: Fischer protestieren gegen Fangquoten
REUTERS

Blockade in Boulogne: Fischer protestieren gegen Fangquoten

Der Fährbetrieb zwischen Frankreich und der Südküste Großbritanniens, der seit Dienstag völlig zum Erliegen gekommen war, lief wieder an: "Es läuft, es ist ruhig", sagte ein Sprecher des britischen Fährbetreibers P&O.

Das Unternehmen kritisierte die französische Regierung allerdings scharf. Zwar habe sich der Stau aufgelöst, nachdem die Fischer die Blockade in Calais und Dünkirchen gelockert hätten, sagte ein Sprecher des Unternehmens im britischen Sender BBC. Der Protest könne aber jederzeit wieder erstarken, weil die französische Regierung den Fischern stets "nachgebe". Dieses Muster habe sich schon mehrfach wiederholt: "Jedes Mal geben sie einfach nach und kapitulieren."

Offenbar gebe es in Frankreich "keinen politischen Willen" zu handeln und das Problem zu lösen, kritisierte das Fährunternehmen. Die britische Regierung solle innerhalb Europas darauf dringen, dass Frankreich sich an den Verhandlungstisch setze und sich per Abkommen dazu verpflichte, den Hafen von Calais und damit die Grenze zu Großbritannien offenzuhalten.

Das britische Unternehmen hatte tags zuvor mit Schadenersatzforderungen an die französische Regierung gedroht, nachdem Hunderte - vor allem britische - Urlauber wegen der Blockade an den Häfen zur "Straße von Dover" festgesessen hatten. Die französischen Fischer hatten die Häfen von Calais, Dünkirchen und Boulogne-sur-Mer seit Dienstag blockiert. Die Gewerkschaften der Fährleute hatten wiederum zeitweise den Verkehr zum Ärmelkanaltunnel behindert, um ein Umsteigen der Reisenden auf die Bahn zu verhindern.

EU-Kommission gegen höhere Kabeljau-Quoten

In nächtlichen Verhandlungen hatte Barnier den Fischern vier Millionen Euro Entschädigung sowie Kreditgarantien für 50 Millionen Euro zugesagt. Außerdem versprach er, wie 2008 von anderen EU-Staaten Fangquoten einzutauschen. Die nordfranzösischen Fischer haben ihre Quoten für Kabeljau und Seezunge 2009 bereits ausgeschöpft. Die EU-Kommission verweigert höhere Quoten, weil dies "zum Zusammenbruch der Bestände führen" würde.

Meeresforscher sagten, die Fischer sähen nur die Bestände vor ihren Augen und nicht die Entwicklung der Gesamtbestände. Die Umweltstiftung WWF erklärte, der Blauflossen-Thunfisch (oder Rote Thunfisch) werde im Mittelmeer in drei Jahren ausgerottet sein, wenn er weiterhin gefangen werde. Die EU habe die gerade begonnene Fangsaison zwar um zwei Wochen auf zwei Monate verkürzt, doch der Thunfisch werde weiterhin in der Laichsaison gefangen.

Frankreich will wie von Brüssel verlangt die Thunfisch-Fangflotte von 36 auf 28 Schiffe verkleinern, weil die Fangquoten um 27 Prozent verringert wurden. Italien will 19 Schiffe aus dem Verkehr ziehen, Malta zwei.

abl/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.