Flotten-Stilllegung Qantas-Flugplan noch bis zu zwei Tage gestört

Nach ihrer beispiellosen Protestaktion gegen streikende Angestellte hat Qantas den ersten Airbus wieder starten lassen. Bei dem 48-stündigen Flugstopp sind Zehntausende Passagiere am Wochenende gestrandet. Vorerst wird es zu noch Verspätungen kommen.

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Sydney - 447 gestrichene Flüge weltweit, 68.000 gestrandete Passagiere in 22 Städten und Kosten von rund 30 Millionen Euro - das ist die Bilanz der Stilllegung der gesamten Qantas-Flotte am Wochenende. Aus Verärgerung über einen monatelangen Arbeitskampf mit Piloten, Ingenieuren und Bodenpersonal hatte die Geschäftsführung der australischen Fluggesellschaft am Samstag ohne Vorwarnung und mit sofortiger Wirkung den gesamten Flugverkehr eingestellt.

Erst ein Schiedsgericht konnte am Sonntag die seit Monaten dauernden Streiks und die Aussperrung beenden - und damit den fast 48-stündigen Flugstopp. Am Montagnachmittag ist die erste Maschine, ein Airbus von Sydney nach Jakarta, wieder in die Luft gegangen. Qantas rechnet damit, ihre Flotte binnen 24 bis 48 Stunden wieder vollständig in die Luft zu bekommen. Qantas-Vorstandsvorsitzender Alan Joyce gab das Ziel vor, bis Dienstag wieder den Flugplan einzuhalten.

Das von der Regierung angerufene Schiedsgericht hatte angeordnet, die Gesellschaft und Gewerkschaften sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Es ordnete eine Abkühlungsperiode von 21 Tagen an, in der keine der beiden Seiten Kampfmaßnahmen erlassen kann. Die Parteien verhandeln, und wenn sie kein Ergebnis erzielen, kommt es zu einem bindenden Schiedsspruch. Genau dieses Ergebnis hatte Joyce gefordert. "Dies ist ein gutes Ergebnis", sagte er in einer Unternehmensmitteilung. "Der Verhandlungsprozess ist nun in den Händen unabhängiger Schiedsrichter. Wir werden jede Entscheidung respektieren."

Zwei Qantas-Flüge in Frankfurt annulliert

Weltweit waren 108 Maschinen an 22 Flughäfen betroffen. Auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden am Sonntag zwei Qantas-Flüge annulliert, wie ein Flughafensprecher sagte. Dabei gehe es um die Verbindung Sidney-Singapur-Frankfurt und zurück. Die ursprünglich für den Morgen eingeplante Maschine sei aber gar nicht erst gekommen, bei der zweiten sollte dies genauso sein. "Die Passagiere werden von Qantas hier vor Ort versorgt und umgebucht oder in Hotels untergebracht", sagte der Sprecher.

Qantas-Tochterunternehmen wie der Billigflieger Jetstar waren nicht betroffen. Konkurrenten wie Virgin Australia boten Sondertarife für gestrandete Qantas-Passagiere und kündigten Sonderflüge an. "Ich entschuldige mich bei allen Kunden", sagte Qantas-Chef Joyce. Aber er habe keine andere Wahl gehabt. Die Airline versprach Hotel- und Flugumbuchungen und Wiedergutmachung.

"Die Australier wollen, dass dieser Disput beigelegt wird, und ich auch", sagte Regierungschefin Julia Gillard in Perth. Dort ging das Gipfeltreffen der Commonwealth-Länder zu Ende. 17 Delegationen waren mit Qantas angereist und mussten sich um neue Flüge bemühen.

Der Streit zwischen Qantas und den drei Gewerkschaften zieht sich seit Monaten hin. Die Gewerkschaften wehren sich gegen Qantas-Pläne, eine weitere Fluglinie mit Sitz außerhalb Australiens zu gründen. Die Angestellten sollen weniger verdienen. Damit will Qantas das defizitäre internationale Fluggeschäft sanieren und in den nächsten fünf Jahren 1000 Arbeitsplätze streichen. Außerdem verlangen die Gewerkschaften höhere Löhne.

Seit September haben die Mitarbeiter mit Warnstreiks schon vor dem Flugstopp am Wochenende 600 Flüge verhindert und 70.000 Passagiere zu langen Wartezeiten gezwungen. Qantas entstanden Kosten in Höhe von 70 Millionen australischen Dollar (52,7 Millionen Euro).

Der Sprecher der Qantas-Piloten, Richard Woodward, warf seinem Arbeitgeber vor, die Passagiere als Geiseln zu nehmen. "Das ist Erpressung der Regierung und Erpressung des Volkes", sagte er in einem Rundfunkinterview.

abl/dpa/dapd/Reuters



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stillafool 31.10.2011
1. Prima,
Mr. Joyce hat das gewünschte Ziel, nämlich eine Schlichtung, erreicht und den Gewerkschaftlern gezeigt, wo der Hammer hängt. Das würde auch der Lufthansa beim nächsten Streik ihrer überbezahlten Angestellten gut anstehen. Im übrigen verstehe ich das Gejammer nicht: Rufen die Gewerkschaftler zum Streik und nehmen Kunden oder die ganze Bevölkerung (z.B. Müllabfuhr) als Geisel, so üben sie "nur" ihre grundgesetzlich "garantierten" Rechte aus. Macht ein unternehmen per Aussperrung das gleiche, wird reflexartig sofort der Untergang der Demokratie heraufbeschworen.
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