Neue Angebote Lohnt sich die Versicherung gegen Flugverspätung?

Airlines tun sich häufig schwer, wenn sie Entschädigungen zahlen sollen. Zugleich nimmt die Zahl der Flugverspätungen zu. Versicherungen entdecken den Markt - mit fraglichen Angeboten.
Flughafen München: Flugstreichungen nach Terminalräumung

Flughafen München: Flugstreichungen nach Terminalräumung

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Die Versicherungsbranche sieht in der wachsenden Zahl verspäteter Flüge eine Geschäftsidee. Nach der Axa will nun die Hanse Merkur Versicherung Reisende gegen Flugverspätungen versichern. Nach EU-Recht stehen Passagieren ab drei Stunden Verspätung Entschädigungen zu, und auch dann sträuben sich Fluglinien häufig, das Geld zu bezahlen.

Die Hanse-Tochter Berlin Direkt Versicherung will die EU-Entschädigung nach eigener Aussage direkt und garantiert auszahlen, die Kunden treten dafür ihre Rechte an das Unternehmen ab. Das treibt die Forderung von der Airline als Kostenausgleich ein und arbeitet dafür mit dem Hamburger Fluggastrechteportal Euflight zusammen.

Zudem sollen Versicherte auch bereits bei einer Verspätung von 60 Minuten pauschal 100 Euro erhalten - unabhängig vom Verspätungsgrund. Vermittelt werden sollen die Versicherungen nach Angaben der Berlin Direkt hauptsächlich über Onlinereisebüros, Reisebüroketten oder Reisevermittler.

Ob sich für die Passagiere eine solche Versicherungsart lohnt, ist allerdings fraglich. Die Prämie für Flyneo, so der Name des Produkts, wird dynamisch ermittelt. Unter anderem spielten Wetterdaten und eine Datenbank des Rückversicherers Swiss Re eine Rolle für die Preisbildung, sagt Mirko Kühne, Vorstand bei der Berlin Direkt.

So kann es sein, dass eine Versicherung pro Flug auch mal 30 Euro kostet. Besonders risikoreiche, weil häufig sehr wahrscheinlich verspätete Flüge, können automatisiert als nicht versicherbar abgelehnt werden. Zudem gibt für den Fall, dass eine Airline eine dem Passagier zustehende Entschädigung nicht bezahlen will, auch immer die Möglichkeit, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zu wenden.

Automatisierte Software übernimmt Abwicklung

Das Problem der Verzögerungen im Luftverkehr ist gewaltig und wird weiter wachsen. 2018 hatte jeder 20. Flug in Europa eine Abflugverspätung von mehr als einer Stunde, gut 55 Prozent der Flugvorfalle wurden als höhere Gewalt eingestuft und lagen damit nicht im Einflussbereich der Fluglinie. Bis 2040 könnte die Zahl der langen Verspätungen von mehr als zwei Stunden um 700 Prozent zunehmen.

Um das Thema der Passagierentschädigungen in solchen Fällen hat sich eine ganze Industrie von Fluggastrechteportalen gebildet, die teils windig arbeiten. Sie gelten als ein Beispiel für die zunehmende Verbreitung von Legal Tech, also der in Teilen automatisierten Bearbeitung von juristischen Problemen mittels Software.

Auch die Versicherungen machen sich Software zunutze; die Axa setzt mit ihrer Verspätungsversicherung Fizzy zusätzlich auf die Blockchain-Technologie. Dabei wird der Abschluss der Versicherung in einer Ethereum-Blockchain dezentral und unveränderbar gespeichert. Das System gleicht automatisch mit Datenbanken die Pünktlichkeit des Fluges ab. Ist die Maschine mehr als zwei Stunden verspätet, erhält der Versicherungsnehmer ohne weiteres Zutun direkt nach der Landung eine Kompensationszahlung angewiesen.

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