SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

10. März 2008, 13:16 Uhr

Flugreisen

Airlines bleiben bei Handy-Verbot

Über den Wolken bleibt das Handy aus: Die größten deutschen Fluggesellschaften haben sich gegen das Telefonieren an Bord entschieden, obwohl dies gesetzlich jetzt möglich wäre. Internet-Verbindungen für Laptops soll es aber bald geben.

Berlin - Über die gute Nachricht aus Berlin haben sich Flugreisende der größten deutschen Fluggesellschaften zu früh gefreut: "Die überwiegende Mehrzahl der Gäste fühlt sich durch die Freigabe von Mobiltelefonen gestört", sagte ein Sprecher der Lufthansa. Dies hätten Umfragen durch die Fluggesellschaft ergeben. Trotz einer neuen Verordnung des Bundesverkehrsministeriums sei nicht geplant, Handy-Gespräche an Bord zuzulassen.

Ebenso hält es auch Air Berlin: Sprecherin Alexandra Müller sagte, Handygespräche an Bord seien "eine Störung, besonders auf Nachtflügen". Allerdings erwäge Air Berlin, das Versenden von Emails und SMS an Bord zu gestatten. Es habe bereits Gespräche mit Firmen gegeben.

Das Verkehrsministerium hatte am Freitag erklärt, dass Fluggesellschaften künftig Handys in ihren Maschinen erlauben können. Voraussetzung ist, dass die Sicherheit dadurch nicht gefährdet ist. Auch Internet-Verbindungen zu Laptops sind erlaubt, wenn an Bord ein Hotspot eingerichtet ist.

Die Lufthansa wolle möglichst bald wieder Internet-Verbindungen über Laptops zulassen, sagte der Sprecher. Derzeit sei die Fluggesellschaft noch auf der Suche nach einem Partner für einen solchen Service.

Bei der Lufthansa war es bis Ende 2006 bereits möglich, an Bord im Internet zu surfen. Allerdings hatte der US-Flugzeugbauer Boeing damals das von ihm betriebene System Connexion abgeschaltet, mit dem auch die Lufthansa arbeitete.

Neue Netze über den Wolken

Derzeit gibt es hierbei vor allem die Anbieter AeroMobile sowie Onair. An Onair ist auch der europäische Flugzeugbauer Airbus beteiligt. Die Firma erhielt im vergangenen Sommer eine Zulassung in Europa.

Als erste Fluggesellschaft baute Emirates zu Beginn des vergangenen Jahres in ausgewählte Flugzeuge eine Handy-Technik ein. Der irische Billigflieger Ryanair rüstet seit vergangenem Jahr seine komplette Flotte nach. Bei Air France läuft seit wenigen Monaten ein Testversuch mit SMS in ausgewählten Flugzeugen. Auch die australische Qantas, Turkish Airlines und zahlreiche weitere Airlines experimentieren in unterschiedlichen Stadien mit der neuen Technik.

Keine Störung bei Starts und Landungen

Die Firmen stützen sich dabei im Wesentlichen auf dasselbe Prinzip: Bei einem Telefonat im Flugzeug wählt sich das Handy in ein flugzeuginternes Netz ein. Von dort wird der Anruf in das jeweilige Handynetz des Nutzers weitergeleitet. Weil sich das Handy nur ins lokale Netz einwählt, sind die Sendeimpulse schwächer, weshalb auch keine Bordinstrumente gestört werden können. Die Anrufe sind nicht billig: Wie bei einem Anruf im Ausland werden für Anrufe über das fremde Netz genauso wie für ankommende Anrufe sogenannte Roaming-Kosten fällig.

Die Systeme funktionieren aber grundsätzlich nur in größeren Flughöhen, um sicherzugehen, dass es bei Starts und Landung nicht doch zu Störungen kommen kann. Im Regelfall erlaubt die Technik der Flugzeugbesatzung, die Handy-Nutzung zu regulieren. So kann das System etwa in Ruhephasen auf Langstreckenflügen so umgeschaltet werden, dass nur noch SMS, aber keine Gespräche mehr möglich sind.

reh/AFP

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung