Flugverkehr nach Terror-Alarm Briten lassen wieder Handgepäck zu

Nach dem Herabsetzen der Terrorstufe lässt das britische Innenministerium auch die Mitnahme von Handgepäck wieder zu. Noch hat sich am Londoner Flughafen Heathrow der Flugverkehr nicht wieder normalisiert. Deutsche Airlines fliegen bisher planmäßig.


London – Zwar erlaubt das Innenministerium Großbritanniens wieder die Mitnahme von Handgepäck, doch der Flughafenbetreiber BAA wird die Konsequenzen aus der von der Regierung günstiger eingeschätzten Sicherheitslage nicht vor morgen früh umsetzen können. Die neue Gepäckregel wird auf den Flughäfen Heathrow und Gatwick nicht vor 4.30 Uhr am Dienstag in Kraft treten, teilte die BAA laut dem britischen Nachrichtensender BBC mit. Auf Flügen nach und von London-Stansted, Glasgow und Aberdeen könne ab heute Mittag wieder Handgepäck mitgenommen werden.

Wegen der verschärften Sicherheitsmaßnahmen rechnet die Fluggesellschaft British Airways (BA) kurzfristig noch mit signifikanten Flugausfällen. Am Flughafen Heathrow seien heute rund 20 Prozent der BA-Flüge gestrichen worden, teilte die Fluggesellschaft in London mit. Dieser Anteil werde auch noch für Dienstag erwartet.

Bei der Deutschen Lufthansa verläuft der Flugverkehr bisher nach Plan, sagte ein Unternehmensprecher zu SPIEGEL ONLINE. Bisher wurden keine Verbindungen storniert, Passagiere müssten jedoch mit Verspätungen und kurzfristigen Stornierungen rechnen. Gestern Abend musste die Fluggesellschaft 13 Flüge absagen, davon waren 1300 Passagiere betroffen. Auch bei der zweitgrößten deutschen Airline, Air Berlin, die den Londoner Flughafen Stansted anfliegt, gibt es nur leichte Verspätungen, sagte eine Sprecherin.

Bis voraussichtlich morgen werden für Flüge aus und nach London-Heathrow und -Gatwick die am Donnerstag erlassenen Handgepäckregeln gelten, nach denen lediglich wenige Dinge wie Geldbörsen, Reisedokumente, Brillen und wichtige Medikamente in durchsichtigen Plastiktüten mitgenommen werden dürfen. Danach und bei Flügen von anderen britischen Flughäfen schon ab sofort dürfen Passagiere ein Stück Handgepäck mit in die Kabine nehmen, wenn es nicht länger als 45 Zentimeter ist. Flüssigkeiten mit Ausnahme von Medikamenten und Babynahrung dürfen weiterhin nicht mitgenommen werden.

In die USA: Schuhe vor der Kontrolle ausziehen

In den Vereinigten Staaten reduzierte das Heimatschutzministerium die Warnstufe für Flüge aus Großbritannien von rot auf orange. Heimatschutzminister Michael Chertoff betonte, die Bedrohung sei noch nicht vorüber. Trotz verschärfter Sicherheitsvorkehrungen dürfen Fluggäste in den USA aber weiterhin kleine Mengen rezeptfreier Medikamente in flüssiger Form im Handgepäck mit sich führen. Das teilte die Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) gestern in Washington mit. Die Regelung erlaubt die Mitnahme von maximal vier Unzen (113 Gramm) flüssiger nicht-verschreibungspflichtiger Arznei. Chertoff erklärte, ein völliges Verbot von Handgepäck in der Kabine stehe derzeit nicht zur Debatte.

Die TSA wies Flugpassagiere zudem an, ihre Schuhe vor der Sicherheitskontrolle auszuziehen. Diese werden von einem Röntgengerät durchleuchtet. Bislang wurde das Ausziehen der Schuhe nur empfohlen, künftig ist es vorgeschrieben.

abl/AP/dpa



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