Flugverspätungen Handel mit Startrechten als Ausweg?

Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin haben sich Gedanken um die europäischen Flugverspätungen gemacht. Sie plädieren für die Abschaffung alter Besitzstände.


Viele Airlines horten Slots und lassen kleine Gesellschaften nicht zum Zuge kommen
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Viele Airlines horten Slots und lassen kleine Gesellschaften nicht zum Zuge kommen

Die so genannten Großvaterrechte der etablierten Fluggesellschaften für Start- und Landezeiten (Slots) seien Hauptursache für die täglichen Verspätungen, kritisieren die Wissenschaftler. Wenn man dieses Problem löse, könne man nicht nur die Verspätungen in den Griff bekommen, sondern auch mehr Konkurrenz schaffen. Dies werde auch sinkende Ticketpreise zur Konsequenz haben, so die Essenz der Studie, die von der Hochtief Airport GmbH in Auftrag gegeben wurde.

Tatsächlich bekommen die alteingesessene Airlines nach der bislang üblichen Praxis die attraktivsten Zeiten an den Flughäfen zugeteilt. Doch nicht alle dieser Slots werden auch genutzt. Vielmehr horten die Großen der Branche die teuren Start- und Landetermine, wodurch kleinere Fluggesellschaften am europäischen Himmel das Nachsehen haben. Sie müssen auf die Uhrzeiten ausweichen, die viele Passagiere abschrecken.

Professor Hans-Jürgen Ewers und seine Mitarbeiter vom Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik schlagen deshalb einen Dreistufenplan vor. Im ersten Schritt müssen demnach die Start- und Landetermine mit einer pauschalen Gebühr belegt werden, die in der Summe die höheren Fixkosten der Flughäfen abdeckt. Sollten die gebuchten Slots von den Airlines nicht genutzt werden, müssten sie trotzdem bezahlt werden. Wenn allerdings Maschinen starteten oder landeten, müssten nur noch die tatsächlich entstandenen Kosten berechnet werden, die in der Regel niedriger als die Fixkosten ausfielen.

In der zweiten Phase, so die Wissenschaftler, dürften die vergebenen Slots nur für fünf bis acht Jahre gültig sein. Danach fallen sie in einen Pool zurück und können erneut unter den Fluggesellschaften versteigert werden.

Die dritte Stufe sieht vor, dass ein beschränkter Slothandel eingeführt wird. So könnten die Airlines untereinander Termine austauschen und voneinander leasen. Damit steige die Flexibilität, von der alle - Unternehmen wie Passagiere - profitierten.



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