Flugzeuge Bundesanstalt warnt vor Sicherheitsrisiko durch Enteisung

Vor dem Start müssen Flugzeuge im Winter von Eis und Schnee befreit werden. Die Prozedur birgt jedoch Gefahren, hat jetzt die Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchungen festgestellt. Die Rückstände der Enteisungsmittel können große Probleme im Leitwerk verursachen.


Stuttgart - Die Bundesanstalt in Braunschweig warnt vor einem "nicht mehr akzeptablen" Sicherheitsrisiko bei der Enteisung von Verkehrsflugzeugen, berichteten die "Stuttgarter Nachrichten". Bei der derzeit gängigen Praxis drohen gravierende Probleme im Leitwerk von Passagierjets durch Rückstände von Enteisungsmitteln. Betroffen seien vor allem Verkehrsflugzeuge mit Sitzplatzkapazitäten von 40 bis 130 Passagieren auf Kurz- und Mittelstrecken.

Aufgefallen sind die Probleme dem Bericht zufolge erstmals nach einem Zwischenfall am Stuttgarter Flughafen im März 2005, als eine Maschine mit klemmendem Höhenruder landen musste. Bis März 2006 habe es bundesweit sechs weitere Notfälle gegeben. Nach Informationen des Blattes orteten die Flugunfallexperten nach einer mehrmonatigen Testreihe jetzt die Hauptursache in der europaweit fast ausschließlichen Verwendung von verdickten Enteisungsflüssigkeiten.

Dies geschehe aus Kostengründen, um einen möglichst langen Gefrierschutz vor dem Start zu gewährleisten. Die Bundesanstalt forderte dem Bericht zufolge das Bundesverkehrsministerium und die Europäische Agentur für Flugsicherheit zu Gegenmaßnahmen auf.

Vor dem Start müssen Flugzeuge von Eis und Schnee befreit werden, weil sich ansonsten die aerodynamischen Eigenschaften des Flugzeugs verschlechtern, erklärt der Flughafen München auf seiner Website. Außerdem muss es vor Neuvereisung geschützt werden. Zwar dauert die Enteisungssaison offiziell von Anfang Oktober bis Ende April, doch auch im Sommer kann das Enteisen nötig sein, wenn sich Klareis auf den Tragflächenoberseiten gebildet hat.

abl/ddp



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